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Bergmannskluft aus Hückelhoven im Trachtenmuseum Wegberg-Beeck

Leihgabe aus Hückelhoven in Beeck : Bergmannskluft ergänzt Ausstellung im Trachtenmuseum

Im Europäischen Trachtenmuseum sind jetzt auch ein Bergkittel, Schachthut, Arschleder, Lampen und ein Kohlebrocken der stillgelegten Zeche Sophia-Jacoba zu sehen. Der Förderverein Schacht 3 stellte die seltenen Leihgaben zur Verfügung.

Peter steht barfuß inmitten der Ausstellung, die noch bis Ende Oktober 2021 Schürzen und Kittel im Europäischen Trachtenmuseum am Beecker Kirchplatz zeigt. Peter soll bald Schuhe bekommen, damit seine bergmännische Kluft perfekt ist – ein schwarzer Bergkittel mit Schachthut.

„Bei uns haben alle Puppen Namen“, sagt schmunzelnd Klara Schlömer, die sich ehrenamtlich im Trachtenmuseum engagiert, als sie mit Georg Wimmers, dem Vorsitzenden des Heimatvereins als Betreiber der Einrichtung und dem Trachtenbeauftragten Gregor Laufenberg einige ganz besondere Leihgaben aus Hückelhoven entgegennimmt. Die dunkle Bergmannstracht mit Schulterkragen als Reststück einer Pelerine, die ursprünglich eine Schutzfunktion vor herabfallendem Gestein in der Grube und herabtropfendem Wasser hatte, passt der lebensgroßen Puppe namens Peter wie angegossen. Der Schachthut – einst Vorläufer des heutigen Arbeitsschutzhelmes – habe früher gefüllt mit Schafswolle als Kopfschutz gedient, erläuterte Schlömer. Detlef Stab, Vorsitzender des Fördervereins Schacht 3, zögerte keine Sekunde, als der Wunsch, die aktuelle Ausstellung zu ergänzen, an ihn herangetragen wurde. „Ich finde eine solche Zusammenarbeit gut und wichtig“, bekräftigt er bei seinem ersten Besuch im Beecker Trachtenmuseum. „Hier wird ein Stück europäische Geschichte dargestellt. Dazu gehören auch die Bergleute.“ Als „wirkliche Bereicherung“ wertet Wimmers die historischen Leihgabent. Auch ein etwa 260 Millionen Jahre alter Kohlebrocken, Wetterlampe, Pottlampe und ein „Arschleder“ gehören dazu. Der nicht mehr gebräuchliche Gesäßschutz, eine halblange, an Riemen befestigte Lederschürze, diente den Kumpeln unter Tage als Schutz vor dem Durchwetzen des Hosenbodens sowie gegen Bodennässe und Kälte beim Sitzen.

Für das Trachtenmuseum hatte Stab ein ganz besonderes Exemplar ausgewählt, das auf einer Seite das Hückelhovener Fördergerüst zeigt und auf der anderen Seite Unterschriften von Gratulanten, die damals ihrem Kollegen diese einmalige Erinnerung schenkten – an eine Zeit, als der Kohlehobel bei Sophia-Jacoba noch nicht stillstand. Klara Schlömer hat kleine Zettel mit Erläuterungen an den ungewöhnlichen Ausstellungsstücken befestigt. Im Europäischen Trachtenmuseum erfahren Besucher noch bis zur Winterpause, die Ende des Monats beginnt, sonntags von 14 bis 17 Uhr, dass die weiße Feder am Schachthut ursprünglich aus Schwanenfedern bestand und dazu diente, Sprenglöcher zu säubern. Das Bergmannslied „Glück auf, der Steiger kommt“ hat die rührige Ehrenamtlerin dazu an die Wand gehängt. „Weil in der vierten Strophe doch das Arschleder vorkommt.“