Außergewöhnlicher Ausbildungsabend in Wassenberg Schlangen und Co. im Feuerwehreinsatz

Wassenberg · Selten, aber oho! Die Tiere sind auch hierzulande längst heimisch geworden. Da heißt es für die Wehrleute der Feuerwehr Wassenberg, gut gewappnet zu sein. Wie das mit Dosen einer bestimmten Süßigkeit zusammenhängt.

 Zur Feuerwehr-Führungskräfte-Fortbildung im Sitzungssaal des Wassenberger Rathauses gehört auch der Umgang mit Schlangen, wie hier mit einer Pearl-Island-Boa.

Zur Feuerwehr-Führungskräfte-Fortbildung im Sitzungssaal des Wassenberger Rathauses gehört auch der Umgang mit Schlangen, wie hier mit einer Pearl-Island-Boa.

Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Sie sehen sich ganz offensichtlich sehr interessiert im Ratssaal des Wassenberger Rathauses um. Fakt ist: Gäste wie sie dürfte das „Zuhause“ des Stadtrates wohl noch nie gesehen haben. Jedenfalls schlängeln sich die Pearl Island Boas über Tische und Stühle – stets unter den wachsamen Augen von Anja Wulf und Sven Heß. Doch damit noch lange nicht genug: Auch eine Vogelspinne und ein Skorpion erkunden munter den Saal.

Jedenfalls sorgte das Führungstrio der Feuerwehr der Stadt Wassenberg mit Leiter Holger Röthling und seinen Stellvertretern Thomas Mandrossa und Frank Vondahlen für einen Ausbildungsabend der ganz besonderen Art. Mandrossa hatte in Anja Wulf und Sven Heß die Experten der Berufsfeuerwehr Mönchengladbach nach Wassenberg eingeladen, denn: „Die Tiere gehören hier hin, darum sind Einsätze für euch auch denkbar und möglich“, sagte Anja Wulf. Ein gutes Beispiel ist etwa die Ringelnatter, sie ist einheimisch und ungiftig, schwimmt gerne, liebt daher Gartenteiche und hat die Fähigkeit, sich täuschend echt tot zu stellen. Allerdings gibt es da auch das Problem mit verantwortungslosen Menschen, die ohne Fachkenntnis Schlangen als Haustiere halten.

Einsätze mit Schlangen und Co. hat es in der Vergangenheit auch im Stadtgebiet Wassenberg für die Feuerwehr gegeben, doch einen eigenen Ausbildungsabend dafür zu organisieren, ist ja nie verkehrt. Aber: „Das Blöde ist: Ich werde euch nicht sagen, wie man eine giftige von einer ungiftigen Schlange unterscheiden kann“, nahm Anja Wulf den Wehrleuten schon früh jede Hoffnung. „Nie ist nämlich nie richtig und immer ist immer falsch“, versuchte sie, einen Erklärungsansatz zu leisten.

Seit rund 20 Jahren beschäftigt sich die Berufsfeuerwehrfrau, deren Lieblingsschlange die Gabunviper ist, mit dem Schlangenthema, „weil irgendjemand musste sich ja mal darum kümmern“, lachte sie, die sich um den Job letztlich nicht gerissen hat. Aber: Im Lauf der Zeit haben sie und ihr Kollege Sven Heß einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut. Jedes Jahr fahren sie gemeinsam zu einer Schlangenfarm, wo es ungiftige, aber auch giftige Arten gibt, um sich immer auf Wissensstand zu halten.

Fakt ist: Weltweit gibt es rund 3000 unterschiedliche Arten, 600 von ihnen gelten als giftig. Davon wiederum zwei gibt es in Deutschland. Eine von den beiden ist in Nordrhein-Westfalen, etwa auch im Meinweggebiet, nachgewiesen – die Kreuzotter. Im Südschwarzwald hingegen ist es die Aspisviper, die damit die zweite Giftschlange in Deutschland ist. Immerhin (und weil das Meinweggebiet so nahe ist): Eine Kreuzotter ist sehr scheu und beißt nur dann zu, wenn sie sich bedroht fühlt – und sie könnte sich bedroht fühlen, wenn plötzlich die Feuerwehr anrückt.

„Merkt euch: Bei Schlangen arbeiten wir ohne Handschuhe. Und rechnet pro Meter Schlange einen Mann beziehungsweise eine Frau ein“, unterstrich Anja Wulf. Was sich so leicht – und vielleicht auch witzig – anhört, untermalt sie mit praktischen Beispielen: „Seht zu, dass ihr eine Kiste, einen Stoffsack und einen umgebauten Angelkescher auf den Fahrzeugen habt.“ Und tatsächlich: Vom Kescher wird einfach das Netz entfernt, sodass sich die Schlange möglichst einfach einfangen lässt, „denn so gibt man ihr eine gute Gelegenheit, freiwillig in den Sack zu klettern“.

Die Wassenberger Wehrleute ließen sich die Gelegenheit nicht nehmen, nach all den umfassenden und spannenden Infos rund um die Welt der Schlangen die Tiere ganz behutsam anzufassen. Nur bei der Vogelspinne oder beim Skorpion – da war die Laune dann nicht mehr so gelöst. Übrigens Spinne und Skorpion: Diese Tiere sind der Grund, weshalb auch in den Wassenberger Einsatzfahrzeugen leere Haribo-Dosen verstaut werden sollten, „in denen sie sich gut transportieren lassen“, merkte Expertin Anja Wulf an. Fehlt eben noch der oder die Freiwillige, der oder die sich im Fall der Fälle an die Tierchen heranwagt.