Mir dem Fahrrad auf dem Wassenberger Pilgerweg

Besondere Rundtour in Wassenberg : Mit dem Fahrrad auf dem Pilgerweg

Einen besonderen Akzent setzt eine rund 30 Kilometer lange Radtour in Wassenberg. Sie verbindet als Pilgerweg die sieben heute zur Pfarrei St. Marien vereinigten Kirchengemeinden und lädt an Stationen zum Innehalten ein.

Den Körper in Bewegung bringen und die Natur genießen – das sind die klassischen Impulse für eine Radtour. Eine knapp 30 Kilometer lange Radroute in Wassenberg bietet zudem noch eine weitere Besonderheit. Sie lädt an christlichen Monumenten, Kirchen, Kapellen oder Bildstöcken zum Innehalten ein. Meditative Texte, die zweimal jährlich wechseln, geben spirituelle Impulse. Die Route nennt sich „Pilgerweg St. Marien Wassenberg“ und greift seit drei Jahren das gewachsene Interesse an der alten Tradition des Pilgerns auf. Und erstaunlicherweise wird die Themen-Radtour, die auch abkürzbar ist und als Fußwanderweg genutzt werden kann, seit ihrer Eröffnung von vielen Menschen angenommen, die keineswegs zum Kreis der regelmäßigen Kirchgänger zählen. Das haben Martina und Karl-Heinz Jansen, die das Projekt seit seiner Planung begleiten, bei etlichen ihrer geführten Radtouren erfahren. Auch im Sommerhalbjahr besteht wieder mehrfach Gelegenheit zur Teilnahme.

Und immer mehr Menschen erkunden den Pilgerweg auf eigene Faust. Hinter dem Projekt Pilgerweg steckte die Idee, die früher selbstständigen sieben Wassenberger Kirchengemeinden der heutigen Pfarrei St. Marien nach einer von vielen als spannungsreich und schmerzhaft empfundenen Fusion durch ein besonderes Projekt zu verbinden. Eine Anschubfinanzierung für Tafeln und Wegemarkierungen gab es 2016 vom Bistum Aachen.

Martina und Karl-Heinz Jansen vom Förderverein Pilgerweg an der Stele vor der Oberstädter Kirche. Foto: Angelika Hahn

Als Start der in beide Richtungen markierten Route bietet sich eine der Kirchen an, etwa die Kirche St. Mariä Himmelfahrt, erbaut Mitte der 1950er Jahre, in der Wassenberger Oberstadt. Der „Kleine Pilgerweg“ im Park rund um die Kirche ist hier ein barrierefreies Angebot für Menschen, die den großen Weg nicht mehr bewältigen können, aber dennoch an sieben Stelen Impulse finden.

Die Route ab Oberstadt führt weiter in den Stadtteil Myhl, wo eine Kreuzigungsgruppe von 1893 auf der Kuppe des sagenumwobenen Schwanderbergs eine herrliche Aussicht auf das Dorf mit der Kirche St. Johann Baptist eröffnet. Durch das Landschaftsschutzgebiet Myhler Schweiz mit seinen Feuchtbiotopen führt die Route weiter zur früheren Stiftskirche St. Georg im Herzen der Stadt Wassenberg unterhalb des Burgareals, das ebenfalls zum Abstecher einlädt. Die im Zweiten Weltkrieg bis auf den Turm fast völlig zerstörte frühere Stiftskirche, 1118 von Graf Gerhard gegründet und als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika erbaut, war im Mittelalter das geistliche Zentrum der Region. Hinweise zur Geschichte der Kirche und aller übrigen Denkmäler auf der Route enthält der Flyer, der aus Boxen an allen Stationen der Route kostenlos mitgenommen werden kann. Die Tourismusinformation im Infozentrum Naturpark-Tor hält zudem eine handliche Broschüre (gegen Gebühr) bereit, die die Kreuze, Kapellen und Bildstöcke am Wegesrand erläutert. Darunter das Luchtenberger Kreuz, das seit 200 Jahren Pilger aus der weiten Region anzieht.

Damit sind die Rurauen mit einem besonderen Anziehungspunkt erreicht: der romanischen Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt, früher Teil eines Zisterzienserklosters, mit ihren sehenswerten Kunstwerken – neben der Gnadenstatue, einer Madonna mit Kind von 1350, ist der Antwerpener Schnitzaltar (Leben Jesu) von 1520 das bedeutendste Kunstwerk. Über die Marienkapelle im Spargeldorf Effeld führt die Route weiter in den Birgelener Wald, wo neben der Wallfahrtskapelle „Pützchen“ Station am Ort der früheren Bergkirche gemacht wird, der ältesten Kirche der Region (bei der heutigen Friedhofskapelle). Laut mündlicher Überlieferung sollen die Heiligen Lambertus und Willibrord im 8. Jahrhundert hier getauft haben.

Engagierte Wassenberger, die sich kürzlich zu einem Verein zusammengeschlossen haben – weitere Mitstreiter sind willkommen – betreuen die Routen und überprüfen die Stationstafeln, die gerade „frische“ Impulstexte tragen. Geschrieben hat sie Eva Jessen, frühere Wassenberger Gemeindereferentin (heute in Gangelt tätig), die sich im Verein für die spirituelle Begleitung engagiert. Thema ist aktuell die Schöpfungsgeschichte, die natürlich vielfältige Assoziationen zu Natur und Umwelt bereithält und sicher nicht nur Katholiken zum Innehalten einlädt. „Denn Pilgern heißt: sich auf den Weg begeben, den Alltag, seinen Trott, das Gewohnte einfach hinter sich zu lassen und sich selbst und die Welt anders zu erleben – den Mut haben, die Blickrichtung zu verändern“ (Begleitheft zum Pilgerweg).

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