Anton Heinen wäre 2019 150 Jahre alt geworden

Gedenken an Pädagogen und Theologen : Anton Heinen wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden

Anton Heinen ist Namensgeber der Volkshochschule des Kreises Heinsberg. 2019 wird Heinens 150. Geburtstags gedacht. Unter anderem erinnert der Heimatkalender an den Theologen und Pädagogen, dessen letzte Lebensstation Rickelrath war.

Es ist selten, dass eine Volkshochschule einen Namensgeber hat. Im Kreis Heinsberg ist das so. Benannt ist die VHS nach Anton Heinen, einem Pädagogen und Theologen gleichermaßen, dessen Wirken Spuren im Ruhrgebiet, in Mönchengladbach und Paderborn wie auch in Wegberg hinterlassen hat. Heinen war vor 150 Jahren bei Bedburg geboren worden und starb vor 85 Jahren in Rickelrath, wo er auf dem kleinen Friedhof am Ortsrand seine letzte Ruhe fand.

Ingo Rümke, bei der Volkshochschule des Kreises Heinsberg Fachbereichsleiter für Musik und Kunstgeschichte sowie für Grundbildung und Schulabschlüsse, verfasste für den aktuellen Heimatkalender ein Porträt Anton Heinens, das dessen Geburtstagsjubiläums ebenso würdigt wie dessen Bedeutung als Namensgeber der VHS. Er erklärt: „Anton Heinen gilt als ein wichtiger Vertreter der sich professionalisierenden Erwachsenenbildung in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.“

Biografisch aufgearbeitet hat Heinens Leben Andreas Amberg, der dazu 1993 in den Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande schrieb. Nach dem Studium der Theologie in Bonn und Köln ist Anton Heinen 1893 zum Priester geweiht worden. Er wurde Kaplan in Mülheim an der Ruhr und lernte die sozialen Probleme der Arbeiter hautnah kennen. Diese Erfahrungen sollten ihn prägen, ihn zu einem „christlich-sozialen Gegenpol zur sozialistischen Arbeiterbewegung seiner Zeit“ werden lassen. „Insofern ist es nicht verwunderlich, dass der christliche Soziallehrer Franz Hitze 1909 Anton Heinen, inzwischen Religionslehrer geworden, in die Zentrale des Volksvereins für das katholische Deutschland gewinnen konnte.“ Dort, in Mönchengladbach, wirkte Heinen bis 1923, wechselte anschließend als Leiter an das Franz-Hitze-Haus in Paderborn, wo er bis 1932 blieb. „Die beiden letzten Lebensjahre verbrachte der bekannte und anerkannte Volksbildner noch einmal als offizieller Seelsorger, nun in der dörflichen Idylle Rickelraths.“ Bei seinem Tod hat Heinen ein „pädagogisch-theologisches Opus von über 300 (!) Büchern und Aufsätzen“ hinterlassen, „das sein Freund Egidius Post aus Erkelenz-Kuckum seinerzeit sorgfältig archiviert hatte“. Viele Schriften jedoch seien durch den Zweiten Weltkrieg verlorengegangen.

Als „für seine Zeit durchaus progressiv“ beschreibt Ingo Rümke Anton Heinens Didaktik im aktuellen Heimatkalender des Kreises Heinsberg, „indem sie die Bedürfnisse der Lerner in das Zentrum aller Überlegungen stellte und geeignete Lernwege und Vermittlungstechniken suchte, um einen möglichst hohen Lernerfolg zu erzielen“. Bezug nimmt Rümke dabei auf die unvollendet gebliebenen Lebenserinnerungen Heinens mit dem Titel „Worum es mir ging! Mein Leben als Volksbildner“, die zu weiten Teilen in Rickelrath entstanden sind und die August Pieper, Generaldirektor des Volksvereins (1866-1942), im Nachlass entdeckt hatte.

Buchwissen zu pauken, habe Heinen abgelehnt, stattdessen für gut ausgebildete Lehrkräfte (der Pfarrer eines Dorfes) plädiert. Diese sollten, der Lebenswirklichkeit der Lernenden entsprechend, die Menschen beim lebenslangen Lernen unterstützen: „Volksbildung soll in seiner Vorstellung dem Einzelnen helfen, seine im Dienste der Gemeinschaft stehende Funktion in der Familie und bei der Arbeit möglichst gut ausfüllen zu können.“

Kinder wie Erwachsene sollten lernen können, „was sie zur Bewältigung ihres Lebens in und für die Gemeinschaft benötigen“. Das habe in einer angemessenen Sprache zu geschehen: „Im Idealfall sollten die von den Lernenden entwickelten Fragen von ihnen selbst unter Anleitung beantwortet werden.“

Wenngleich das Leitbild des Denkens und Handelns von Anton Heinen kaum noch etwas mit der Volkshochschule des Kreises Heinsberg im Jahr 2019 zu tun habe, die parteipolitisch und weltanschaulich neutral arbeite, schreibt Rümke, so seien doch auch Anknüpfungspunkte zu finden, „die auch für die Volkshochschule bis heute noch relevant sind“.