Streetfood-Festival in Wassenberg Von Eingemachtem, Pommes und Musik

Wassenberg · Das Wassenberger Streetfoodfestival feierte am Wochenende eine gelungene Premiere. Zu sehen gab es dabei eine ganze Menge einheimische Handwerkskunst.

Das Street-Food-Festival in Wassenberg bot den Besuchern Fastfood aus aller Welt.

Das Street-Food-Festival in Wassenberg bot den Besuchern Fastfood aus aller Welt.

Foto: Ruth Klapproth

Das könnte was werden: Das erste Wassenberger „Street-Food-Drink-Music-Festival“ am Wochenende auf und am Roßtorplatz macht Initiator und Organisator Heinz-Josef Schümmer und seinen Helfern Mut, im nächsten Jahr eine Neuauflage anzugehen: „Wir sind zufrieden, obwohl nicht alle Rahmenbedingungen optimal waren! Wir lernen aber!“

Street-Food-Festivals haben seit der Premiere in Köln 2014 in Deutschland erheblich Fuß gefasst, sie waren für Heinz-Josef Schümmer Anlass, zu seinem persönlichen Zehnjährigen als Pächter des markanten „Braukellers“ im Alten Rathaus am Roßtorplatz, dieses historische Gelände und den am unteren Ende liegenden Parkplatz mit duftenden und schmeckenden Angeboten zu beleben – und hörenden.

Gut 20 Stände aus dem gesamten Rheinland, von Emmerich im Norden bis Nierstein am Rhein im Süden, nahe Mainz, hatten unter Organisation des Kalkarer Fachunternehmens „Streetfood-Agentur“ ans Roßtor gefunden, wo mit den platzhaltenden Geschäften und Gastronomien am Roßtor die Kernkompetenz eines derartigen Events Menschen aus der Region inklusive der limburgischen Nachbarn angezogen wurden.

„Pommes & Frikandel“ – ein Stand machte besonders die Verbindung des Rurlands und Limburg deutlich, schließlich ist das „Platt“ gemeinsamer Standard beiderseits der 1815 gezogenen Staatsgrenze.

Gleich mehrere Stände bedienten Fast-Food-Interessenten mit einem Feuerwerk von Burgern unter anderem der Ausrichtungen „Smash“, „Ghost“, „Juicy“ und vielen, vielen anderen mehr. Veredlungen eines Klassikers. Auf Ur-Klassiker wiesen Duft und Garungsgerät an der ortsansässigen Bäckerei und einer Metzgerei hin: Ein kräftiges Spanferkel drehte sich am Spieß, wurde mit Qualitätsfleisch entweder im Buchweizen- oder Mais-XL-Brötchen angeboten, Herz-haft.

Dazu natürlich Bier auch aus heimischer Braukultur, darunter auch ein Getränk, das vor Jahrhunderten praktisch täglich auf Pferdefuhrwerken auf den Roßtorplatz gerumpelt wurde: Wein. Sowohl in der Roßtor-Gastronomie wie auch am eleganten Zelt-Stand eines Traditionsweinguts aus Nierstein mit moderner Getränkekultur.

Einheimische Handwerkskunst machte sich durch Duft, Geräusch und Geschmack bemerkbar: Mit einem Gas-Flammenwerfer entzündete der Fachmann den riesigen, mobilen Backofen, in dem der frische Teig einer Palette von Getreidesorten in Ruhe reifen konnte.

Gleich gegenüber warnte ein Schild unterm kleinen Zelt Menschen und eventuell Bären, die wohl zur Pferdekarren-Rumpelzeit als reisende Tänzer („Foot-Festival“) den Platz unterhielten: „Schnaps. Kein Honig!“ Die galt den Behältnissen, nämlich Einmachgläser, gefüllt mit Hochprozentigem mit Fruchtzusätzen, von denen einige im Honig-Look glänzten. Nachvollzogen sind die Produkte einer Dalheimerin der Zeit in den 1920ern, als in den USA ein striktes Alkohol-Produktions- und Konsum-Verbot galt, „schwarz“ gebrannt wurde nachts in Kellern und Ställen, „Moonshine“ (Mondschein), heißt das getarnte „Eingemachte“.

Wer an den zahlreichen Ständen mit „Hauptmahlzeiten“-Charakter gesättigt war, konnte am „Eingemachten“ und/oder an Kaffee, Kakao, duftenden Blechkuchen und ebensolchen Crépes und Waffeln bedient werden, also den Magen-Schließ-Elementen.

Elektronik und Mechanik rundeten das Weekend-Angebot in Form eines „Thermomix“ ab, dem kulinarische Wunderkräfte zugesprochen werden wie dem Mix-Kessel des gallischen Helden „Miraculix“, der seinen „Zaubertrank“ seinen Landsleuten als reale Wunderwaffe braute. In Gallien, nicht im früheren Deutschland oder der aktuellen Ukraine.

Macht der Thermomix „Street-Food-Festivals“ eigentlich überflüssig, der kann doch alles? Eigentlich aber auch nicht, denn eine Location wie Wassenberg mit dem Roßtorplatz kann man nicht zusammenmixen.

Und unter anderem den erläuterte Heimatvereins-Vorsitzender Walter Bienen am Samstagnachmittag in einer der Stadtführungen, die eher selten in einer Nahrungs-Duftwolke am Roßtor enden. Vielleicht im nächsten Jahr wieder.