Wassenberg: Globale Weisheiten der "Marke Will"

Wassenberg: Globale Weisheiten der "Marke Will"

Hastenraths Will, der weit und breit charismatischste Landwirt und Ortsvorsteher der Herzen, feierte mit dem Auftakt der "großen kleinen Dörfertour" die Premiere seines brandneuen Soloprogramms "Die Welt ist ein Dorf".

Im ausverkauften Amici Beach Club erklärte Hastenraths Will die Welt und deckte die Tücken der Globalisierung auf - wie gewohnt weltmännisch, politisch und in seinem ganz eigenen Jargon, nie um treffende Worte verlegen. Das Publikum wartete gespannt auf die neuen politischen Blickwinkel des "Vordenkers aus dem Hinterland". Will hat zur Zeit aber noch mehr zu tun, als seinem würdigen Amt als Ortsvorsteher und Tourismusbotschafter nachzukommen und weltpolitische Zusammenhänge aufzuzeigen: Sein ewiger Rivale Schorschi Zielonka stellt ihn vor eine neue Herausforderung.

Hatte Will kürzlich noch verhindern können, dass ihm der ungeliebte Dorfbewohner nach 30 Jahren Ehe seine liebe Frau Marlene ausspannt, hat Schorschi nun ein neues Ziel ins Auge gefasst - das Amt des Ortsvorstehers. Will ist gründlich schockiert, schließlich hat er sein heiß geliebtes Amt schon über 40 Jahre inne, so wie sein Vater und dessen Vater vor ihm.

Noch nie hat es jemand gewagt, am Stuhl der Hastenraths zu sägen! Um die feindliche Übernahme abzuwehren, steht Will nun also notgedrungen in der heißen Phase des Wahlkampfes. Da ist es logisch, dass er seine neuen Erkenntnisse zum Weltgeschehen aus seiner Amtsstube heraus zum Besten gibt - für alles andere hätte er augenblicklich gar keine Zeit, und außerdem könnte ja jeden Moment das rote Telefon seines Wahlkampfteams klingeln.

Vor rund 100 Gästen in "Hastenraths Oval Office" erläuterte Will eloquent diese manchmal lästige Sache mit der Globalisierung. "Alles hängt zusammen, auch ohne offensichtlichen Zusammenhang", legte er dar, und schob zum besseren Verständnis ein Zitat von Opa Hastenrath hinterher: "Wenn du dir ein Härchen am Hintern auszupfst, fangen die Augen an zu tränen, und genau so funktioniert das mit der Globalisation".

Er erinnerte sich zurück an die alten Zeiten, als sein Dorf noch ein eigener Planet war, wie ein souveräner Nationalstaat, der natürlich im Clinch mit den Nachbarstaaten stand - inklusive Handelsembargos, Schutzzölle, Feldwegblockaden und Maibaumklauen.

Doch niemand kann behaupten, dass Wills Erkenntnisse einseitig wären, er betrachtet immer das große Ganze. So philosophierte er in zwei Stunden nicht nur über Globalisierung und die daraus resultierenden Hochzeiten von Dörflern und Auswärtigen, sondern auch über die Liebe selbst, über die verlängerte Haltbarkeit von Großeltern, frische Impulse der Neubaugebiete, Umweltschutz und vegane Esstrends. Schließlich ist er als Ortsvorsteher ein Brückenbauer, ein Vermittler zwischen den Welten. "Wäre die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern, da wäre der Anteil einiger so gering, dass sie gar nicht präsent wären - Selbstmordattentäter und Veganer zum Beispiel, oder AfD-Wähler". Als Politiker mache er sich Gedanken und frage sich häufig, ob sich solche Polit-Pannen nicht "verhüten" ließen. Doch auch wenn sich der Eine oder Andere verloren fühle, so bestünde kein Grund zur Angst, denn letztendlich sei die Welt ja wirklich nur ein großes Dorf.

Und so zog Will nach diesen weisen Worten und Riesen-Schlussapplaus dahin - schließlich musste er im Dorf noch Wahlplakate kleben.

(kasc)