1. NRW
  2. Städte
  3. Wassenberg

Wassenberg: Schwarzwaldfotos voller Geschichten

Wassenberg : Schwarzwaldfotos voller Geschichten

Seit Sonntag ist eine neue Fotoausstellung im Bergfried der Wassenberger Burg zu sehen. "Schwarzwald 1901" lautet der Titel. Fotograf Willi Palm aus Gerderath lädt mit seinen Arbeiten zu einer mystischen Zeitreise ein.

Sind erst alle Stufen zum Bergfried erklommen, eröffnen sich wunderbare Ausblicke auf weite Täler, Wasserfälle und altehrwürdige Mühlen. Der Schwarzwald direkt im Herzen von Wassenberg - seit Sonntag diese Idee alles andere als absurd. Bis zum 6. April zeigt der aus Gerderath stammende Fotograf Willi Palm seine Fotoausstellung unter dem Titel "Schwarzwald 1901" mit nostalgisch anmutenden Motiven aus der Region, die über die Jahrhunderte als Inspiration für unzählige Märchen und Schauergeschichten dienten. Die jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnete Schau wurde im Beisein von Bürgermeister Manfred Winkens und Sepp Becker, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, eröffnet.

Über zwei Etagen, in die Kategorien Schwarzwaldhäuser, Menschen, Energie, Wasser und Natur-Landschaften aufgeteilt, nehmen die Bilder der Ausstellung die Besucher mit auf eine Zeitreise. Denn obwohl die Fotos alle recht aktuell sind, haben die Menschen und Motive eine solch unbeschwerte Ursprünglichkeit an sich, dass es nicht schwerfällt, lebhafte Rückschlüsse auf das Leben vor rund 100 Jahren zu schließen.

Willi Palm reiste über Jahrzehnte regelmäßig in den Schwarzwald und wohnte dort in der Nähe von Freiburg bei einer Familie, die selbst im Besitz eines über 350 Jahre alten Schwarzwaldhauses ist. Dort bekam er viele Tipps für gut versteckte Besonderheiten in der Umgebung und den Seitentälern. "Irgendwann kam mir der Gedanke, eine eigene Ausstellung zu machen. Die hier gezeigten Bilder sind allesamt im Zeitraum der letzten acht Jahre entstanden", erläuterte er. Neben den ausdrucksstarken Charakterporträts der alteingesessenen Einwohner liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den urigen Schwarzwaldhäusern. Einige von ihnen seien unbewohnt und schon über längere Zeit dem Verfall preisgegeben, manche seien schon nicht mehr in der Form vorhanden, in denen Palm sie ablichtete. Der Schindlerhof, dessen Details einen wichtigen Platz in der Ausstellung einnehmen, existiert inzwischen gar nicht mehr. Seine Dachschindeln jedoch hat Willi Palm aufbewahrt und für "Schwarzwald 1901" in einer eindrucksvollen Kollage verarbeitet.

Doch natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen. Neben wunderschönen Landschaftsaufnahmen und historischen Fotografien der Sternenwirte der Familie Stratz versetzen auch die "technischen" Fotografien die Gäste ins Staunen. So erklärt der Künstler einige Fotos von alten Turbinen, die im historischen Wasserkraftwerk Zweribach stehen - dies sei in privater Hand und produziere heute immer noch Strom.

Die Besucher nutzten die Chance, um Palm für ein Gespräch beiseitezunehmen - nicht nur, um mehr über den Hintergrund der Fotos zu erfahren, viele fachsimpelten mit ihm über die Vorteile des verwendeten Barytpapiers oder über die Belichtungszeit bei seinen Wasseraufnahmen. Willi Palm war sichtlich erfreut über die positive Resonanz: "Es müssen nicht immer Hochglanzobjekte fotografiert werden, diese Gegend hat einen ganz eigenen Charme. Es freut mich, wenn ich das vermitteln kann", sagte er. In vielen Fällen muss er das jedoch gar nicht: Die Bilder sprechen für sich und erzählen ihre eigene Geschichte.

An allen Öffnungssonntagen der Ausstellung im Bergfried ist Willi Palm anwesend. Der Eintritt ist frei.

(kasc)