100 Jahre Trommler- und Pfeiferkorps Klinkum

Jubiläum in Klinkum : Zum 100. mit Marschmusik durchs Dorf

Sein Hundertjähriges feierte das Trommler- und Pfeiferkorps Klinkum mit einem Umzug zum Stadtmusikfest. Vom Festzug kehrten die Teilnehmer triefnass zurück. Den Anfang machten einst fünf Trommeln und sechs Flöten.

Ein Schirmherr, der im Regen steht, das kommt auch nicht alle Tage vor. Wegbergs Bürgermeister Michael Stock ist es passiert. Beim Festzug zum Stadtmusikfest im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten des Trommler- und Pfeiferkorps Klinkum wurde er auf der Tribüne für die Ehrengäste vor der Kirche nass bis auf die Haut. Mit dem ersten Paradeblock öffnete der Himmel seine Schleusen. „Hut ab!“, lobte Oliver Heinen, der Vorsitzende des gastgebenden Vereins, alle Teilnehmer, die trotz des heftigen Regens durchmarschierten. Über 500 waren es, die in elf musiktreibenden Vereinen, in fünf Schützenbruderschaften, in den Ortsvereinen und im Trommler- und Pfeiferkorps Klinkum zum Abschluss der Feiern zum 100. Geburtstag des Vereins im Festzug mitmachten. „Ohne diesen Regen wäre unser Fest perfekt gewesen“, sagte Heinen.

Aber auch dieser Regen zum Ende wird die tolle Erinnerung an das Festwochenende in Klinkum nicht verblassen lassen. Mit der Fete am Freitag, die gut besucht war, der ausverkauften Jubiläumsparty am Samstag und dem Festbankett im Festzelt am Eintrachtsweg hatte das Jubiläum eindrucksvolle Höhepunkte. Neben der Musik, und dabei vornehmlich der Blasmusik, standen Festreden im Mittelpunkt.

Den Auftakt machte dabei der charismatische Landwirt und Ortsvorsteher Hastenraths Will, der bei der Party interessante Details aus der Vereinsgeschichte ausplauderte, auf die Heinen in seiner Festrede am nächsten Tag Bezug nehmen konnte. In seiner unvergleichlichen Bescheidenheit meinte Hastenraths Will: „Was die Berliner Philharmoniker für Deutschland sind, das ist der Trommler- und Pfeiferkorps für Klinkum.“ Angefangen habe es „mit eine zerschossene Trommel, die Wilhelm Eickels aus dem Russlandfeldzug mitgebracht hat. Deshalb waren auch am Anfang von die elf Gründungsmitglieder zehn Fahnenträger – weil es nur die eine Trommel gab.“

Aber schnell wurden fünf Trommeln und sechs Flöten als Grundausstattung angeschafft, wie Heinen erklärte. Der Wunsch, mit Marschmusik durchs Dorf zu ziehen, sei sicherlich 1918 ein Hauptgrund gewesen, das Trommler- und Pfeiferkorps zu gründen. „Denn zu einem Schützenfest gehört einfach Marschmusik.“

Ein neuer Verein im damaligen Klinkum mit 180 Einwohnern und drei bestehenden Vereinen, nämlich der Feuerwehr, der Bruderschaft und dem Musikverein, sei sicherlich ein Wagnis gewesen, das aber die elf Gründungsmitglieder eingegangen seien. 1922 war es dann so weit, dass der Verein an die Öffentlichkeit trat und sofort mit seiner Akribie beim Paradeablauf auffiel. „Anscheinend haben wir alle in den letzten 100 Jahren einiges richtig gemacht, sonst wäre dieses Jubiläum mit Sicherheit nicht möglich gewesen.“ Auch heute noch begeistere das Korps mit seiner Marschmusik und seiner peinlichen Genauigkeit bei der Parade.

Die Marschmusik ist ein Kriterium für den dauerhaften Bestand des Vereins, das andere ist die Mitgliederpflege und die Nachwuchsförderung. Die momentan 26 aktiven Mitglieder würden sich nicht nur über Zugänge freuen, sie sorgen auch selbst für Mitspieler, indem sie sich um deren musikalische Ausbildung kümmern. „In den letzten 100 Jahren haben wir sehr viele Kinder und Jugendliche aufgenommen, sie ein Stückweit miterzogen und ihnen Werte wie Kameradschaft, Zuverlässigkeit und Geborgenheit vermittelt.“ Diese Aufgabe würde der Verein auch gerne in den nächsten 100 Jahren übernehmen.

Die von Heinen angesprochene Kameradschaft auf hohem Niveau im Korps griff Michael Stock wiederum in seinem Grußwort auf. Der Verein sei von kameradschaftlichem Zusammenhalt, Vertrauen und Spaß geprägt, sagte der Bürgermeister. Das solle auch weiterhin gelten; ebenso wie es weiterhin die gute Musik bei Kirmes-Veranstaltungen und anderen Anlässen geben solle. Das Trommler- und Pfeiferkorps habe einen „richtig guten Vorstand und eine richtig gute Truppe“, meinte er. „Man nimmt vom Schützenfest in Klinkum immer die Musik mit nach Hause. Sie wirkt nach und gefällt.“ Nur beim Jubiläumsfest war es etwas anders. Neben der Musik nahm der Schirmherr da auch den Regen mit.

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