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Wassenberg: Schützen aus Myhl mit modernster Anlage weit und breit

Schützen aus Myhl : Modernste Schießanlage weit und breit

NRW-Fördermittel machten es möglich: Die Schützen aus Myhl haben ihr Vereinshaus und ihre Trainingsanlage modernisieren können. Ein Blick ins Geschichtsbuch zeigt, warum der Vogelschuss damals lebensgefährlich war.

Nach schweren Coronazeiten und sozusagen pünktlich zum großen Jubiläumsfest zum 300-jährigen Bestehen, das kürzlich groß gefeiert werden konnte: Die Myhler Johannes-Schützen weihten ihr frisch modernisiertes Schützen-Heim ein. Das marode Dach konnte saniert werden – und vor allem: Eine neue Schießanlage wurde installiert, die modernste weit und breit.

Das hörten aus dem Mund von Hans Albrecht Bürgermeister Marcel Maurer, Propst Thomas Wieners, Ortsvorsteher Rainer Peters, CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Schnelle sowie weitere Gäste besonders gern.

Hans Albrecht blickte in die Geschichte der Schießgruppe der Johannesbruderschaft, die 1963 begann, 2001 in einen eingetragenen Verein umgewandelt wurde und damit an den Rundenkämpfen gleich zweier Verbände schießen konnte. Einmal im Verband der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften sowie im Rheinischen Schützenbund und damit im Landessportbund NRW. Letzterer ermöglichte Mittel aus dem Topf „Moderne Sportstätten“, beim Antrag half Jürgen Driemeyer vom Stadtsportverband Wassenberg. Propst Wieners sprach ein kurzes Gebet und segnete anschließend die neue Anlage ein. Und die wurde von Ehrengästen und Schützen mit einer Schießrunde gleich getestet, auch die moderne Übertragung des Wettbewerbs auf die Leinwand im Aufenthaltsraum. In gemütlicher Runde freute man sich bereits auf die Jubiläumsfeierlichkeiten, die Ende Juni begangen werden.

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Im Jahr 1722 wurde die St.-Johannes-Schützenbruderschaft Myhl ins Leben gerufen – dabei wunderte sich manch‘ Zeitgenosse wie der örtliche Geschichtsschreiber Josef Schmitz, dass die Bruderschaft überlebt hat, da zu Beginn der jeweils an Christi Himmelfahrt vorgenommene Vogelschuss mit abenteuerlich anmutenden Gewehren ausgetragen wurde. Abenteuerlich im Vergleich zu den Gewehren, mit denen heute geschossen wird. Damals waren es Vorderlader, bei denen die Munition von vorn in den Lauf geschoben wurde. Zur Verstärkung der Schusswirkung wurde wohl allerhand Material mit in den Lauf gestopft, wodurch manches Mal das Gewehr explodierte, anstatt die Kugel in Richtung Holzvogel zu jagen. Berichte über tote oder verletzte Schützen lagen Josef Schmitz fürs Buch „700 Jahre Myhl“, 1969, nicht vor, sodass sich die Bruderschaftsgeschichte auf nun 300 Jahre summierte.

Die Holzvögel wurden aus stabilem Holz, aus Hainbuchenwurzeln, hergestellt, die schon einer Kanonade der oben beschriebenen Art länger standhalten konnten.

Am Vorabend der Kirmes, am Johannestag, 24. Juni, wurde beim König von den Schützenbrüdern der Maibaum aufgestellt, Schnaps und Bier teilte die Majestät reichlich an die Anwesenden aus. Zwei Schützen wurden vor dem Haus als Wachen postiert, Verdächtige, darunter häufig die Dorfmädchen, die sich dem Königshaus näherten, wurden mit auf die Wache genommen, wo sie sich mit einer Menge an Bierspenden „freikaufen“ konnten. Josef Schmitz schließt das Kapitel schließlich so: „Womit sich die Mädchen freikauften, entzieht sich meiner Kenntnis.“