Buchpräsentation mit Luisa und Johannes Donner aus Wegberg: Aus einer schlafenden Sammlung

Buchpräsentation mit Luisa und Johannes Donner aus Wegberg : Aus einer schlafenden Sammlung

„Du bist so weit weg“ ist eine Gemeinschaftsarbeit von Vater und Tochter mit Texten von Luisa Donner und Fotografien von Johannes Donner. Das Buch greift eine „schlafende Sammlung“ auf, die Arbeiten des Fotojournalisten aus Wegberg.

„Die Idee zu dem Buch ist bereits vor vielen Jahren entstanden“, erzählt Luisa Donner. „Mein Vater hatte in seinem Atelier sehr viele, nicht entwickelte Fotos als Negativstreifen liegen“. Johannes Donner war in den 1970er und 1980er Jahren im Raum Aachen als Fotojournalist tätig. Bei seiner Arbeit entstanden etwa 40.000 Fotos, welche noch immer in seinem Ordnern als Negative schlummern. „Ich interessiere mich sehr für Fotografie und wir waren früher immer wieder zusammen in der Dunkelkammer um Fotos zu entwickeln“, erinnert sich Luisa Donner. Sie ermunterte ihren Vater, seine schlafende Sammlung hervorzuholen, sie ihr zu zeigen und davon zu erzählen.

Das war der Anfang. Für Luisa Donner waren die Vorbereitungen für das Buch eine Möglichkeit, ihren Vater aus einem anderen Blickwinkel kennenzulernen und wahrzunehmen, ihn nicht mehr mit Kinderaugen zu sehen. Seit zwei Jahren lebt sie in Italien, in Mailand und sieht ihre Eltern nicht mehr so häufig. Um in Verbindung zu bleiben, führen sie Skype-Gespräche. Bei diesen Bild-Ton-Telefonaten zwischen Herbst 2017 und Sommer 2019 begann die Arbeit an dem Buch. An sieben langen Abenden besprachen die beiden eine Auswahl von etwa 200 Fotos. Sie erinnerten sich und entdeckten Neues. Diese Reise in die Vergangenheit und in die Erinnerungswelt ihres Vaters inspirierte Luisa Donner zum Schreiben von Prosatexten mit engerem oder weiteren Zusammenhang zu den Bildern.

„Manchmal hatten wir sehr unterschiedliche Meinungen über Dinge, aber das war auch sehr interessant,“ erinnert sie sich. Das Buch ist bewußt nicht als prunkvoller Bildband gestaltet. Es hat seinen Charme mit Schwarz-Weiß-Fotos in Anmutung der Zeitungsoptik der 1970er Jahre. Teilweise seitenfüllend, teils nur als halbseitige Abbildung hat jede Fotografie ihren Raum, den sie nicht teilen muss und das sie als Ganzes wirken lässt. Bekannte Persönlichkeiten wie Johannes Rau, Helmut Schmidt oder Udo Lindenberg finden sich ebenso wie das Bild einer Frau im Regen, eines kleinen Mädchens oder Männern bei der Arbeit. Es gibt keine konkreten Bezüge zu Persönlichkeiten oder Namen.

Die Fotos sind teilweise bei Presseterminen entstanden, jedoch auch als Schnappschüsse am Rande. Jeder Mensch, ob privat oder populär, ist in seiner Wertigkeit im Buch gleichgestellt. „Es geht um die Geschichten hinter den Bildern,“ erklärt Luisa Donner. Die Fotografien lassen die ganz besondere Atmosphäre dieser Zeit wiederaufleben, zeigen den Charme der damaligen Autos, der Werkstätten und der alltäglichen Umgebung und natürlich der Menschen. Es geht nicht darum, Menschen wiederzuerkennen, sondern um die besondere Situation im Kontext der Zeit. Im Textteil des Buches finden sich Dialoge aus den Gesprächen zwischen Vater und Tochter. „Das ist alles ganz schön weit weg. Auf dem Foto bleibt es immer da. Ich glaube, dass Momente nicht festzuhalten sind. Wer weiß?“

Zu den Texten, die Luisa Donner geschrieben hat, hat sie sich durch die Bilder inspirieren lassen. Anders als ihr Vater verbindet sie keine unmittelbare Erinnerung zu den Menschen und Situationen der Fotos. Das machte sie frei, ihre Gedanken und Eindrücke in Geschichten zu fassen.