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Musikverein Eintracht Birgelen: In 80 Tagen zum ersten Konzert

Musikverein Eintracht Birgelen : In 80 Tagen zum ersten Konzert

Der Musikverein „Eintracht“ Birgelen lud beim öffentlichen Probentag auf dem früheren Freibadgelände in Wassenberg Interessierte mit und ohne Vorkenntnisse zum „Schnuppern“ ein.

Die Sonne strahlte noch mal so richtig spätsommerlich, ideale Bedingungen beim Open-Air-Konzert und -Informationsnachmittag, zu dem der Musikverein „Eintracht“ Birgelen  aufs Gelände des alten Freibades am Wassenberger Gondelweiher eingeladen hatte. Unter dem Motto „Welcome back“ gaben Music Kids, Jugendorchester und Gesamtorchester in familiärer Atmosphäre interessierten Musikfreunden, Förderern und Inaktiven des Vereins Einblicke in ihr Repertoire. Mitwirkenden und Publikum war die Freude, sich nach langer Corona-Zwangspause wieder zu einer öffentlichen Musikveranstaltung treffen zu können, anzumerken. Während der Pandemie hatten alle allein sowie in Kleingruppen und vielfach auch online weiter geprobt. Jetzt durften sie präsentieren, dass sie nichts verlernt, im Gegenteil sogar einiges dazugelernt haben.

Für die Konzertpause hatte der Musikverein eine besondere Idee. Beim so genannten Instrumentenkarussell waren alle zwischen 16 und 60 Jahren, die Lust dazu hatten, mal ein Holz- oder Blechblasinstrument auszuprobieren,  dazu herzlich eingeladen. Unter Anleitung von Orchestermitgliedern standen  dazu Flöte, Klarinette, Saxophon, Posaune, Trompete und Horn zur Verfügung. Und Leon (8), der eigentlich Schlagzeug lernt, fand plötzlich Gefallen am Bariton, dem er stolz die ersten Töne entlockte. Zuvor hatte er schon Saxophon und Querflöte ausprobiert. Und dabei gemerkt, dass es ganz schön viel Gespür verlangt, etwa bei der Flöte die Luft von oben ins seitliche Anblasloch zu bekommen und dazu die richtigen Finger auf den Klappen zu positionieren. Eltern erfahren, dass es für Kinder, ihren körperlichen Möglichkeiten entsprechend, leicht umgestaltete Blasinstrumente gibt. Nebenan lässt sich Bernd Liebens (51) die Positionen der Posaune erläutern, bevor er dem Instrument selbst die ersten Töne entlockt, unter dem Beifall der Umstehenden. „Man muss sich schon mal was trauen“, sagt er lachend, und es sieht ganz so aus, als ob er Frau und Tochter, die im Eintracht-Orchester mitspielen, möglicherweise mal nachfolgt.  Er hat keine Vorkenntnisse.

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Kein Problem für die Aktion, die der Musikverein nach 2017 zum zweiten Mal startet. Unter dem Motto „In 80 Tagen zum ersten Konzert“ lädt er Menschen, die gern ein Blasinstrument lernen möchten ein, mit wöchentlich einer Unterrichtseinheit bis zum Advent einige leichte Musikstücke im Orchester mitspielen zu lernen. 2017, so berichtet Vorstandsmitglied und Klarinettistin Ira Hahn, hätten acht Musikbegeisterte das Schnupperangebot (für 30 Euro pro Monat) angenommen, aus dreien seien sogar anschließend feste Orchestermitglieder geworden.  „Mit dem Angebot wollen wir Erwachsenen die Angst nehmen, das Unbekannte zu wagen“, sagt Ira Hahn. Die Neulinge erwarte ihr erster Auftritt vielleicht beim Nikolausmarkt in Birgelen oder einer vergleichbaren Veranstaltung. Auch jetzt können sich Interessierte mit und ohne Vorkenntnisse noch beim Musikverein melden. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Orchestermitgliedern“, bestätigen Ira Hahn und Michael Dilsen, Leiter des Jugendorchesters.

Dazu gehört für Eintracht auch eine intensive Jugendarbeit. Eine wichtige Grundlage dazu bieten die in den Grundschulen Birgelen und Wassenberg bestehenden Bläserklassen, bei denen in Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule Kinder Instrumentalunterricht bekommen und ans Gruppenspiel herangeführt werden. Jan van Hulten, Leiter des Eintracht-Gesamtorchesters, unterrichtet hier ebenfalls. Etliche der zehn/elf Jahre alten Music-Kids des Vereins kommen aus diesen Klassen, die wichtige Nachwuchs-Schmieden für die örtlichen  Musikvereine sind. 25 Minuten dauerte das kleine Konzert der Jüngsten, die ihrem ersten öffentlichen Auftritt aufgeregt entgegen gefiebert hatten. Um so herzlicher der Beifall nach „Viva Espana“ oder „Rock-A-Bye Baby“. Das Jugendorchester zeigte sich anschließend beim Rock-Klassiker „Eye of the Tiger“ und Ohrwürmern aus den Filmen „Black Panther“ und „Transformers“ in Bestform.

Mit einer moderierten zweistündigen öffentlichen Probe setzte am Abend das Gesamtorchester unter Leitung von Jan van Hulten den Schluss-Akzent. Widmete sich doch das symphonische Blasorchester speziell dem Thema Märsche. Mit dem niederländischen Gastsänger Maurice de Greef kam später aber auch Swingfeeling („Just a Gigolo“)  auf, und der Shanty-Hit „Wellerman“ entführte in die aktuellen Charts.