Wassenberg: Wertvolle Sande durch Zufall entdeckt

Wassenberg: Wertvolle Sande durch Zufall entdeckt

Ein interessantes Kapitel Wassenberger Industriegeschichte wurde beim Kulturhistorischen Spaziergang des Heimatvereins aufgeblättert. Mit Franz-Josef Breuer ging es zu den früheren Bong'schen Mahlwerken in Rosenthal.

In der Reihe der kulturhistorischen Spaziergänge hatte der Heimatverein Wassenberg unter Federführung von Walter Bienen diesmal zu einer Besichtigung der ehemaligen Bong'schen Mahlwerke in die Sandkuhle Rosenthal eingeladen.

Foto: Archiv Breuer

Rund 40 Interessierte lauschten vor Ort den Erläuterungen vom Birgelener Heimatkundler Franz-Josef Breuer, der, wie zahlreiche der Teilnehmer ebenfalls, eigene Jugenderinnerungen mit dem Sandwerk verbindet: "Hier bin ich mit Freunden schon in jungen Jahren zum Spielen hingegangen. Das hatte auch immer das Flair des Abenteuers". Doch in erster Linie wurde hier hart gearbeitet, nachdem Geologen während der Vermessung der neuen Bahnlinie Dalheim-Wassenberg-Baal auf hellgrünen Feinsand stießen, womit seinerzeit niemand gerechnet hätte. Dieser fand sich unter einer Deckschicht und einfachem Grausand. Daraufhin wurden Probebohrungen durchgeführt und man fand neben Grünsand auch noch Vorkommen an Silbersand. "Darin sah der Industrielle Eduard Bong eine Chance, wichtige Rohstoffquellen zu erschließen", sagte Breuer. Die Grünsande sind nichts anderes als Meeresablagerungen, die in der älteren Tertiärzeit entstanden. Im Jahre 1913 wurden die ersten technischen Anlagen zur Förderung gebaut. Dazu gehörten ein Mahlwerk, Lagergebäude, Werkstatt, Magazin sowie ein Wohnhaus und Sozialgebäude.

Noch heute sieht man in Rosenthal die alten Gebäude und teilweise noch den Verlauf und die Dämme der angelegten Feldbahn, die zum Abtransport des abgebauten Sands diente. So richtig lief die Produktion ab 1920 an. Der Tatsache, dass in Rosenthal ein Sandwerk entstanden war, verdankten es die Anwohner, dass der kleine Ort sogar einen eigenen Bahnhof bekam. Auf dem Gelände entstanden nach und nach Lok-Schuppen für Reparaturen und den Gleisbau. Doch für wen wurde der Sand eigentlich abgebaut? "Die größten Abnehmer waren Gießereien, die dann nicht nur Glocken, sondern auch Gussstücke herstellten, die für Waffen, Kanonen oder Panzer gebraucht wurden", erklärte Breuer.

Je nach Verwendung wurde der Sand in speziellen Mixturen gemahlen. Für den sogenannten Formsand mischten die Arbeiter beispielsweise Harz mit unter. Auch wurde in Rosenthal zusätzlich Porzellan für die Schamott-Produktion gemahlen, also für feuerfeste Mauer-Steine. Das war alles andere als Zuckerschlecken, wie Breuer sagte: "Ich erinnere mich noch gut an meinen Onkel, der hier mit einer dicken Staubschicht überall am Körper arbeiten musste."

In Kriegszeiten mussten auch Zwangsarbeiter im Mahlwerk Sand abbauen, die aus den Niederlanden, Russland oder Frankreich nach Rosenthal gebracht worden waren.

Staunend und immer wieder interessiert nachfragend erlebten die Teilnehmer dieses industriehistorischen Spaziergangs spannende und kurzweilige zwei Stunden im alten Sandwerk. Eingestellt worden sind die Arbeiten der Bong'schen Mahlwerke im Jahre 1969. Bis dahin wurden in Rosenthal rund 1023 Tonnen Grünsand und etwa 728 Tonnen Silbersand abgebaut.

Übrig geblieben ist heute ein Biotop, ein unter Naturschutz stehendes kleines Idyll. In diesem sind rund 240 verschiedene Pflanzenarten zu finden und eine lebendige Tierwelt zu erleben.

(mom)