Akademischer Kammerchor aus Kiew in Hückelhoven Kultur der Ukraine im Konzert

Hückelhoven/Myhl · Auf Einladung des Quartettvereins Myhl trat der Akademische Kammerchor Chreschtschatyk in Hückelhoven auf. Darum sind die Chorsänger kulturelle Botschafter ihrer Heimat.

Der Akademische Kammerchor Chreschtschatyk unter der Leitung von Pavlo Struts gastierte in Hückelhoven.

Der Akademische Kammerchor Chreschtschatyk unter der Leitung von Pavlo Struts gastierte in Hückelhoven.

Foto: Ruth Klapproth

Die populären Lieder und Schrittfolgen helfen ihnen dabei, den Krieg vorübergehend zu vergessen. Wenn sie auf der Bühne stehen, sind das Sirenengeheul, die bangen Stunden im Luftschutzkeller für ein paar Stunden weit weg. Dann sind sie gefeierte Botschafter, deren Mission es ist, die Kultur ihrer bedrohten ukrainischen Heimat zu vermitteln.

Achtzehn junge Frauen und Männer des Akademischen Kammerchores Chreschtschatyk aus Kiew machten auf Einladung des Quartettvereins Myhl in der Hückelhovener Aula Station, um das sichtlich beeindruckte Publikum mitzunehmen auf eine musikalische Reise, die bis in die Gebirgskette der Karpaten führte. Volkslieder aus seiner Heimat hatte das professionelle Ensemble mitgebracht. Zweieinhalb Stunden lang unterhielten sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer und zogen sie mit mitreißenden Klängen und Choreografien in ihren Bann. Zwölf Konzerte an zwölf Abenden: Der Chor befindet sich zurzeit auf NRW-Tournee, ist froh über die Möglichkeit, nachts ohne Sirenen durchschlafen zu dürfen und mit kreativer Inspiration zurückzukehren, wenn in der kommenden Woche das große Abschlusskonzert in der Kölner Philharmonie vor Vertretern der Landesregierung stattgefunden hat.

„Man gewöhnt sich an den Alarm. Irgendwann wird das zur Normalität", sagt Chefdirigent Pavlo Struts kurz vor dem umjubelten Auftritt und lächelt. An einem Tisch im Aula-Foyer sitzen neben Kammerchor-Generaldirektor Serhii Dziubenko auch Oksana Dondyk. Es sind nur noch wenige Minuten bis zum Konzertbeginn. „Frau Dondyk ist in der Ukraine eine berühmte Sängerin, Musiklehrerin und die stellvertretende Dirigentin des Akademischen Kammerchores", erklärt Norbert Rexing, der Vorsitzende des Myhler Quartettvereins, der auch durch das Programm führen wird. Als Projektleiterin hat Dondyk, die vor dem Krieg geflüchtet und in Frechen gelandet ist, die Tournee durch Nordrhein-Westfalen organisiert – für sie eine Herzensangelegenheit, wie sie betont. Seit mehr als eineinhalb Jahren ist sie von ihrem Kammerchor getrennt, jetzt endlich gibt es ein Wiedersehen. „Mein Herz gehört diesem Chor", gesteht sie. Der Reisebus mit dem ukrainischen Kennzeichen parkt vor der Tür in der Doktor-Ruben-Straße, Gastgeber Rexing hat noch schnell wenige Stunden vor dem Konzert einige Geflüchtete aus der städtischen Unterkunft in Hilfarth eingeladen.

„Nachtigall, sing“ lautet der Titel des Programms, dessen Schirmherrschaft Landrat Stephan Pusch übernommen hat. Das „Gebet an die Heilige Maria“ wurde in den ersten Kriegstagen komponiert und hat sich seitdem zum populären Lied entwickelt. „Fischerjungen“ mit Solistin Mariia Semeliak, das traditionelle Brautlied „Oh, in dem Kirschgarten“ (Solisten: Oleksandra Dudchenko und Illia Osypenko) wie auch „Gänse, lauft zum Teich“ trugen die Chorsänger professionell vor. Die stimmsicheren Herren aus dem Kammerchor der ukrainischen Hauptstadt machten mit dem typischen Kosaken-Stolz bekannt, als sie mit „Hey, Falken“ das Gefühl beschrieben, ein Nachfolge der tatarischen Krieger zu sein, die früher am Ufer des Dnipro lebten und vom Fischfang, der Jagd, aber auch Raubzügen lebten. Die Maultrommel, auch Drymba genannt, wurde von den Chormitgliedern ebenso besungen wie die in der Ukraine geschätzte Heilpflanze rote Ruta.

Mit „Alles wird gut“ verliehen die Künstler ihrem Wunsch nach Frieden Ausdruck, ehe sie mit der ukrainischen Nationalhymne als Zugabe einen ausdrucksstarken Schlusspunkt setzten. Unter der Leitung ihres niederländischen Dirigenten Ger Franken hatten die Gastgeber des Quartettvereins Myhl das Vorprogramm bestritten, das vom Thema Frieden beherrscht wurde. Bekannte Gospellieder wie „Go down, Moses“ oder „Thank you, Lord“ standen dabei ebenso auf dem Programm wie „Peace like a River“ und Gotthilf Fischers „Frieden“. Mit anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen wurde der weit gereiste Kammerchor verabschiedet.

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