Wassenberg: Sonnenexpress eine Nummer kleiner

Wassenberg: Sonnenexpress eine Nummer kleiner

Das Projekt "Sonnenexpress" des Unternehmervereins Gastvrij Roerdalen-Wassenberg will den grenzüberschreitenden Tourismus unterstützen. Da Euregio-Förderung entfällt, sollen jetzt preisgünstigere Züge angeschafft werden.

Das vom Unternehmerverein "Gastvrij Roerdalen-Wassenberg" angeregte und von Roerdalen und Wassenberg einhellig begrüßte Konzept des "Sonnenzuges", der die beiden Nachbarkommunen im Rahmen touristischer Arrangements verbinden soll, muss eine Nummer kleiner ausfallen, als im vergangenen Jahr präsentiert. Der Grund: Die Euregio als Förderer entfällt. Nach Gesprächen der Initiatoren zum Antragsverfahren stellte sich heraus, dass es für einen Unternehmerverein schwierig sein würde, als Träger des Projektes gefördert zu werden. Möglich wäre das zwar, verdeutlichte Hay Nelissen von Gastvrij, der mit zwei Kollegen zum Kultur- und Sportausschuss nach Wassenberg gekommen war, aber wohl zu "kostspielig und aufwendig", eine neue Machbarkeitsstudie müsste erstellt werden.

Leichter sei es demnach, so Nelissen, den seinerzeit schon angesprochenen Plan B - ohne Interreg-Förderung - zu verfolgen. Und zwar mit einer kleineren, preisgünstigeren Zugvariante, die dennoch alle Grundvoraussetzungen wie bisher erfülle (u.a. Barrierefreiheit). Gastvrij habe sich kundig gemacht und etliche Anbieter gefunden, die günstigere Touristenzüge anbieten, die dennoch alle wesentlichen Anforderungen erfüllen. "Wir bekämen nicht weniger Sonnenexpress, aber billiger" konstatierte Nelissen. Die Kosten für die beteiligten beiden Kommunen und die sich ebenfalls beteiligende Provinz Limburg blieben damit annähernd unverändert. Bei Anschaffungskosten von 143.037 Euro für zwei der elektrisch und mit Solarzellen betriebenen Züge zu je 63 Plätzen (Zug plus Anhänger mal mit festen Türen, mal mit Planenabdeckung) beliefe sich der Wassenberger Anteil auf 53.750 Euro. Die Betriebskosten für den Zug nach der Modellrechnung (an 141 Tagen etwa vier Stunden unterwegs) beziffert Gastvrij auf 43.288 Euro im Jahr. Unverändert bleibt dabei das Ziel, dass das 25-km/h-Gefährt kostendeckend betrieben werden kann, sich also durch Fahrkartenverkauf und Vermietungen (etwa an Vereine) trägt. Fahrer sollen weitgehend ehrenamtlich arbeiten, auch auf deutscher Seite soll dafür geworben werden.

Viele Fragen rechtlicher und finanzieller Art ergaben sich in der Diskussion. Bürgermeister Manfred Winkens hatte west-Geschäftsführer Udo Winkens und den nun auch für Tourismus im Kreis zuständigen WfG-Geschäftsführer Ulrich Schirowski eingeladen. Beide sahen im Sonnenzug unterstützenswertes touristisches Potenzial, wiesen aber auf nötige Genehmigungsschritte etwa bei der Bezirksregierung für einen solchen "Gelegenheitsverkehr" hin. Auch die Eignung und Ausbildung von Fahrern bot noch viele offene Fragen. Heinz-Josef Harren, Wirtschaftsprüfer der Stadt, riet, die steuerrechtlichen Fragen der für das Sonnenzug-Projekt zu gründenden Gesellschaft (Stiftung nach niederländischem Recht) genau zu klären. Schirowski schließlich hielt ein professionelles Marketing für das Projekt für unabdingbar, auch hier dürfte es noch mal um Kosten gehen. Die Gastvrij-Vertreter verabredeten noch in der Sitzung Treffen zu offenen Fragen mit den Fachleuten.

(RP)