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Stadtmarketing: Report Mainz drehte mit Prof. Harald F. Ross in Wassenberg

Prof. Harald Ross in „Report Mainz“ : Wie Wassenberg die Innenstadt belebt

Das Stadtmarketing-Konzept von Prof. Harald F. Ross könnte eine Blaupause gegen Leerstand werden. Ein Fernsehteam drehte in der Wassenberger Innenstadt. Das Thema: Beschleunigt Corona das Sterben der Innenstädte?

„Das Stadtmarketing-Konzept vor vier Jahren hat mich überzeugt, mein Geschäft ‚Ideenreich‘ hier zu eröffnen. Und die Zukunft sehe ich weiterhin positiv!“ Vor laufender Kamera legte Iris Jansen das dar, was Wassenberg zunehmend zu einem bundesweiten Markenzeichen für die Wiederbelebung von Innenstädten macht. Auf dem Roßtorplatz und Umgebung drehte ein Filmteam unter Leitung von Manuela Dursun von der Redaktion des Politik-Magazins „Report Mainz“ (Dienstag, 7. Juli, 21.45 Uhr, ARD).

Zu Wort kam vor allem der Initiator des Stadtentwicklungs-Konzepts, der Hückelhovener Marketing-Professor Harald F. Ross, dessen maßgeschneiderte Vorlage und die adäquate Umsetzung durch die Verwaltung als eine Art „Blaupause“ für Städte mit ähnlichen Problemen interessant sind. So unternahm die Tageszeitung „Die Welt“ im November 2019 mit Ross einen Rundgang wie nun das „Report-Mainz“-Team durch das pittoreske Stadtbild, um sich davon zu überzeugen, dass die 2014/2015 vorhandenen 15 bis 20 Leerstände von Geschäftslokalen verschwunden sind zu Gunsten nachhaltiger Belegungen mit Branchen, die Nischen füllen, wie sie in den großen Einkaufszentren wie Roermond und Hückelhoven im geringeren Maß vorhanden sind

Heinz Wilms vom Weinkeller St. Georg drückte es so aus: „Ich bin zufrieden! Den Weinkeller betreibe ich seit neun Jahren, vor vier Jahren habe ich nebenan das Geschäft für Wein und Bier eröffnet – ich habe 90 Prozent Stammkunden.“ Für ihn ist der Abendmarkt am Freitag für Gastronomie und Handel Garant des anhaltenden Aufschwungs.

Und an dem wollen weitere Kommunen partizipieren, so mehrere Städte in Norddeutschland, wo sich Ross, leicht gebremst durch die Corona-Beschränkungen, umgesehen hat, um auch hier maßgeschneiderte Marketingmanagement-Konzepte zu entwickeln. Ein Vortrag zum Thema für eine staatsbürgerliche Stiftung im Saarland wurde als virtuelle Live-Veranstaltung organisiert – eine neue Erfahrung für Ross.

„Beschleunigt Corona das Sterben der Innenstädte?“, ist Arbeitstitel des mehrere Minuten langen Beitrags im Report Mainz am Dienstag, in dem Manuela Dursun und Kollegen weitere Städte, unter anderem Osnabrück, mit ihren Problemen vorstellen und Lösungsvorschläge untersucht haben. Innenstädte, in denen Leerstände von klotzigen Einkaufszentren aus den vergangenen Jahrzehnten mit 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche die Entwicklung blockieren, die die Wassenberger „Blaupausen“ offensichtlich gut gebrauchen könnten.

Die „Aufbruchstimmung“ mit den Säulen „Kultur, Genuss, Event, Tourismus“ hat auch den Galeristen Klaus Noack in Richtung Wassenberg gebracht, eine anhaltende Stimmung, zu der jeder Angelockte seinerseits wiederum beiträgt, alles hängt eben mit allem zusammen.

Das Kamerateam hätte am Nachmittag auf dem Roßtorplatz gern mehr „Lauf“-Kundschaft vor dem Objektiv gehabt, was Heinz Wilms kommentierte: „Die Wassenberger arbeiten tagsüber. Die gehen erst abends aus!“ Der Hinweis darauf, dass der Platz eine Ballung der qualitativ pointierten Gastronomie einschließlich Brauerei ist. Der traditionelle Einzelhandel mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs ist überall fast völlig von den großen Märkten mit großen Parkplätzen am Stadtrand zur Aufgabe gebracht worden. „Tante Emma“ liegt auf dem Friedhof.

Annika Schmitz, im Rathaus fachlich zuständig, versicherte, das Konzept werde weiter umgesetzt als Leitbild der Stadt Wassenberg. Harald F. Ross arbeitet derzeit an einem Groß-Projekt im Düsseldorfer Medienhafen, das die Landeshauptstadt in die Welt-Champions-League der Anwendung von „Künstlicher Intelligenz“ hieven soll. Da läge auch eine Chance für Wassenberg: „Auch hier geht ein Schub über Corona: Da könnte mehr Esprit rein, Digitalisierung über Startups!“