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Wassenberg: Sechtklässler mit Ausstellung zu jüdischem Leben

Sechstklässler der Gesamtschule klären mit Exponaten auf : Jüdisches Leben ausgestellt

Mit dem Thema befassten sich Sechstklässler der Betty-Reis-Gesamtschule. Auch zum 100. Geburtstag der Namensgeberin gab es einen Aktionstag.

Eigentlich sind die Interessen sehr ähnlich: Das junge Mädchen traf sich in den 1930er Jahren ebenso gern mit Freunden wie junge Mädchen von heute auch. Und nicht nur das haben heute Schülerinnen und Schüler mit Betty Reis, dem jüdischen Mädchen aus Wassenberg, das 1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen umgebracht wurde, gemeinsam. Der Jahrgang 6 hatte sich damit auseinandergesetzt.

Vor dem historischen Hintergrund von 1700 Jahren Judentum in Deutschland und 700 Jahren Juden in Wassenberg war die Schule nun froh, im Rahmen der Projektreihe „Stadt.Land.Fluss“ eine Ausstellung „Jüdisches Leben im Rheinland“ nach Wassenberg geholt zu haben. Konzipiert wurde die Ausstellung von Wissenschaftlern des Landesverbandes Rheinland. Gezeigt wurde an der Schule das Ergebnis in Kooperation mit der Landessynagoge Rödingen und dem Heimatverein Wassenberg.

Zum 100. Geburtstag von Betty Reis am 15. Juli hatte die Schule kürzlich einen Aktionstag organisiert, bei dem sich alle Schülerinnen und Schüler in unterschiedlicher Weise mit Betty Reis beschäftigt hatten. Die Sechstklässler sorgten dabei für die Ausstellung. „Betty war ein ganz normales Mädchen, was auch gerne mit dem Rad fuhr“, stellte die zehnjährige Lene klar. Emilie (11) ergänzte: „Sie unterscheidet fast gar nicht von uns heute.“ Die Klasse der beiden Mädchen hatte nämlich Steckbriefe – einer davon war Bettys – erstellt und dabei erkannt, dass sich die Interessen kaum unterscheiden. Eine weitere Klasse stellte sich vor, wie Bettys Zimmer ausgesehen haben könnte und stellte die Szenerien in Schuhkartons nach. Sabrina Gerres, verantwortliche Lehrerin an der Gesamtschule im Bereich der Namensgebung, freute sich über die Kreativität der Sechstklässler: „Da gab es so viele Ideen. Das ganze Material wie Stoffe oder auch die Heißklebepistole wurden ordentlich geteilt. Streit gab es da nie“, lobte sie das Verhalten der Schülerinnen und Schüler.

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Eine weitere sechste Klasse hat ein Tagebuch über Betty Reis geschrieben – in Anlehnung an das weltberühmt gewordene Tagebuch der Anne Frank. Dazu präsentierten die Sechstklässler unter anderem auch jüdische Speisen.

„Mich erstaunen die guten Gedanken, die die Schüler mitbringen, wenn sie zu Betty Reis arbeiten“, bekannte Sepp Becker, der für den Arbeitskreis jüdisches Leben des Heimatvereins sprach. Becker, damals in der Schulleitung der Betty-Reis-Gesamtschule tätig, unterstrich auch seine immer noch vorhandene enge Bindung zur Schule. Zu Gast war auch Bürgermeister Marcel Maurer, der sich alle Arbeiten der Sechstklässler in Ruhe erläutern ließ.