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Wassenberg: Polsterfabrik produziert Schutztücher für Heinsberg

Dank Polsterwerkstätten in Wassenberg : Masken für den Kreis Heinsberg

In der Corona-Krise haben die Wassenberger Polsterwerkstätten Tausende Mund-Nasen-Tücher hergestellt. Ab Mittwoch sind sie erhältlich. Geld verdient das Unternehmen damit nicht.

Seit 23 Jahren werden in den Wassenberger Polsterwerkstätten Möbel hergestellt. Mit 64 Mitarbeitern zählt die Fabrik zu den größten Arbeitgebern der Stadt. Doch besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Neben Sofas und Stühlen hat das Unternehmen in den vergangenen Tagen Tausende Schutztücher zum Selbernähen hergestellt. Ab Mittwochmittag kann man sie im Wassenberger Edeka-Markt zum Herstellungspreis kaufen – ein Set mit vier Masken kostet zwölf Euro.

Geschäftsführer Philipp Schröder hofft, damit einen Beitrag dazu zu leisten, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und so schnell wie möglich in den Alltag zurückkehren zu können: „Diese Masken schützen zwar nicht mich, aber alle anderen um mich herum. Je mehr Leute Masken tragen, desto sicherer ist es. Und wenn jeder eine Maske hat, dann ist es auch nicht mehr peinlich.“ Seine Rechnung: Wenn die Menschen im Kreis Heinsberg Schutztücher tragen, dann kann das Kontaktverbot bald gelockert werden, können Geschäfte wieder öffnen. „Die Auftragslage bei uns und in vielen anderen Unternehmen ist gerade bei null. Lange geht das wirtschaftlich nicht mehr gut, also müssen wir handeln“, sagt Schröder. „Diese schnelle Wiederaufnahme rettet Arbeitsplätze.“ Er habe derzeit Material für mehr als 40.000 Masken auf Lager. Nachschub sei schon bestellt.

Die Mund-Nasen-Tücher schneiden seine Mitarbeiter in der Firma aus hochwertigem OP-Tuch zusammen. Genäht werden müssen sie zu Hause selber – „dazu haben wir in der Firma einfach nicht die Kapazität“, sagt Schröder. Eine Anleitung liegt jeder Maske bei. Schröder schätzt, dass ein Laie pro Maske rund 20 Minuten benötigt. Die Masken sind wiederverwendbar, müssen zum Desinfizieren bei 90 Grad gebügelt werden.

Geld verdienen will die Firma damit nicht, wie Leonhard Schröder erklärt – der Vater des Geschäftsführers ist in der Firma als Senior-Berater tätig: „Wir decken mit den Masken gerade mal unsere eigenen Kosten bei der Herstellung.“ Dass es in Deutschland bislang viel zu wenig Masken gibt, um die Bevölkerung flächendeckend damit ausstatten zu können, ärgert ihn: „Ohne Maske geht es eigentlich nicht, das haben die Koreaner und Chinesen längst verstanden. Wir haben uns sehr darüber geärgert, dass es hier hieß, dass Masken nichts bringen.“

In der Tat vertrat das Robert-Koch-Institut lange die Meinung, dass Masken kein wirksames Mittel im Kampf gegen das Virus seien, bevor das Institut das Tragen vor wenigen Tagen dann doch empfahl. Auf diese neue Empfehlung verwies am Montag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die aber auch klarstellte, dass der richtige Einsatz der Stoffmasken entscheidend sei: „„Unsachgemäßer Umgang wäre noch fataler.“ Sprich: Es ist wichtig, die Maske regelmäßig zu reinigen. Zudem dürfen sonstige Hygieneregeln und der nötige Abstand zu anderen Menschen nicht vernachlässigt werden.

Der Wassenberger Edeka-Chef Georg Hensges will die Masken in seinem Markt verkaufen. In geringer Zahl seien auch bereits fertig genähte Masken dabei. „Es ist derzeit ja problematisch, überhaupt an Mundschutz zu kommen. Es wäre ein Traum, die Leute schnell mit Masken zu versorgen“, sagt Georg Hensges. An erster Stelle steht für ihn die Gesundheit seine Mitarbeiter, die täglich mit Hunderten Kunden in Kontakt sind: „Mir ist es wichtig, dass die mit Masken versorgt sind. Aber auch andere Menschen brauchen Masken.“ Hensges, auch Vorsitzender des Wassenberger Gewerbevereins, weiß: „Das wichtigste für uns ist, dass wir schnell zurück in ein normales Leben können.“

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