Hedwig Wolters aus Wassenberg wird 100 Ein Jahrhundert voller Liebe für die Familie und Mitmenschen

Wassenberg · Die Wassenbergerin Hedwig Wolters wird 100 Jahre alt. Sie berichtet aus ihrem bewegten Leben, in dem ihre Familie stets die Hauptrolle spielte. Warum ihr der Kontakt zu Menschen noch immer wichtig ist.

 Hedwig Wolters wird 100 Jahre alt.

Hedwig Wolters wird 100 Jahre alt.

Foto: Ruth Klapproth

Sie sitzt am Tisch und holt eine bereits fertig gestrickte rote Wollsocke hervor. Dabei deutet sie auf einen ganz besonderen Bereich. „Die Ferse, die muss akkurat sein“, unterstreicht die Seniorin resolut.

Die Seniorin – das ist Hedwig Wolters. Sie wird am kommenden Montag, 17. Juni, 100 Jahre alt. Wobei: Man ist fast schon geneigt, „jung“ zu sagen, denn die gebürtige Effelderin sieht deutlich jünger aus. „Das sind wohl meine Kinder, Enkel und Urenkel, die dafür sorgen“, hat sie die passende Antwort schnell parat.

Als fünftes von sieben Kindern wurde Hedwig Wolters am 17. Juni 1924 in Effeld als Hedwig Kremers geboren. Obwohl sie und ihre Geschwister gute Schüler waren, reichte das Geld nicht, um den Kindern ein Studium zu ermöglichen. „Uns Mädchen schickten unsere Eltern in den Haushalt. So war auch ich gerade erst 14, als ich mein Pflichtjahr in Mönchengladbach begann“, erinnert sie sich. Als „Mädchen für alles“ arbeitete sie bei einer Familie, „die gut betucht war“, sagt sie. So ähnlich ging es auch weiter, als sie wieder nach Wassenberg zurückkehrte.

Hier lernte sie übrigens ihren Jakob kennen. „Das war an der Straße An der Haag, da arbeitete er immer im Garten. Ihr Jakob – das war der 2012 verstorbene Jakob Wolters, noch bestens in Wassenberg bekannt als einer der letzten Hausweber der Stadt. Er, dessen Vater gar Bürgermeister in Wassenberg war, schrieb unter anderem die lokale Geschichte seines Metiers in einem Buch für die Nachwelt auf. Kommunalpolitisch gehörte Wolters als Sozialdemokrat dem Wassenberger Stadtrat an. Doch zurück zum romantischen Kennenlernen: Mit einer Freundin war Hedwig Wolters damals unterwegs an der Straße An der Haag, „um Bier zu holen“, erinnert sie sich. Aus dem zaghaften ersten Beobachten wurde schließlich Liebe. Im Jahr 1946 wurde geheiratet. „Nach unserer Hochzeit zogen wir zusammen“, erzählt die sympathische Seniorin. Aber eben erst nach der Hochzeit. Vorher nicht, das erwähnt Hedwig Wolters ausdrücklich. „Oh Jott noch! Die hätten uns wat erzählt“, lacht sie heute, wenn sie über Dinge spricht, die längst nicht mehr üblich sind. Sie lacht sogar selbst noch herzhaft darüber, wie es in der guten alten Zeit zuging.

Klar war: Obwohl das junge Ehepaar ganz am Anfang auf kleinstem Raum zusammenlebte, machten die jungen Eheleute das Beste aus der kargen Situation. Drei Töchter gingen aus der Ehe hervor – zuerst kam Gisela, dann Helga, dann Ruth. Und diese wiederum machten Hedwig Wolters zur fünffachen Oma und siebenfachen Uroma. „Meine Kinder, Enkel und Urenkel sind mein ganzer Stolz“, sagt sie und ist sehr glücklich, dass die ganze Familie ein harmonisches Verhältnis pflegt. „Wir halten sie jung“, wirft Tochter Ruth ein, die auch sogleich den größten Geburtstagswunsch der stolzen Jubilarin verrät: „Die ganze Familie wird zur Feier zusammenkommen.“

Während die Familie ihr Ein und Alles ist, blickt die bald 100-Jährige auf zahllose Aktivitäten zurück, die ihr Leben nachhaltig geprägt haben. Unter anderem hat sich die Seniorin viele Jahre im Wassenberger Johanniterstift ehrenamtlich engagiert, hat die Bewohnerinnen und Bewohner betreut und besucht. „Ja, da war ich sehr gerne. Es ist so schade, dass ich das nicht mehr machen kann“, bedauert sie, die nicht mehr gut zu Fuß unterwegs sein kann. Mehr als vier Jahrzehnte hat sie im Begegnungszentrum, heute das Naturpark-Tor, ebenfalls ehrenamtlich Besucherinnen und Besucher mit Kaffee und Kuchen versorgt. Außerdem wussten es die Wassenberger zu schätzen, auf ihre Kochkünste etwa bei Kommunionfeiern oder Hochzeiten zu setzen. Ums Kochen hat sie sich übrigens auch im nicht mehr existenten Traditionshaus Tante Lucie gekümmert, und das 18 Jahre lang. Kein Wunder also, wenn sie sagt: „Ich hatte immer schon gerne mit Menschen zu tun.“ Das glaubt man ihr dank ihrer rundum freundlichen Art auch sofort.

Nun bleibt ihr, sich auf den großen Tag am Montag zu freuen und das dann vollendete Jahrhundert gebührend zu feiern – im Kreis ihrer Allerliebsten.