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"Cleo - A Pirate's Tale": Wegberger entwickelt Computerspiel in Eigenregie

Mediendesigner aus Wegberg : Ein Computerspiel in Eigenregie

Der Wegberger Christoph Schultz will ein Piraten-Computerspiel in Pixel-Grafik entwickeln. Das Besondere: Er macht alles selber. Dafür sammelt er Geld bei vielen Anlegern per Crowdfunding.

Ein großer Zocker ist Christoph Schultz schon lange nicht mehr. „Mein großes Steckenpferd ist eigentlich der Film“, sagt er. Trotzdem arbeitet der Wegberger gerade mit Hochdruck an dem, was er „meinen großen Traum“ nennt: In kompletter Eigenregie will der 31-Jährige Mediendesigner ein Computerspiel entwickeln. Mit seiner Crowdfunding-Aktion, mit der er das Projekt finanzieren will, hat er für seine Spielidee „Cleo – A Pirate‘s Tale“ auf der Plattform Kickstarter binnen knapp zwei Wochen schon mehr als 14.000 Euro eingesammelt.

Die Idee dazu trug er eigentlich bereits einen Großteil seines Lebens mit sich herum: „Es gab nicht diesen einen Punkt, an dem ich wusste, dass ich das machen will“, sagt er. Er sei in den 90er Jahren mit Computerspielen aufgewachsen, bei denen es in guter, alter Pixelgrafik darum ging, mit witzigen Dialogen Rätsel zu lösen. Der Piraten-Klassiker „Monkey Island 3“ sei sein „mit Abstand größter Einfluss“ gewesen. Vor einiger Zeit sei in ihm schließlich der Entschluss gereift, das Projekt anzugehen.

So soll es auch bei „Cleo“ um Geschichten aus der Welt der Freibeuter gehen: Ein 14-jähriges Mädchen, das gerne Piratengeschichten liest, ist in der Spelunke seines Vaters umgeben von eher unerfolgreichen Piraten und Fischern, hinter deren Geschichten scheinbar nur heiße Luft steckt. Durch mehrere Zufälle gerät sie schließlich selber in ein Piratenabenteuer. „Wie bei Käpt‘n Blaubär sind die Geschichten der Piraten, die dort erzählt werden, stark übertrieben. Im Kern geht es aber doch darum, was wir aus Geschichten machen, auch wenn sie nicht immer zu 100 Prozent stimmen“, sagt Schultz. Er will den Witz und die Atmosphäre der Spiele der 1990er zurückbringen.

Screenshot aus dem Spiel „Cleo“ – Spelunke der Piraten und Fischer mit ihren unglaublichen Geschichten. Eine Demoversion ging Anfang Mai an den Start. Foto: Greycap Audiovisual Mediadesign

Das Besondere dabei: Schultz macht alles selber. Von der Programmier-Arbeit, die er sich per Youtube-Studium selber beigebracht hat, über das Schreiben der Dialoge bis zum Aufnehmen der Musik und Soundeffekte. „So etwas kann man sich für ein paar Euro alles aus dem Internet runterladen“, sagt Schultz, „aber das hätte ich nicht schön gefunden. Ich will wirklich alles selber machen, sonst geht der Charme dabei verloren.“ Fünf Lieder hat er schon für das Spiel geschrieben, Geräusche wie etwa das Mischen von Spielkarten aufgenommen.

Schultz machte sich vor zehn Jahren mit seiner Firma Greycap selbstständig, die in Erkelenz sitzt. Als Mediendesigner produziert er hauptsächlich Werbefilme und Erklärvideos für Unternehmen. Vor Kurzem fasste er jedoch den Entschluss, mit seinem Spieleprojekt ernst zu machen. „Geschichten erzählen, das hat mir einfach gefehlt. Sich Charaktere und witzige Gespräche auszudenken, das habe ich immer nur in meiner Kindheit gemacht“, sagt er. Wenn er auf die 20.000 Euro kommt, die er für ein Jahr Entwicklungsarbeit einkalkuliert hat, will er das Spiel bis August 2021 in Vollzeit fertigstellen.

Die Fremdfinanzierung sei für ihn durchaus mit Druck verbunden: „Wenn das Ganze funktioniert, dann habe ich natürlich auch 5000 Leute, die Geld investiert haben und ein fertiges Spiel sehen wollen.“ Die Resonanz auf die spielbare Demoversion von „Cleo“, die er Anfang Mai veröffentlichte, fiel extrem positiv aus. In den Kommentarspalten stehen Bewertungen wie „Genial“, „Wow!“ oder „Sieht absolut fantastisch aus“.

Zwar ist die Indiegame-Szene, also Spiele, die mit oft geringen Budgets und ohne große Unternehmen im Rücken entwickelt werden, in Deutschland in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Spiele mit Handlung, die mehr als ein kurzfristiges Vergnügen sein sollen, sind dabei aber selten. „Der Großteil der Gamer ist halt auf etwas anderes aus“, sagt Christoph Schultz. „Ich bediene mit diesem Spiel eine Nische, das ist mir bewusst. Aber es gibt anscheinend viele Leute, die sich dort heimisch fühlen und denen dieses Genre zu schnell ausgestorben ist.“