Wassenberg: Staatsschutz ermittelt nach Hitlergruß

Sponsor des SC Myhl entschuldigt sich: Staatsschutz ermittelt nach Hitlergruß

Sieben Fußballer des SC Myhl haben mit ihrem Sponsor vor dessen Imbissbude auf einem inoffiziellen Foto, das aber kurz im Internet veröffentlicht war, mit Hitlergruß posiert. Der Sponsor entschuldigt sich öffentlich für diese Aktion.

Handelt es sich um eine fragwürdige Satire oder um eine strafbare Handlung, wenn einige Fußballspieler auf einem Mannschaftsfoto den Hitlergruß zeigen? „Das ist die Frage, auf die der Staatsschutz eine Antwort sucht“, sagt Petra Wienen von der Presseabteilung im Polizeipräsidium Aachen. Der Staatsschutz habe Ermittlungen aufgenommen wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Soweit bekannt ist Folgendes geschehen: Engin Arslan, langjähriger Sponsor des SC Myhl, hatte einer Mannschaft des Vereins einen neuen Trikotsatz gestiftet und die Spieler zum Gruppenfoto vor seiner Pizzeria und dem Kebaphaus an der Brabanter Straße in Myhl versammelt. Auf dem Foto zeigen einige Spieler in den Vereinstrikots den verbotenen Gruß. Obwohl Egin Arslan diese Ablichtung schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Internet entfernt hatte, schlug sie hohe Wellen, die bis zu den Ermittlungen des Staatsschutzes führten.

„Die Strafbarkeit festzustellen, ist die wichtigste Aufgabe“, meint Wienen. Um das Zeigen des Hitlergrußes als strafbar bewerten zu können, „braucht es eine bestimmte öffentliche Wirkung“. Dafür müsse geprüft werden, ob überhaupt eine Öffentlichkeit durch das Foto erzielt wurde, ob es öffentlich oder nur in einer Gruppe gezeigt wurde, ob es weitergeleitet wurde und wie schnell und häufig? Alle diese Kriterien fließen in die Ermittlungen ein, die nicht vor Ende nächster Woche abgeschlossen sein werden.

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Unabhängig von einer möglichen Strafbarkeit ihres Tuns hat die Aktion schon jetzt drastische Konsequenzen für die Spieler: Der SC Myhl hat, nachdem der Vorstand erfahren hatte, dass bei dem Fototermin neben offiziellen Fotos auch dieses umstrittene entstanden ist, die betroffenen sieben Spieler mit sofortiger Wirkung aus dem Verein ausgeschlossen. Als Verein, der sich der bundesweiten Aktion „Fußballvereine gegen Rechts“ angeschlossen habe, und das mit einem großen Schild über dem Verein auch kundtue, könne der SC Myhl ein derartiges Verhalten nicht dulden, auch wenn es sich angeblich um eine satirisch gemeinte Aktion gehandelt haben sollte. „Wir distanzieren uns von dem Foto und dem Gedankengut, das es zeigt“, sagt Marc Winkens, Vorsitzender des SC Myhl, „dieses Bild rückt den ganzen Verein in ein sehr negatives Licht, es ist vereinsschädigend, die Reich- und Tragweite ist kaum zu fassen.“ Deshalb habe es für Winkens und seine Vorstandskollegen nach kurzer Beratung und Durchsicht der Vereinssatzung auch nur eine mögliche Reaktion gegeben: „Für uns hat es keinen Zweifel daran gegeben, die betroffenen Spieler aus dem Verein auszuschließen, auch wenn es mir für die Jungs persönlich leid tut, denn viele von ihnen kennen ich selbst, mit einigen habe ich sogar schon zusammen gespielt. Keiner von ihnen hat einen rechten Hintergrund. Aber auch wenn es nur ein Dumme-Jungen-Streich gewesen sein soll, hätten alle das Bewusstsein haben müssen ,da mache ich nicht mit’.“

Engin Arslan bedauert inzwischen sehr, dass es zu dieser Situation gekommen ist. „Ich habe nach nicht einmal zwei, drei Minuten das Foto wieder aus dem Internet entfernt“, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. Er hätte nicht damit gerechnet, dass das als Satire gemeinte Foto anders interpretiert werden könnte. „Ich möchte mich öffentlich dafür entschuldigen.“ Die Reaktion des Vorstands hält er für unangemessen: „Die Jungs können nichts dafür.“ Sie hatten seinen derben „Spaß“ mitgemacht in dem Wissen, dass dieses Foto nicht für die Öffentlichkeit und die Werbung bestimmten war und es vielleicht „witzig“ gemeint sein sollte. Deshalb bittet er den Verein, den Ausschluss der Spieler rückgängig zu machen. „Wenn die Jungs zurückkehren, mache ich auch als ihr Sponsor gerne weiter“, sagt der Deutsche mit türkischen wurzeln. Ansonsten wird sein langjähriges Engagement beim SC Myhl mit einem bitteren Beigeschmack beendet sein.

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