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1993: NRWs größtes Rockspektakel in Wildenrath

Größtes Rock-Spektakel in NRW : Als Tina Turner in Wildenrath auftrat

„Rock over Germany“ lockte 1993 das Who is Who der internationalen Rock- und Pop-Szene in die Region.

Das hatten die Soldaten der Royal Air Force Germany (RAF) nicht in ihren kühnsten Träumen geahnt: Dass einmal neben der Start- und Landebahn in Wildenrath 50.000 Camper ihre Zelte aufschlagen und Wohnwagen postieren und dass gleich nebenan gerockt und gefeiert wird. Aber so war‘s. Vor 25 Jahren.

Wo zehn Monate zuvor, am 30. Oktober 1992, mit dem feierlichen Einholen des britischen Union Jack die 40-jährige Geschichte des Wildenrather Militärflugplatzes endete, fand vom 27. bis 29. August 1993 das größte Rock-Spektakel aller Zeiten in Nordrhein-Westfalen statt: „Rock over Germany“.

Schon viele Monate vorher verbreitete sich bei den Anhängern der Rockmusik die Kunde, Tina Turner, Rod Stewart, Joe Cocker und weitere Größen der Szene kämen nach Wildenrath. Am 9. Februar 1993 berichtete die Rheinische Post schließlich von konkreten Planungen der größten deutschen Konzertveranstalter Mama Konzerts&Rau in München. Da war von einem zweitägigen Konzert die Rede. Und in einer Pressekonferenz in Aachen am 4. Juni des Jahres stellte der „Papst“ unter den Konzertagenten, Fritz Rau (1930-2013), ein dreitägiges Rock- und Popkonzert auf dem ehemaligen Flugplatz „als Volksfest höchster Güte“ vor.

Die Liste der für das Wildenrather Drei-Tage-Konzert engagierten Künstler las sich wie das Who is Who der internationalen Rock- und Pop-Szene: Tina Turner, Chris de Burgh, Joe Cocker, Rod Stewart, Prince, Peter Maffay, um nur einige der 17 Künstler zu nennen. Fritz Rau, der 1976 sein erstes Open-Air-Konzert im Stuttgarter Neckarstadion organisiert hatte, freute sich auf Wildenrath: „Das Gelände ist wie geschaffen für ein Festival dieser Größenordnung.“ In den folgenden Wochen wurde mit allen zuständigen Behörden und Organisationen verhandelt, um Zufahrtsmöglichkeiten, Versorgung und Betreuung der Besucher zu gewährleisten, „denn die Veranstaltung soll ein Volksfest-Erlebnis werden“, so Rau.

Der Konzertagent hatte nicht zuviel versprochen. „Rock over Germany“ wurde zum Volksfest, zu dem nicht nur Besuchermassen aus dem ganzen Land strömten, sondern in starkem Maße aus den Niederlanden und in vielen vollbesetzten Bussen aus Großbritannien. Und da bereits am ersten Festivaltag, Freitag, 27. August, mehr als 20.000 Camper auf dem Gelände eintrafen und für die der vorgesehne Platz nicht ausreichte, wurde er um ein zweites gleichgroßes Areal erweitert. War auch notwendig, denn bis Samstagabend hatten an die 50.000 Camper den Weg auf das einstige RAF-Gelände gefunden. Diese und die zigtausend weiteren Rockfans sorgten an allen drei Tagen nicht nur vor den drei Einlasstoren für endlose Staus, sondern auch auf allen Zufahrtsstraßen, wo die Polizei alle Hände voll zu tun hatte. Beispielsweise gab es vor Festivalbeginn am frühen Freitagabend auf der A 46 vor Hückelhoven einen kilometerlangen Rückstau.

Das war vergessen – bei den Glücklichen, die um 18 Uhr den Ex-Flugplatz erreicht hatten. Pünktlich dröhnte nämlich die Stimme von Andrew Strong aus den 320 überdimensionalen Lautsprecher-Boxen: „Rock over Germany“ war eröffnet. Weiter ging es an dem Abend mit Peter Maffay und als absoluter Höhepunkt des ersten Festivaltags Chris de Burgh, der sich riesig auf Wildenrath gefreut hatte, wie der „Rock-Poet“ aus Irland zuvor in einer Pressekonferenz gesagt hatte. Er erhielt denn auch nicht enden wollenden Applaus von den etwa 80.000 Zuhörern, die sich vor den beiden großen Bühnen drängten.

So ging es Samstag und Sonntag bei herrlichem Sommerwetter weiter: Auf den Straßen rund um Wildenrath lange Staus, auf dem Festivalgelände zwischen unzähligen Buden und Ständen Volksfest-Stimmung und vor den Bühnen für die Stars von den inzwischen mehr als 100.000-köpfigen Fangemeinde tosenden Applaus. Den gab es Samstagabend für Doc Lawrence, EYC, Clouseau, Pur, Foreigner, Duran Duran, OMD und vor allem für Prince – bei dessen Auftritt junge Verehrerinnen zu Dutzenden in Ohnmacht fielen und im Großraum-Krankenwagen des DRK behandelt werden mussten. Und am Sonntag erlebten die Besucher Rock und Blues vom Fensten mit John Miles, Thunder, Diesel, Jon Secada, Joe Cocker – bevor dieses größte Rock-Spektakel aller Zeiten in NRW mit Rod Stewart und Tina Turner seinen absoluten Höhepunkt erreichte: „Rock over Germany“ – das wird es nie wieder in Wildenrath geben.