Wegberg: Auf der Route gegen das Vergessen

Wegberg: Auf der Route gegen das Vergessen

An neun Stationen erzählen Gedenkeinrichtungen von Ereignissen regionaler Geschichte in der Zeit des NS-Regimes. Start- und Zielpunkt einer Fahrradtour über die Route gegen das Vergessen ist der Gedenkstein vor dem Rathaus.

An neun Stationen im Stadtgebiet und in der Umgebung von Wegberg erzählen Tafeln, Erinnerungsstätten und Gebäude von Ereignissen der regionalen Geschichte in der Zeit des NS-Regimes. Die Orte der Erinnerung und der Mahnung Wegberg 1933 bis 1945 können am besten per Fahrrad erkundet werden. Die Route gegen das Vergessen führt vom Wegberger Rathausplatz durch die Innenstadt nach Klinkum, Dalheim-Rödgen Arsbeck-Büch bis an die Gemeindegrenze zwischen Arsbeck und Niederkrüchten (Varbrocker Landwehr) und zurück.

Orte der Erinnerung und der Mahnung Wegberg 1933 bis 1945: Der Gedenkstein vor dem Rathaus. Foto: Michael Heckers

Station 1 Der Gedenkstein auf dem Rathausplatz ist der Anfangs- und Zielpunkt der Route gegen das Vergessen. Das Wegberger Rathaus wurde in den Jahren 1937 und 1938 gebaut, als die Demokratie schon abgeschafft war und die 13 Gemeinderäte und Beigeordneten alle Mitglieder der NSDAP waren. Der Gedenkstein, der in die Pflastersteine des Rathausplatzes am Brunnen zwischen Kirche, Kloster und Rathaus eingelassen wurde, ruft alle zum Handeln auf und mahnt: "Frag nicht, was du getan hättest, frag dich, was werde ich tun."

Orte der Erinnerung und der Mahnung Wegberg 1933 bis 1945: Das Ehrenmal im Stadtpark. Foto: Michael Heckers

Station 2 Seit dem 1. Juli 1951 ist das Ehrenmal der Gemeinde Wegberg im Stadtpark die Gedenkstätte für Gefallene der beiden Weltkriege. Bei dem Ehrenmal handelt es sich um einen Quarzit-Sandstein aus den Rothenbacher Sandwerken. Wegberg hat aus den Weltkriegen 530 Gefallene zu beklagen, 271 Bürger wurden vermisst. Der Stein im Stadtpark erinnert an die dunkelste Zeit Deutschlands.

Station 3 Die beiden jüdischen Familien Moses und Jakob Salm lebten in den Häusern an der Venloer Straße 6 und in der Fußbachstraße 19. Alle wurden während des Zweiten Weltkriegs inhaftiert und deportiert, nur Alex Salm überlebte die Konzentrationslager. Bis zu seinem Tod im Jahr 2004 lebte er überwiegend in Wegberg.

Station 4 Etwa 40 Wegberger starben am 25. Februar 1945 durch einen der schwersten Luftangriffe der Amerikaner. Insgesamt starben während des Zweiten Weltkriegs rund 65 Millionen Menschen, davon rund sechs Millionen Juden. Die St.-Antonius-Schützenbruderschaft Wegberg hat die Pflege für den Ehrenfriedhof (Friedhofstraße) übernommen.

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Station 5 Der Widerstand der katholischen Kirche gegen die nationalsozialistische Ideologie zeigte sich bei Dechant Gottfried Plaum in Klinkum und weiteren sieben Geistlichen, die ab 1942 zu Zuchthausstrafen bis zu sechs Jahren verurteilt wurden. Die Kirche, das Pfarrhaus und der Friedhof in Klinkum sind Stationen auf der Route gegen das Vergessen in Wegberg.

Station 6 Der Westwall entlang der Westgrenze war ein mehr als 600 Kilometer langes Verteidigungssystem mit über 18.000 Bunkern. Auf dem heutigen Wegberger Stadtgebiet befanden sich 80 Bunker - einer davon befindet sich an der Roermonder Bahn/Landwehr in Arsbeck-Büch nahe der Bundesstraße 221.

Station 7 Eine polnische und sechs sowjetisch-russische Zwangsarbeiterinnen wurden im November 1944 auf dem Dalheimer Friedhof erschossen. Die Frauen gehörten zu den 1500 Fremdarbeiterinnen, die im Kloster St. Ludwig einquartiert waren.

Station 8 Wegen angeblicher Plünderung wurden fünf russische Frauen am 13. Oktober 1944 an der Gemeindegrenze zwischen Arsbeck und Niederkrüchten, an der Varbrocker Landwehr, erschossen. Bei diesen Frauen handelte es sich um Zwangsarbeiterinnen. Ihre Namen: Sina Mustkowa (geboren 1911), Helga Kuschinowa (geboren 1914), Wera Schikula (geboren 1921), Tonja Polzakowa (1921) und Maria Lagena (1920).

Station 9 Matthias und Anna Eickels wohnten mit ihren Kindern in der Lindenstraße. Aus katholischer Überzeugung verweigerte die Familie Spenden an die Nazi-Hilfswerke. Als das Schulkreuz aus der Schule in Beeckerheide entfernt wurde, protestierte Anna Eickels. Der Sohn Josef wurde im Jahr 1936 kurz vor dem Abitur vom Gymnasium in Erkelenz verwiesen. Matthias Eickels wurde verhaftet und starb am 10. Dezember 1942 im Konzentrationslager Dachau.

(hec)
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