Unicef-Kinderrechtsschule in Orsbeck Wo Kinder zu Bestimmern werden

Orsbeck · Am Anfang ging es darum, sich über Themen wie Partizipation und Mitbestimmung von Kindern Gedanken zu machen. An der Martinus-Schule in Orsbeck ist ein tolles Ergebnis herausgekommen – die Schule ist Unicef-Kinderrechtsschule.

 Kírsten Leyendecker (l.) überreichte die Urkunde. Schulleiterin Jasmin Dahm (zweite Reihe, l.), Bürgermeister Marcel Maurer (Mitte) und Lehrerin Melanie Wichert (r.) freuen sich.

Kírsten Leyendecker (l.) überreichte die Urkunde. Schulleiterin Jasmin Dahm (zweite Reihe, l.), Bürgermeister Marcel Maurer (Mitte) und Lehrerin Melanie Wichert (r.) freuen sich.

Foto: Laaser, Jürgen (jl)

„Wir dürfen sehr viel mitbestimmen und sehr viele Entscheidungen treffen“ – da waren sich Linus, Ida und Anabel einig, als sie gefragt wurden, was sich geändert hat, seitdem sich ihre Schule auf den Weg zur Unicef-Kinderrechtsschule gemacht hat. In einem kleinen Festakt mit jeder Menge Programm auf dem Schulgelände wurde die Martinus-Schule in Orsbeck nach knapp zwei Jahren auf dem Weg dorthin bei strahlendem Sonnenschein offiziell zur Unicef-Kinderrechtsschule zertifiziert.

„Am Anfang stand das Vorhaben, Partizipation und Strukturen der Mitbestimmung von Kindern an der Schule in ein verbindliches und gut durchdachtes Konzept zu führen. Auf der Suche nach passenden Materialien und Ansätzen sind wir auf das Programm von Unicef zur Kinderrechtsschule gestoßen und schnell stellten wir fest, dass dies wunderbar zu unserer Vision von Schule und Schulkultur passt“, erklärte Schulleiterin Jasmin Dahm.

Wie viel sich seitdem in der Orsbecker Grundschule geändert hat, zeigte ein Blick auf die neuen Aktivitäten, die im Rahmen des Programms eingeführt wurden: In einigen Klassen gibt es bereits einen Klassenrat, der durch das Kinderparlament ergänzt wird, das Entscheidungen trifft, wie zum Beispiel die Verteilung der Pausenzeiten. Außerdem haben die Kinder am Unicef-Tag „Wir reden mit!“ teilgenommen, an dem Bürgermeister Marcel Maurer in der Kinderkonferenz zu Gast war, um mit den Kindern zu diskutieren und sich ein Bild davon zu machen, was sich seit Projektstart schon geändert hat. Maurer betonte im Festakt wie stolz er sei, dass die Orsbecker Grundschule eine von nur wenigen Grundschulen in NRW sei, die an dem Unicef-Programm teilnehmen. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Wassenberg und dem Kreisjugendamt, dessen Leiter Frank Martin sich die Festivitäten auch nicht entgehen lassen wollte, habe, so Dahm, sehr gut funktioniert.

Das ganze Projekt sei dabei nicht immer leicht für Lehrkräfte, das erklärte Melanie Wichert, Lehrerin an der Grundschule im kleinen Wassenberger Ortsteil. „Man muss sich als Lehrkraft zurücknehmen und hat nicht mehr ständig die Fäden in der Hand“, betonte sie – das sei besonders als Lehrerin, die gerne Dinge und Inhalte plant manchmal schwierig. „Ich konnte wirklich lernen, Dinge abzugeben und wir haben alle gelernt: Es wird alles gut.“ Es lernen also nicht nur die Kinder, wie man selbstbestimmter durchs Leben geht, sondern auch im Lehrerzimmer scheint ein Umbruch stattzufinden.

Wie gut das Miteinander und das „Loslassen“ schon funktioniert, konnten alle Besucherinnen und Besucher des Festes auf dem Schulhof in Orsbeck bestaunen: Die ganze Planung lag in den Händen der jungen Schülerinnen und Schüler. Ein breites Programm inklusive Tanzeinlagen, Puppentheater und Schnitzeljagd und Stände, wie die „Candybar“, eine Tombola und ein Experimentierstand waren das Produkt der wochenlangen Arbeit, die die Kinder in die Veranstaltung gesteckt hatten. Schulleiterin Jasmin Dahm erklärte dazu: „Wir hatten gar nicht den Anspruch auf Perfektion heute, aber so perfekt war es noch nie.“

Auch die zahlreich erschienen Eltern, Freunde und andere Anverwandte waren hin und weg von den Vorführungen der Kinder. Ein Lied auf den Takt des Evergreens „We will rock you“ von Queen, dessen Text die Passagen „Kinder haben Rechte“, „Kinder dürfen stark sein“, „Kinder dürfen laut sein“ beinhaltete, zeigte schon zum Festauftakt, worum es den ganzen Tag gehen würde: Um Kinderrechte, um Selbstbestimmung und um Vielfalt. Die Themen zogen sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung und die Angebote auf dem Schulhof. Das entsprechende Schild, das die Orsbecker Grundschule zu einer offiziellen Kinderrechtsschule macht, wurde von Kirsten Leyendecker, der Koordinatorin der Kinderrechtsschulen überreicht und wird von nun an für alle Besucherinnen und Besucher kennzeichnen: Hier werden Kinderrechte gelebt.