Auf mittelalterlicher Entdeckungstour rund um Haus Wildenrath

Rund um Haus Wildenrath : Auf mittelalterlicher Entdeckungstour

Etwa an der Stelle der heutigen Naturschutz­station „Haus Wildenrath“ hat vor mehreren Jahrhunderten eine Ritterburg gestanden. Und einige Tongruben erinnern an den Abbau des begehrten Materials.

Wie viel Interessantes es auch in nächster Umgebung zu entdecken gibt, zeigt ein fünf Kilometer langer Rundgang ab der Naturschutzstation „Haus Wildenrath“: Unter Leitung von Corinna Stellmacher geht es in der naturkundlichen und kulturhistorischen Wanderung zum Standort einer Ritterburg, zu mittelalterlichen Tongruben sowie zu besonderen Naturhöhepunkten.

Eine bedeutende Stätte bildet dabei die Naturschutzstation und biologische Station selbst: Ungefähr am heutigem Standort hat sich um das Jahr 1500 herum die Ritterburg mit Vorburg, Herrenhaus und Wassergraben befunden, zu jener Zeit Stammsitz der Familie von Wildenrath. Deren (nach)gemaltes Wappen hängt an einer der Wände: prägnant mit Schild, darauf ein roter Hut mit silberner Krempe, goldener Kugel auf einem Helm und wiederum darauf ein rotes Jagdhorn. Die Burg war irgendwann abgebrannt und verfallen. Seit 1700 existierte dann an der Stelle der fränkische Vierkanthof mit Ziegenstall. Das Wohnhaus ist dabei wohl auf das Jahr 1830 zu datieren. Die Hofanlage wird seit 1970 als Naturschutzzentrum genutzt. Landschaftlich ist der Fachwerkhof im Oberen Schaagbachtal auf einer alten Flachmotte angesiedelt. Auf das darunter liegende Moor war Erde und Sand geschüttet worden, um den Gebäudebau möglich zu machen. Der fünf Kilometer lange, für alle Generationen gut zu bewältigende Rundweg führt ab dort zu weiteren interessanten natürlichen und historischen Stationen. Zu Teilen geht es dabei über den Traumwanderweg „Wildes Schaagbachtal“. Nur wenige Schritte vom „Haus Wildenrath“ entfernt steht beispielsweise ein Mispelbaum mit vielen kleinen orangefarbenen Früchten in voller herbstlicher Pracht – passend zur Burg handelt es sich um einen im Mittelalter weit verbreiteten Obstbaum. Und an der Hofrückseite, am Rand des Weihers, hat sich ein emsiger Biber durch Auftürmen von Naturmaterialien eine eigene Burg gebaut. Seine baulichen Aktivitäten sind ebenso entlang des kleinen Bachs sehr gut nachzuvollziehen. Dabei hat sein Anlegen von Vorratskammern dazu geführt, dass der am Weiher entlang führende Weg zu Teilen absackte und eine kleine Umleitung eingerichtet wurde. Im weiteren Verlauf gibt unterhalb der Pferdewiese eine rechteckige Grube Anlass zu Mutmaßungen: Wahrscheinlich haben die Ritter darin Fischzucht betrieben. In diesem Gebiet plätschert der Rumpenbach, der sich später mit dem Schaagbach vereinigt, still vor sich hin – Schwarzerlen sind hier in großer Zahl zu finden.

Anschließend gelangen die Spaziergänger auf einen hoch in der Waldlandschaft aufragenden Damm. Darauf lagen früher Schienen für die Loren – Wägelchen, in denen der Ton der mittelalterlichen Tongruben abtransportiert wurden, wie Corinna Stellmacher zu berichten weiß. So wurden daraus sowohl Pingsdorfer Tonwaren als auch in späteren Zeiten Ziegel hergestellt. Läuft man im Folgenden an Bauten der Roten Waldameise unterhalb des Kuhbergs, an schattigen Bachplätzen und rechts liegenden Erdlöchern der Westfront vorbei, gelangt man zu einer weiteren großen Tongrube. Das hellbraune Material ist gut formbar und kann an der Luft getrocknet werden. Die Reinheit lässt sich durch Rollen länglicher Einheiten zwischen den Handflächen, ohne dass der Ton bricht, ermitteln. Ebenso durch einen Geschmackstest mit möglichst wenig Sandanteil. Durch verwunschen wirkende Wälder mit teils uraltem Buchenbestand gelangt der Wanderer zurück zum Haus Wildenrath, in dessen ländlichem Betrieb viele Tiere alter Landtierrassen beheimatet sind.

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