Wassenberg: Hexenprozesse lebendig durch Gästeführerinnen und Naturtheater gemacht

Naturtheater zum Weltfrauentag : Hexenprozesse lebendig gemacht

Mit ihrem Naturtheater „Hebammenflucht und Hexenbrand“ erweckten Therese Wasch und Berti Davids-Heinrichs die gefährliche Zeit der letzten Hexenprozesse in Wassenberg zu neuem Leben.

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Heinsberg entführten Therese Wasch und Berti Davids-Heinrichs, Gästeführerinnen des Vereins Westblicke, ihre Gäste anlässlich des Weltfrauentags mit dem Naturschauspiel „Hebammenflucht und Hexenbrand“ in eine dunkle Zeit der lokalen Geschichte. Eine Zeit, in der Heilkenntnisse und das Wissen um Kräuter oder bloß ein böser Wille des Nachbarn zum Verhängnis für eine Frau werden konnten. Bürgermeister Manfred Winkens und die Gleichstellungsbeauftragte für Wassenberg, Vera Hartmann, begrüßten die Teilnehmer am Naturparktor, bevor mit dem Fußmarsch zum Verlorenenturm das Naturtheater und die Reise zurück ins frühe 17. Jahrhundert begann.

Vor rund 400 Jahren war Wassenberg eine kleine Stadt, die durch ihre Stadtmauer geschützt wurde. Der Turm war ein Teil dieser Stadtmauer und diente zeitgleich als Todeszelle für Verurteilte, woher auch sein Name rührt – die Verurteilten konnten sich keine Hoffnung auf Gnade machen, und auch etwa 50 angebliche Hexen warteten hier auf ihren Tod. Vor dieser Kulisse ereignet sich nun ein Wiedersehen zwischen zwei Schwestern: Die Hebamme Similde (Berti Davids-Heinrichs) taucht plötzlich bei ihrer Schwester Marie (Therese Wasch) auf und bittet sie um Obhut.

Als Hebamme war sie zugegen, als die Frau des Geilenkirchener Burgherren ihr Kind gebar, doch es stellte sich heraus, dass der lang herbeigesehnte Stammhalter und Erbe als Krüppel auf die Welt kam und einen Klumpfuß hat. Prompt bezichtigte der empörte Fürst sie der Hexerei, Similde konnte nur knapp entkommen und befindet sich nun auf der Flucht vor den Wachen. Doch ihre Schwester ist ausgerechnet eine der stärksten Befürworterinnen der Hexenprozesse. Für Similde gilt es, ihre Schwester von ihrer Unschuld zu überzeugen und neue Zukunftspläne zu schmieden – doch die andauernde Gefahr legt einen Schatten über ihre Treffen und steuert ihr gesamtes Denken.

Ursprünglich sollte das Naturtheater an den Originalschauplätzen in Wassenberg stattfinden: Der zwei Kilometer lange Rundweg des Schauspiels führt vom Verlorenenturm über das Judenbruch bis hin zum Galgenberg, der sich in der Nähe des heutigen Restaurants Tante Lucie befindet. Aufgrund der durch das Sturmtief bedingten heftigen Wetterlage hatten jedoch sowohl die Initiatoren als auch das Forstamt beschlossen, dass die Nutzung des Waldes für das Schauspiel zu gefährlich sei. So improvisierten Wasch und Davids-Heinrichs sehr gekonnt und führten ihre Zuschauer stattdessen vom Verlorenenturm aus durch verschiedene Punkte in der Stadt – was dem historischen Wert des Stückes keinesfalls schadete.

Entstanden ist das Naturtheater am Ende einer Fortbildung, die Therese Wasch und Berti Davids-Heinrichs besuchten, ihre abschließende Aufgabe bestand in der Konzipierung eines Stückes. Seit vergangenem Jahr führen sie ihr selbst geschriebenes Stück auf, für das sie lange und akribisch recherchiert haben. „Unser Ziel ist es, Führungen lebendig zu machen und die Vergangenheit ins kollektive Gedächtnis zurückzurufen“, sagte Davids-Heinrichs. Es sei wichtig, die historischen Spuren sichtbar zu machen – kaum jemandem sei bekannt, wo der eigentliche Teufelsstein im Judenbruch zu finden ist, obwohl unzählige Wanderer täglich daran vorbeilaufen. „Es wird nur das gesehen, was man weiß“, befand Therese Wasch.

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