Ingolf Lück in Wassenberg Den Nerv der Zuschauer getroffen

WASSENBERG · Ingolf Lück, der zweimal 30 Jahre alt ist, kokettierte bei seinem Auftritt in Wassenberg nicht nur mit seinem Alter, sondern gewährte auch andere Einblicke in sein Privatleben.

Ingolf Lück in Wassenberg mit neuem Programm "Sehr erfreut"
Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Er kokettiert mit seinem Alter. Im vergangenen April ist er 60 geworden – das sieht Ingolf Lück „wie zweimal 30“. Nicht alt, sondern „vintage“ sei er. Im gut besuchten Forum der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg trifft der frühere Moderator der ARD-Musikvideosendung „Formel Eins“ den Nerv der Wassenberger Zuschauer, darunter auch Bürgermeister Manfred Winkens.

„Sehr erfreut! Die Comedy-Tour 2019“ hat der aus Bielefeld stammende Wahl-Kölner sein Programm genannt, mit dem er seit Anfang des Jahres unterwegs ist. Dabei gibt Ingolf Lück Einblicke in seinen unerwarteten Erfolg als nachweislich ältester Let‘s-Dance-Gewinner. „Ich habe nie gedacht, dass ich das gewinne“, gibt der Comedian ehrlich zu. „Das Schwierige war, dass mich meine Tanzpartnerin Ekaterina bei der Schrittfolge alle 30 Sekunden wiederbeleben musste.“

Seine Heimatstadt lässt Lück nicht gut wegkommen: „Bielefeld hat keinen Bürgermeister. Da gibt es nur einen Mann, der der Vater von allen ist und Dr. Oetker heißt.“ Ostwestfalen ist seiner Meinung nach ein „Unsinnswort“: „Dabei subtrahiert das Ost das West, übrig bleibt nur das Falen.“ Sein Wassenberger Publikum verzeiht ihm, dass er den Ort, an dem er gastiert, fälschlich „Wasserburg“ nennt. „Ich freue mich, hier zu sein“, bekräftigt der Schauspieler und Moderator, der in der Zeit von 1996 bis 2002 mit der „Wochenshow“, durch die er als Anchorman führte, einem breiten Fernsehpublikum bekannt wurde.

Er nimmt auf der Forum-Bühne auf einem Stuhl Platz, den er sofort mitsamt Tisch als Schulmöbel aus dem Bio-Unterricht klassifiziert. Zwei Stunden lang gewährt Lück einige private Einblicke. Der erste Freund, den seine Tochter Lilly nach Hause mitbringt, ein Tagesausflug nach Amsterdam als 50-Jähriger, um wegen Zigarettenrauchens aus dem Coffee-Shop hinauskomplimentiert zu werden. Die Fahrradprüfung, durch die er als kleiner Junge zweimal fällt – seitdem fährt er illegal Fahrrad, wie er seinem staunenden Publikum augenzwinkernd verrät. Tintenpatronen als Mutprobe auslutschen, dann der unvermeidliche Besuch bei der Schulpsychologin. Sein 93-jähriger Vater, der mit der Zeit geht und Silvester WhatsApp-Nachrichten an seine Enkel und Urenkel verschickt und auf YouTube Videos von Anneliese Rothenberger anschaut. Der die Fernsehkarriere des Sohnes mit „jetzt hast du dein fehlendes Talent zum Beruf gemacht“ kommentiert.

Einem Fan in der ersten Reihe signiert Lück zum Schluss die mitgebrachte Formel-Eins-LP, fragt, ob er immer noch seinen alten Plattenspieler habe. Wassenberg gefällt ihm. „Die Stadt ist toll. Der Bergfried, die Stadtmauer“, so der bekennende Döner-Esser, der sein Wassenberger Publikum mit einer detaillierten Schilderung eines Dönerverkäufers unterhält, dessen Schweißtropfen von der Stirn auf das bestellte Fleisch im Fladenbrot perlen.

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