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Vor 75 Jahren zerstört - Ausstellung "Wassenberg nach Kriegsende" im Bergfried

Ausstellung in Wassenberg : Wie Wassenberg das Kriegsende erlebte

Wassenberg wurde am 28. Februar 1945 von amerikanischen Truppen eingenommen und von der NS-Herrschaft befreit. Zehn Wochen später war der Krieg zu Ende. Wie sah die Stadt nach der Zerstörung vor 75 Jahren aus?

Er war hörbar, er war spürbar in Wassenberg und Umgebung, der Kanonendonner im Februar 1945 an der Rur-Befestigung, dem Westwall, der den alliierten Militärverbänden aus USA und Großbritannien den Weg freischießen sollte in Richtung Rhein und Ruhrgebiet – am 28. Februar nahmen die Alliierten Wassenberg praktisch kampflos ein. An die Ereignisse zum finalen Kriegsgeschehen erinnert eine Ausstellung im Bergfried, die der Heimatverein (HV) am Sonntag eröffnete. Bürgermeister Manfred Winkens begrüßte rund 80 Interessenten im Kaminraum, der sich fast schon als zu klein erweist für die Veranstaltungen des Heimatvereins, für den er Vorsitzenden Walter Bienen besonders willkommen hieß.

HV-Ehrenvorsitzender Sepp Becker ordnete die auch politische Sichtweise von damals und heute ein: Der Einmarsch der Amerikaner mit Infanterieeinheiten sei damals von der Nazi-Propaganda als „in Feindeshand gefallen“ klassifiziert worden, heute lautet die Wertung, dass Wassenberg von einem fürchterlichen System, einer fürchterlichen Ideologie befreit worden sei. Die Mahnung sei aktuell, dass derartige Ideologien nicht wieder an Einfluss gewinnen dürfen.

Sepp Becker skizzierte den Weg der Nationalsozialisten unter Führung Adolf Hitlers vom Ende des 1. Weltkriegs über die Weimarer Republik, die Machtübergabe 1933 und den 1939 begonnenen Krieg, der in eine Weltkatastrophe mündete. Die Front habe von September 1944 bis zum 28. Februar vor und an der Rur bei Wassenberg gelegen, das vorwiegend von Geschütz-Granaten, weniger von Fliegerbomben getroffen worden sei. Am 28. Februar hätten nach der Evakuierung der Bevölkerung im September 1944 noch sechs Menschen ausgeharrt, als die alliierten Verbände von Hilfarth/Hückelhoven her mit Wassenberg die letzte Stellung an der Rur eingenommen hätten. Die Amerikaner setzten den örtlichen Jesuitenpater Edelbert Hähner zum Bürgermeister ein. Vize-Vorsitzender Oliver Hermanns zeichnete detailreich den Weg des 134. Infanterieregiments der US-Amerikaner von Hilfarth über Doverack, Ratheim, Krickelberg und Orsbeck bis zur Einnahme Wassenbergs nach, wohin dann auch dessen Gefechtsstand von Hückelhoven aus verlegt wurde.

Dieter Krappen schilderte die Situation Myhls in diesen Tagen, wo von den Amerikanern 48 Menschen erst-registriert wurden, vorwiegend Landwirte, die sich der Evakuierung entzogen hatten, um ihr Vieh nicht umkommen zu lassen, zu denen weitere 50 Bewohner aus der Umgebung kamen.

Auf drei Etagen des Bergfrieds ist „Das Kriegsende in Wassenberg“ platziert mit zahlreichen Fotos und Dokumenten, Waffen- und Munitionsresten, eindrucksvoll die Titelseite der Aachener Nachrichten, der ersten Nachkriegszeitung seit dem 24. Januar 1945, deren Schlagzeile am 8. Mai lautete: „Der Krieg ist aus! Bedingungslose Kapitulation!“ Der Schrecken war vorbei. Manfred Winkens dankte abschließend dem Heimatverein, der das immer noch gültige Motto „Nie wieder Krieg“ auch für die Zukunft wach halte.