Hauskonzerte beim Geilenkirchener Klaviersommer

Hauskonzerte beim Geilenkirchener Klaviersommer : Klaviersommer zu Gast im Wohnzimmer

Junge Teilnehmer am Internationalen Klavierwettbewerb, der wieder Teil des 7. Geilenkirchener Klaviersommers war, durften Hauskonzerte in Doverhahn und Birgelen geben. Sie ernteten viel Applaus für ihre Auftritte.

Für Ewgeni Savelev aus St. Petersburg in Russland hat sich die Teilnahme am 6. Internationalen Klavierwettbewerb der Meisterklasse ihm Rahmen des 7. Geilenkirchener Klaviersommers ebenso gelohnt wie für Kaito Kobayahi und Yuya Igo aus Japan oder Robin Stephenson aus Frankreich, obwohl alle vier nicht zu den Preisträgern gehörten, die das abendliche Abschlusskonzert des Klaviersommers bestritten. Da saßen sie im Publikum und reflektierten ihre ungewöhnlichen Auftritte am Nachmittag. Sie hatten zuvor bei drei von mehreren Hauskonzerten gespielt, die Festivalveranstalter Florian Koltun initiiert hatte. Wie schon in den Vorjahren, bot das Festival auch diesmal wieder diese originelle Möglichkeit der hautnahen Begegnung junger Künstler mit Musikfreunden in privater Atmosphäre.

Nicht ganz unschuldig war die Rheinische Post daran, dass Familie Schönefeld aus Wassenberg-Birgelen eines dieser Hauskonzerte ausrichtete. „Wir hatten von der Möglichkeit gelesen und Kontakt zu Koltun aufgenommen“, berichtet Kathleen Schönefeld, „und er hat uns nach einem Besuch sofort eine Zusage gemacht.“ Zur großen Überraschung machten sich gleich zwei Wettbewerbsteilnehmer auf den Weg nach Birgelen: Kobayashi und Igo betraten dabei Neuland. „Ein Hauskonzert haben wir noch nie gespielt“, sagte der 28-jährige Igo. „Und wir haben noch nie ein Hauskonzert durchgeführt“, fügte die Gastgeberin bei, die vor dem Auftritt „total aufgeregt“ war. Knapp 40 Gäste erwarteten Kathleen und ihr Mann in ihrem Wohnzimmer. „Esstisch und Couchtisch wurden weggeräumt, meine Klavierlehrerin hat Stühle mitgebracht.“ So wurde schnell und mit einfachen Griffen aus dem Wohnzimmer ein Konzertsaal, in dem sich die Pianisten und die Besucher wohlfühlten.

Die Zuhörer kamen aus dem Staunen nicht heraus. Fast schon Unverständnis spiegelte sich im Gesicht des begeisterten Hausherrn Tejas Schönefeld. „Viel besser geht es gar nicht. Wie gut müssen da erst die Preisträger sein?“, fragte er eher rhetorisch, wissend, dass es bei einem Wettbewerb oft Nuancen sind, die über Sieg und Platz entscheiden. In Wassenberg waren alle Sieger, die beiden Pianisten aus Japan bei ihrer Hauskonzert-Premiere und Familie Kathleen, für die nach dieser Premiere feststeht, dass sie im nächsten Jahre wieder Esstisch und Couchtisch für ein Konzert aus dem Wohnzimmer verbannen.

Ähnlich war es bei Familie Fell in Doverhahn, wo Pianist Ewgeni Savelev die Gäste begeisterte. Auch dort ist klar, dass es weitere Hauskonzerte geben wird. „Ich bin fasziniert“, sagt Gastgeber Johannes Fell. Seine Begeisterung hat sich auf die Besucher übertragen, von denen einige selbst im nächsten Jahr zu einem Konzert einladen wollen. „Vielleicht schaffen wir eine neue Kultur der Hauskonzerte“, gibt sich Fell optimistisch. Anders als andere Gastgeber hatte Familie Fell keine Probleme, einen großen „Konzertsaal“ mit einem Flügel bereitzustellen. „Obwohl in unserer Familie kein wirklich guter Pianist zu finden ist, wird bei uns viel Musik gemacht“, erläutert Fell. Sein Haus ist seit Jahren Proberaum und Zentrale des von ihm mitgegründeten und geleiteten Kammerchores „Altodojo“. Er selbst bezeichnet sich als „leidlich guten Klarinettisten und begeisterten Sänger“, der bedauert, dass „die musikalischen Salons aus der Mode gekommen sind“.

„Von unserem normalen Wohnzimmer blieb nicht viel übrig“, meinte Benedikt Kaliciak, der das Konzert von Stephenson in Ratheim ausrichtete. Er selbst spielt „halbwegs professionell Klavier“ neben seinem Studium an der RWTH Aachen und ist als Pianist der Bläserphilharmonie Aachen ebenso im Einsatz wie bei Klavierkonzerten mit unterschiedlichen internationalen Nachwuchsorchestern. Stephenson hatte ein umfangreiches Programm dabei, mit dem er die knapp 30 Besucher in seinen Bann zog. Das machte Appetit auf mehr im nächsten Jahr.

Der stürmische Applaus als Lohn des Künstlers war allen vier Pianisten gewiss. Doch vom Applaus alleine können auch sie nicht leben, und so freuten sie sich sehr über die Spenden, die die Zuhörer gerne gaben.

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