Judith Rakers zu Gast in Wassenberg Von Miss-Tagesschau zur „Hühnerglucke“

Wassenberg · Judith Rakers, die ehemalige Tagesschau-Sprecherin, las in der Wassenberger Burg aus ihrem Homefarming-Bestseller und gab einen ganz privaten Einblick in ihr persönliches Glück auf dem Bauernhof.

 Äußerst charmant und humorvoll las Judith Rakers aus ihrem Buch „Homefarming“, erzählte außerdem kurzweilige Anekdoten dazu.

Äußerst charmant und humorvoll las Judith Rakers aus ihrem Buch „Homefarming“, erzählte außerdem kurzweilige Anekdoten dazu.

Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Wie wurde aus „Spaghetti alla Judith“ mit Ketchup und Rührei ein Welcome-Snack für Küken? Man nehme ein Ei, eine Möhre, dazu Löwenzahn und Brennesselblätter aus dem eigenen Garten, hackt alles klein, vermischt es, zieht die Gummistiefel an, geht raus in den Hühnerstall, serviert es der Hühnerfamilie et voilà – der Traum vom Landleben ist geboren.

Naja, ein bisschen komplizierter ist der Weg von der Miss-Tagesschau zur Hühnerglucke vielleicht schon, aber kein bisschen weniger schön. Besonders, wenn man die richtigen Gefährten an seiner Seite hat. Dazu zählen Stute Sazou als Wochenendgast, Kater Jack, Katze Lotti, Maulwurf Grabowski und eine große Herde gefiederter Freunde, mit denen sie im Hamburger Norden ihr besonderes Ökosystem geschaffen hat. Hier hilft jeder mit: Grabowski gräbt den Garten um und sorgt so für humusreiche Erde, die in den Beeten zusammen mit Zazous Pferdeäpfeln ideale Bedingungen zur Gemüsezucht schafft – die Ernte wird geteilt und gemeinsam genossen.

Streng genommen ist es kein Bauernhof, sondern ein kleines Fachwerkhäuschen mit einem 4000 Quadratmeter Grundstück, für Judith liebevoll und romantisch ihre „kleine Farm“. Und die ist mittlerweile ziemlich lukrativ: Ein Kinderbuch, ein Homefarming-Guide, der die Spiegel-Bestsellerliste anführt, ein zugehöriges Kochbuch, ein Online-Farmshop mit Experimentierkästen für Kinder, Gärtnerseife und Küchenkalender – um Beispiele zu nennen.

Die Geschichten für die jüngsten Homefarming-Fans werden aus der Perspektive ihres Katers Jack erzählt, weil sie eine Figur erschaffen wollte, die den Kindern auf Augenhöhe vom Bauernhofleben erzählt und mit ihnen lernt. Dabei beobachtet Jack Judith, die als Gemüse-Anfängerin und als berufstätige Frauenfigur den Alltag „wuppt“.

Die Fortsetzung des Kinderbuches hat sie auch schon eingereicht, ein kleiner Spoiler: Es wird abenteuerlich, denn im Hühnerstall taucht ein ungebetener Gast auf. Ob es ein Happy End gibt, bleibt vorerst geheim.

Und anders als die Erzählungen von einem sprechenden Kater, ist dieses Szenario gar nicht mal so unrealistisch. Als neulich der Habicht in den Stall einbrach und eine Junghenne erwischte, wurde ihr Kadaver von ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern verspeist. Diese nicht sehr kindgerechte Geschichte wird wohl nicht in Band zwei von Jacks Abenteuern vorkommen, führte für Rakers aber dennoch zu einer wichtigen Erkenntnis: „Wenn ihr euch gegenseitig esst, dann kann ich euch auch wieder essen“.

Zur Einordnung dieses Zitats muss man wissen, dass sie, als sie eigene Hühner bekam, Schwierigkeiten damit hatte, das Fleisch der gefiederten Artgenossen zu essen. Heute geht das wieder – in Bio-Qualität und unter Einbezug des Tierwohl-Siegels. Entgegen vieler Erwartungen ist sie keine Vegetarierin, als Tochter eines alleinerziehenden Vaters, bei dem jeden Tag gegrillt wurde, sei sie so sozialisiert worden. Außerdem habe sie erkannt, dass sie den Hennen nichts wegnehmen würde, wenn sie ihre Eier isst und überzeugte so auch einige ihrer veganen Freunde dazu, sie wieder zu konsumieren.

Apropos Menschen: Neben ihrem Vater, der ihr bei Gartenprojekten mit Rat und Tat zur Seite steht, ist ihr Hof auch für die Kinder ihrer Freundinnen ein beliebtes Ausflugsziel. Nur hier können sie schließlich „Einhornpups“ essen – violette Kartoffeln, die in Rakers’ Beeten wachsen.

Außerdem gibt es blauen Kohlrabi, Tomaten (eine gemeingefährliche Diva und keinesfalls für Anfänger mit niedriger Frustrationstoleranz geeignet), sowie einen Holunderbaum, in dem schon zweimal der Blitz eingeschlagen ist, und aus dessen Blüten Rakers im Sommer Holunderblütensirup kocht.

Und das sind längst nicht alle Pflanzen, die sie angebaut hat. Wenn Besucher durch ihren Garten spazieren, merken sie gerne an, dass sie, sollte es zu einer Notsituation kommen, ja bestens versorgt wäre. Doch für Rakers geht es auf ihrer kleinen Farm um etwas ganz Anderes: „Ich bin nicht Selbstversorgerin, weil ich Angst vor dem nächsten Weltkrieg habe.“

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