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Künstler gestaltet Taufbecken und Kanzel für die Kreuzkirche Wassenberg

Kreuzkirche Wassenberg : Künstler gestaltet Taufbecken und Kanzel

Der Holzkünstler Udo Havekost fertigte für die Wassenberger Kreuzkirche aus Ahornholz eine neue Kanzel und das Taufbecken mit gläserner Taufschale an. Das Taufbecken kam im Sonntagsgottesdienst schon zum Einsatz.

Er arbeitete schon mit dem vor zehn Jahren verstorbenen Filmregisseur Christoph Schlingensief und der amerikanischen Musikerin Patti Smith zusammen. Jetzt gestaltete der Mittsechziger das neue Taufbecken und die höhenverstellbare Kanzel für die evangelische Kirche in Wassenberg. Holzkünstler Udo Havekost aus Ruppertshofen im Taunus steht seit der Planung 2018 in engem Kontakt mit dem Presbyterium, ließ es sich nicht nehmen, persönlich dabei zu sein, als die hölzernen Neuanschaffungen jetzt der Kirchengemeinde im Gottesdienst offiziell vorgestellt wurden.

Der 64-Jährige, der schon im Kindesalter von seinem Vater Manfred Havekost das Drechslerhandwerk erlernte, ist bei den Protestanten in der Region kein Unbekannter. 1999 gestaltete er den Altarraum in der evangelischen Erlöserkirche in Dalheim-Rödgen komplett neu. Nachdem der Auftrag erteilt war, besuchte ihn eine kleine Abordnung aus der Wassenberger Kirchengemeinde im vergangenen Jahr in seiner Werkstatt, um sich über den Fortschritt der Arbeit zu informieren.

Besonders wichtig war es dem Holzkünstler und seinen Auftraggebern, dass das neue Taufbecken und die Kanzel, die beide aus Ahorn angefertigt wurden, gut zum vorhandenen Altar passen. Havekost kenne jede einzelne Maserung, zeigte sich Dr. Hans-Georg Hörster, der stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums, begeistert von der Umsetzung des ungewöhnlichen Entwurfs. „Alles muss genau stimmen, nichts darf dem Zufall überlassen sein“, erläuterte er zum Konzept des Holzkünstlers.

Das neue Taufbecken mit der Taufschale wurde am Sonntag bereits im Gottesdienst genutzt. Eine Konfirmandin ließ sich taufen. Die höhenverstellbare Kanzel sei leicht zu bedienen und seine eigene Entwicklung, erklärte Udo Havekost. Bislang nutzte Pfarrer Achim Roscher ein einfaches Stehpult. Wie der stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende Hans-Georg Hörster verdeutlichte, wurde die Taufschale, die bisher genutzt wurde, in einen Schrank gestellt, wenn sie nicht genutzt wurde.

Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten habe der international bekannte Künstler einen bleibenden Eindruck hinterlassen, als er seine Modelle für den Abendmahlstisch, Kanzel, Taufbecken und Kreuz in Dalheim-Rödgen vorgestellt habe. Havekost arbeite sehr sorgfältig und akribisch, stellte Hörster heraus. Er wolle nichts dem Zufall überlassen. Dabei besitze er ein „ausgeprägtes Gespür für den Raum“, den er gestalte.

Der Auftrag, der Udo Havekost erteilt worden sei, sei „etwas komplizierter“ gewesen. Denn der Abendmahlstisch sei bereits vorhanden gewesen. Der Anspruch, so der stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende weiter, sei gewesen, das Taufbecken und die Kanzel dazu passend zu entwerfen. „Eine Einschränkung der künstlerischen Freiheit sozusagen.“ Hans-Georg Hörster weiter: „Ich fand es sehr aufschlussreich und spannend, wie die Kreuzkirche mit dem Abendmahlstisch in Augenschein genommen wurde und wie intensiv unsere Vorstellungen und Vorschläge aufgesogen wurden.“ Dabei habe Havekost geäußert, dass bei diesem künstlerischen Prozess Energie fließen müsse. Am Tag des Ideenaustauschs habe der Künstler längere Zeit allein in dem Wassenberger Gotteshaus gesessen und dabei wohl Energie aufgetankt. Kurz vorher sei Havekosts Vater verstorben. „Unser Auftrag schien wie ein Signal, dass es weitergehen muss, dass etwas Neues kommt.“

Weil ihm die vorgefertigten Systeme nicht gut genug erschienen, habe der Künstler die Höhenverstellung an der Kanzel selbst neu entworfen. Es sei kaum vorstellbar, an wie vielen Details er dabei gearbeitet und getüftelt habe, stellte Hans-Georg Hörster in seiner Ansprache an die Gemeinde heraus. Und weiter: „Ich denke, das alles hat Udo Havekost auch einige schlaflose Nächte gekostet.“ Dem Holzkünstler aus dem Taunus bescheinigte er Ausdauer und Geduld. Das lange Warten habe sich gelohnt. „Jetzt steht zusammen, was zusammen gehört.“ Er wünsche dem neuen Taufbecken mit Glasschale, „dass es nicht nur schöne Deko ist, sondern zum Gebrauchsgegenstand wird“.

Die evangelische Kreuzkirche in Wassenberg wurde in den Jahren 1963 und 1964 gebaut. Die feierliche Einweihung erfolgte am dritten Advent im Dezember 1964. Die Kirchengemeinde betreibt in direkter Nachbarschaft das Campanushaus, in dem unter anderem die Ausgabestelle der Wassenberger Tafel untergebracht ist. Hier werden regelmäßig Lebensmittel an bedürftige Menschen ausgegeben. Zur Ausstattung der Kreuzkirche gehören neben dem neuen Taufbecken mit gläserner Taufschale und der Kanzel auch eine Orgel und der Altar.