Wegberg: Arzt läuft täglich einen Marathon für Schumi

Wegberg: Arzt läuft täglich einen Marathon für Schumi

Dr. Wolfgang Krüll läuft im Schnitt 43 km pro Tag. Mit seinem Healing Run möchte der Arzt dem schwerkranken Michael Schumacher helfen.

Er nennt es ein spirituelles Laufprojekt. Oder neudeutsch: Healing Run. Was dahinter steckt, klingt unglaublich: 3311 Laufkilometer hat der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Krüll aus Wegberg in den vergangenen 77 Tagen zurückgelegt. Im Schnitt 43 Kilometer pro Tag. Warum er sich das antut? Ganz einfach: "Damit Schumi wieder gesund wird", sagt Krüll.

Seit dem 29. Dezember 2013 widmet Dr. Wolfgang Krüll jeden Laufkilometer der Gesundheit seines Freundes Michael Schumacher. Der Formel-1-Rekordweltmeister war an diesem Tag beim Skifahren im französischen Méribel gestürzt und auf einen Felsen geprallt. Dabei hatte er ein schweres Schädel-Hirntrauma erlitten und liegt seitdem im Koma. "Ich bin absolut davon überzeugt, dass Michael wieder gesund wird", sagt Dr. Krüll. Er kennt Schumi seit Jahren und hat ihn kürzlich am Krankenbett in der Universitätsklinik von Grenoble besucht.

Den Hintergrund seines ungewöhnlichen Projektes erklärt Krüll so: "Über das Laufen kann ich mentale Energie transportieren." 1995 sei er zum ersten Mal für einen Verwandten gelaufen, der an Krebs erkrankt war. "Ob es an meinen Läufen lag, dass er gesund wurde, kann ich nicht sagen", meint Krüll. Vom spirituellen Laufen ist er aber seitdem überzeugt. "Ich bin ein Freund von ungewöhnlichen Ideen."

Als "Joey Kruell" geht er bei größeren Laufveranstaltungen an den Start. Das sei keine Anspielung auf den Extremsportler Joey Kelly, sondern auf seinen zweiten Vornamen Johann. Krüll liebt extreme Herausforderungen und hat schon Bergläufe wie den 100 Kilometer langen Zugspitz Ultratrail am höchsten Berg Deutschlands (2962 Meter) mit 5420 Höhenmetern absolviert. Sieben 100-Meilen-Läufe (162 Kilometer) hat er zuletzt gefinisht. Mal in 18, mal in 26 Stunden. Seinen schnellsten Marathon lief er 2013 in Köln in 3:39 Stunden.

Die Liebe zum Laufen hat Krüll in über 100 Länder geführt. Gerne erinnert er sich an Läufe in Indien, Tibet oder Afrika, wo er mit Ultraläuferin Betty Mecking aus Düsseldorf unterwegs war, die vor einigen Jahren im Marathonteam der Rheinischen Post unter Anleitung des Viersener Allgemeinmediziners Dr. Michael Fritz und RP-Redakteur Dieter Weber (Mönchengladbach) ihre Leidenschaft fürs Laufen entdeckte. Tempo ist für Krüll zweitrangig. Kilometer sind wichtig. Laufen ist für ihn Meditation. Der Weg ist das Ziel.

Seinen Healing Run für Schumi begleitet Krüll, der bis 2005 eine Arztpraxis in Klinkum hatte, mit Kommentaren beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Fight Mike", "Never give up" und "Yes we can" notiert er als "DR DR KRUELL @geistheilungOne" im Internet.

Krüll will heute eine 10-km-Runde drehen. Zur Erholung. Denn morgen läuft er den Königsforst-Marathon in Köln. Dann sammelt der laufende Arzt im roten T-Shirt weitere 42 Kilometer für Schumi.

Dr. Krüll, der nicht gerne über sein Alter redet, weiß, dass sein Körper zurzeit am Limit ist. "Zur Nachahmung kann ich diese Aktion nicht empfehlen", sagt er. Den Healing Run will er trotzdem fortsetzen, "mit deutlich geringerer Intensität." Ihm das zu glauben, fällt schwer: Auf der Teilnehmerliste der "Tortour de Ruhr" (7./8. Juni 2014), einem der längsten Nonstopläufe Deutschlands, taucht ein gewisser "Joey Kruell" auf. An zwei Tagen geht es von der Quelle der Ruhr bei Winterberg bis zur Mündung in den Rhein bei Duisburg. Die Distanz: 230 km.

(RP)
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