1. NRW
  2. Städte
  3. Wassenberg

Wassenberg: Kassiererin Kerstin Scheffczyk über ihren Beruf in der Corona-Krise

Erfahrungsbericht aus einem Wassenberger Edeka : „Bitte halten Sie weiter durch“

Die meisten Kunden wissen die Arbeit einer Kassiererin während der Corona-Krise zu schätzen. Edeka-Mitarbeiterin Kerstin Scheffczyk bekommt kleine Geschenke, führt aber auch Diskussionen um Hefe und Klopapier.

Dieser Tag ist ein besonderer Tag. Es gibt frische Hefe, endlich wieder. Die Abgabe ist streng limitiert – nur ein Würfel pro Kunde. Kerstin Scheffczyk weiß: Es wird Diskussionen geben. Die gibt es auch beim Toilettenpapier. Dann versucht die gelernte Einzelhandelskauffrau zu beschwichtigen, zur Einsicht zu bringen. „Es tut mir leid, pro Haushalt nur ein Paket“, sagt sie. Ihr Ton bleibt dabei höflich und freundlich. „Wenn Sie nur eins mitnehmen, können wir doch viel mehr Leuten etwas geben.“ Die meisten verstehen das, sagt sie. Die Hückelhovenerin, mit einem Umfang von 30 Wochenstunden in Georg Hensges’ Edeka an der Jülicher Straße beschäftigt, hat es in der Corona-Krise nicht leicht. Wie ihre Kolleginnen und Kollegen sitzt sie an der Kasse hinter einem durchsichtigen Kunstoff-Schutz. Kerstin Scheffczyk trägt Plastik-Handschuhe, ihre Hände schwitzen, die Haut trocknet aus. Aber es gibt auch schöne Erlebnisse in der schweren Zeit: Kunden, die Pralinen und Schokolade aufs Band legen, die süßen Leckereien bezahlen und anschließend dem Personal mit einem Dankeschön überreichen. Die kalorienreichen Geschenke bringt die 49-Jährige in den Pausenraum des Lebensmittelgeschäfts, wo sich jeder Angestellte bedienen darf. „Sie sind toll, bitte halten Sie weiter durch“ oder „Danke, dass Sie für uns da sind“ – Sätze, die Kerstin Scheffczyk, ihrem Chef Georg Hensges und den insgesamt 52 Angestellten Kraft zum Weitermachen geben. „Im Großen und Ganzen sind die Kunden nett“, meint Kerstin Scheffczyk. Das Kaufverhalten hat sich ihrer Meinung nach stark verändert, seit das Virus das Leben bestimmt. „Früher war ich früh morgens erstmal allein, ab neun wurde eine zweite Kasse besetzt“, berichtet sie.

Der vorgegebene Sicherheitsabstand, die aufgeklebten Markierungen auf dem Boden, der Wunsch, lieber mit der EC-Karte statt mit Bargeld zu zahlen: Veränderungen, die das Einkaufen komplizierter gemacht haben. Deshalb sitzt Kerstin Scheffczyk morgens nicht mehr allein an der Kasse. Inhaber Hensges hat für die Corona-Zeit zehn Aushilfen eingestellt, die unter anderem die Einkaufswagen desinfizieren. „Ich gehe nicht mit Angst arbeiten. Es macht mir immer noch Spaß“, zieht sie ein positives Fazit. Und rät insbesondere älteren Menschen, möglichst nur einmal pro Woche einzukaufen. „Oft ist es aber so, dass ein oder zwei Teile gekauft werden, weil die Leute mal raus möchten.“ Als Alternative bietet Georg Hensges insbesondere für Risikopatienten einen Lieferservice an, der mit fünf Euro Gebühr berechnet wird.