Wassenberg: Ausstellung "Gegenüber" von Marile und Theo Heinen im Bergfried

Ausstellung im Wassenberger Bergfried : Dialog von Schwester und Bruder

„Gegenüber“ lautet der Titel einer Ausstellung im Wassenberger Bergfried. Darin zeigen die Geschwister Marile und Theo Heinen ihr dialogisches Konzept von Bildhauerei und Malerei, das noch bis November betrachtet werden kann.

Wenn Marile und Theo Heinen sich im Wassenberger Bergfried unter dem Rubrum „Gegenüber“ zusammenfinden, dann geht es „nicht nur um einen Dialog zwischen zwei Künstlerpersönlichkeiten und der Umsetzung deren Ideen, sondern immer auch um ein Aufeinandertreffen unterschiedlicher Materialien“. Diese Konzept-Hilfe lieferte gestern der Wassenberger Künstler Georg Kohlen einer knapp 70-köpfigen Kunst-Gemeinde in dem historischen Gemäuer über der alten Stadt.

Für die Stadt Wassenberg hatte Kultur-Manager Jürgen Laaser die Künstler und die Interessenten an Ton-Skulpturen von Marile und Malerei von Theo Heinen im Namen von Bürgermeister Manfred Winkens begrüßt und bereits auf die Eignung des Orts für die Kultur hingewiesen: „Atmen Sie den Bergfried ein!“

Georg Kohlen führte die Linie fort mit den Hinweisen, dass Theo Heinen in einem einjährigen, engen Dialog mit seiner Schwester seine in Öl und Acryl gehaltenen Werke chronologisch geordnet habe, woraus seine immer stärker werdende Orientierung an den Frauen-Figuren von Marile deutlich wird, die der Chronologie in den drei Geschossen des Bergfrieds folgt. In mehreren Ausstellungen zuvor habe der Bergfried seine Eignung für dialogische Konzepte von Bildhauerei und Malerei gezeigt, der Baukörper fördere eine ganz eigene Atmosphäre.

Bilder von „Erde und Licht“ stiegen bei ihm auf, gehe er durch die Räume, erläuterte Kohlen. Die diplomierte Keramikdesignerin Marile Heinen bearbeite weißen Ton, der nach der Figuration der Skulptur mit einer zähflüssigen Mischung aus Tonmehl, Wasser und Farbpigmenten eingestrichen und dann gebrannt werde. Den besonderen Charakter der Arbeiten unterstreiche der finale Auftrag von Kupferoxyden, die aber nur in den Vertiefungen erhalten blieben – ein weiterer Brennvorgang schließe das Werk ab, das fast immer in Grau- und Rot-Brauntönen daherkommt.

Theo Heinen arbeitet fast ausschließlich prozessual, heißt, er beginnt ein Bild, lässt es stehen, setzt es später mit anderer Intention fort, was nicht unbedingt eine Endfassung sein muss, sich beliebig oft wiederholt. Das entspringt dem grundlegenden Interesse am Material in Auftragstechnik und Farbe, an deren Veränderungen, die er jeweils am neuen Arbeitstag per Foto festhält. Manchmal wundere er sich fast über seine eigenen „Farbexplosionen“. „Ich gehe nie mit einer Idee an die Leinwand, greife Pinsel oder Stift und setze sie um, fertig,“ erläutert der heute im niederrheinischen Hinsbeck lebende Künstler.

Die Beziehung von Exponaten und Raum wird an mehreren Plastiken von Marile Heinen deutlich; wie etwa an einer Frauenfigur, die auf einem Sims sitzt, als wäre sie dafür gemacht, eine weitere steht proportional in einer Wandnische, die womöglich vor hunderten von Jahren bereits der Kunstaufnahme diente. „Vom Schweren ins Leichte“ hat Marile eine lebensgroße Skulptur benannt, die mit ausgebreiteten Armen im Obergeschoss mitten im Raum steht wie die Christus-Figur über Rio de Janeiro – von hinten sind die Arme als Flügel gestaltet, als sei sie aus eigenem Vermögen in die höchste Etage gelangt. Die Figur beeindruckte die Besucher nicht nur durch ihre Größe.

Bilder von Erde und Licht, der Ton aus der Erde, das Licht auf den teils grellen Leinwänden, nach Georg Kohlen durch das natürliche und künstliche Licht des Bergfrieds besonders exponiert: dies sind alles Zeichen dafür, dass Geschwister-Dialoge zumindest in der Kunst auch für die Umwelt fruchtbar sind – die die Umwelt auch käuflich erwerben kann.

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