Wassenberg: Demenzpatientin kann im SZB Wassenberg noch einmal ihren alten Beruf ausüben

Wassenberg : Seniorin mit Demenz greift zu Kamm und Schere

Sofie Schafranek aus dem SZB Wassenberg leidet an Demenz. Ihr größter Wunsch ist es, noch einmal jemandem die Haare schneiden zu können.

Vielleicht kann sich Sofie Schafranek so gut an ihren früheren Beruf erinnern, weil sie bei der Arbeit ihre große Liebe und späteren Ehemann Josef kennengelernt hat. Die 88-Jährige wohnt seit zwei Jahren im SZB Wassenberg. Früher war sie Friseurin, heute leidet sie an Demenz. Ihr größter Wunsch war es jetzt, noch einmal jemandem die Haare scheiden zu können. Simone Below und Louisa Köcher vom SZB haben ihr diesen Wunsch erfüllt und haben sich von Sofia Schafranek die Haare schneiden lassen.

„Am Anfang habe ich gedacht, du musst schon ein bisschen verrückt sein“, berichtet Simone Below, Einrichtungsleitung im SZB Wassenberg. Es komme immer wieder vor, dass sich jemand der Bewohner etwas überlege, was er unbedingt in die Tat umsetzen möchte. Nicht immer lasse sich das realisieren, und manchmal sei es im nächsten Augenblick auch schon wieder vergessen. Nicht so bei Sofia Schafranek. Sie blieb hartnäckig und bat freundlich, aber bestimmt, um Kamm und Schere.

Die 88-Jährige trägt gerne Trachten oder Rock mit Bluse. „Das gilt als ihr Markenzeichen hier im Haus“, sagt Louisa Köcher und schmunzelt. Müsste sie die Seniorin beschreiben, würde sie sagen, sie sei herzallerliebst, aber durchaus auch robust und in der Lage, sich durchzusetzen. Deshalb blieb sie hartnäckig – bis Simone Below schließlich sagte: „In Ordnung, dann schneidest Du mir jetzt die Haare.“ Schon beim Kämmen zeigte sich, wie sorgfältig Sofie Schafranek vorging. Langsam fährt sie mit dem Kamm durch die Haare, zieht den Scheitel.

Man kann Menschen mit Demenz nicht heilen, erläutert das SZB Wassenberg, deshalb geht es in der Pflege von Menschen mit Demenz in erster Linie um die Erhaltung der Lebensqualität. Man kann mit den Betroffenen singen, basteln und spazieren gehen. „Oder ihnen den Wunsch erfüllen, noch einmal Haare zu schneiden“, sagt Simone Below. Als die 88-Jährige schließlich zum Schneiden ansetzt, überlegt Simone Below doch noch einmal kurz, worauf sie sich eingelassen hat – und dann liegt auch schon die erste Strähne auf dem Boden.

Sofia Schafranek wirft sich lächelnd die Hand vor den Mund, als könne sie kaum glauben, dass das tatsächlich gerade passiert ist. Sie ist den Tränen nahe. „Meinen Pony muss ich wohl nun aufs Neue wachsen lassen. Aber das war es mir wert“, sagt Simone Below. Um die Erinnerung festzuhalten, werden die abgeschnittenen Haare aufgesammelt und in einen kleinen Beutel gepackt. Der Beutel liegt nun auf ihrem Nachttisch neben dem Foto ihres Ehemanns.

(RP)
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