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Aktionskreis Wegberger Mühle erinnert an das Krankenhaus

Vortrag im Aktionskreis Wegberger Mühle : Als es in Wegberg noch ein Krankenhaus gab

Der Aktionskreis Wegberger Mühle rief mit einem Vortrag die 115-jährige Geschichte der wichtigen Institution in Erinnerung.

Für die meisten Wegberger hat es das Krankenhaus vor Ort schon immer gegeben. Viele kennen es, weil sie Patienten besuchten und mit ihnen im kleinen Park hinter dem Neubau vor dem Liegehaus für Lungenkranke spazieren gingen oder dort einfach die frische Luft genossen. Viele weitere sind selbst dort behandelt oder sogar geboren worden. In einem Vortrag erinnerte der Aktionskreis Wegberger Mühle (AWM) an die 115 Jahre währende Geschichte der Krankenhaus-Institution. Folkmar Pietsch, AWM-Mitglied, ehemaliger Redaktionsleiter der Rheinischen Post Erkelenz und damals Vorstandsmitglied im Krankenhaus-Förderverein, referierte mit einigen Anekdötchen und zeigte mit Unterstützung von Karl Küppers ergänzend Fotos.

Für einige der rund 40 Besucher in der Wegberger Mühle stellte der Beitrag eine persönliche Zeitreise dar. Dabei gab es einige Details zu erfahren, die auch die große Anstrengung und das Engagement von Kirche, Ordensschwestern, Politik und Gemeinde für eine medizinische Grundversorgung und darüber hinaus gehende Leistungen verdeutlichte. Auf dem Weg vom Klösterchen zum Krankenhaus mit mehr als 100 Betten gab es einige Hürden zu überwinden. Klar wurde zudem, dass dem Haus bereits ab Ende der 1990er Jahre sinkende Belegungszahlen zu schaffen machten.

Den Beginn der Geschichte bildete das Jahr 1904. Zu dieser Zeit wirkte Pastor Jakob Müller von Kaiserswerth in Wegberg, und es gab aufgrund von Typhus und Ruhr zahlreiche Opfer. „Der Ruf nach einem Krankenhaus wurde immer lauter“, berichtete Folkmar ­Pietsch, und der Pfarrer ergriff die Initiative: Er bat den Erzbischof von Köln, Kardinal Fischer, um die Einrichtung einer Niederlassung barmherziger Schwestern in Wegberg. Somit konnte nach zehnmonatigem Wohnhaus-Umbau 1905 das kleine Krankenhaus mit Krankenstation, Kleinkinderbewahrschule sowie Handarbeits- und Haushaltungsschule eingeweiht werden. Heute erinnert die Statue des Heiligen Antonius von Padua im Haus Bahnhofstraße 42 an die erste Niederlassung.

Bilder aus früheren Tagen: die Krankenzimmer. Foto: Stadtarchiv Wegberg

Folkmar Pietsch stellte im weiteren – teils mit Bezug auf mehrere Literaturquellen – die Entwicklung hin zu einem eigenständigen Krankenhaus dar: Die Ordensschwestern waren zunächst im ersten Bau (1915) an der Birkenallee tätig. Fotografien von Krankenhaus, Krankenzimmer und OP-Saal aus dem Jahr 1915 gaben sehr eindrückliche Einblicke in die damalige Situation. Ausschlaggebend für den Bau der Liegehalle oder Lungenhäuschen war, dass ab 1925 zur Auslastung des Hauses auch Lungenkranke zugewiesen wurden. Dieses ist 2005 mit Mitteln des bis 2006 bestehenden Krankenhaus-Fördervereins renoviert worden und verfällt jedoch seit der Privatisierung des Hauses immer mehr. Eine herausfordernde Bewährung des Personals stellte der schwere Rennunfall auf dem Grenzlandring am 31. August 1952 dar: Es gab 13 Tote, und die meisten der 42 überwiegend schwer Verletzten wurden im Wegberger Krankenhaus behandelt. Mit dem Neubau in direkter Nachbarschaft mit Einweihung im Jahr 1964 wurde das alte Gebäude schließlich in ein Altenheim umfunktioniert.

Das Wegberger Krankenhaus hatte früher eine Neugeborenenstation. Foto: Stadtarchiv Wegberg

Das große Engagement, mit dem sich die Wegberger für ihr Krankenhaus einsetzten, wurde Ende 1978 deutlich: Jahrelang kämpften sie darum, dass es nicht in eine Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie umgewandelt wurde, wobei die Vereine 13.000 Unterschriften sammelten und der Landesregierung übergaben. Ein Einsatz, der von Erfolg gekrönt wurde.

Ein späteres „fünfjähriges, äußerst düsteres Kapitel“, das mit der Übernahme durch einen Chirurgen begann und schwere Behandlungsfehler umfasste, wollte Pietsch nicht näher beleuchten. Die Klinik Wegberg stellte am 2. Juni 2017 den Krankenhausbetrieb ein. Die Ordensschwestern wirkten 78 Jahre lang im Krankenhaus. Auf dem neuen Friedhof gibt es 31 Gräber von Franziskanerinnen und in einer Ecke an der Mauer des alten Friedhofs an der Bahnhofstraße ein Gedenkkreuz, das an die verstorbenen Schwestern erinnert.