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Gemeindeleben per Video und Telefon in St. Marien Wassenberg

Wassenberger Propst ist 60 : Gemeindeleben per Video und Telefon

Propst Thomas Wieners (60) über den Alltag in Corona-Zeiten und sein Fazit nach zehn Jahren in Wassenberg.

Zwangspause fürs kirchliche Leben in der Corona-Krise? Keineswegs. Es darf zwar momentan keine Gottesdienste, Andachten und Gemeindeveranstaltungen geben, aber von Sonderurlaub für Pfarrer, wie manch naive Vorstellung es sich ausmalt, kann keine Rede sein. „Mein Alltag in diesen Tagen bedeutet eher mehr Stress als üblich“, berichtet Propst Thomas Wieners von der katholischen Pfarrei St. Marien Wassenberg. Jede Menge Zeit kostete in den vergangenen Tagen schon die Umorganisation oder Verschiebung von Terminen – etwa für Taufen oder Hochzeiten. Verunsicherte Gemeindemitglieder rufen an, in Abstimmungsgesprächen mit dem Bistum Aachen und Amtsbrüdern der anderen Pfarreien im Kreisgebiet geht es um Möglichkeiten, auch in Coronazeiten Glaubensangebote zu vermitteln, Gemeindeleben wach zu halten – aber eben anders als gewohnt.

Pfarrer Thomas Wieners bietet seit einer Woche täglich um 7.15 Uhr einen Morgenimplus per Video auf Facebook (Gruppe „Du bist Wassenberger wenn …“) an. „Ich setze dabei den Akzent auf ermutigende, positive Botschaften“, sagt er. Die Kirchen der Pfarrei sind für individuelles Gebet jetzt täglich einige Stunden geöffnet. Und das Angebot werde auch gut genutzt, sagt Wieners. Für Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern plant die Pfarrei vier Familiengottesdienste per Youtube. Und auch Seelsorgegespräche per Telefon sollen möglich werden, Informationen hierzu werde es in Kürze auf der Internetseite der Pfarrei geben, kündigt Wieners an.

Jeden Tag feiert Wieners derzeit alleine eine Messe in der Kirche, auch ohne dass diese übertragen werden kann. Über den Sinn einer solchen Feier, gleichsam stellvertretend für die Gemeinde, werde auch unter Geistlichen kontrovers diskutiert, räumt Thomas Wieners ein. Er aber stehe hinter dieser Empfehlung des Bistums Aachen, die für ihn auch theologisch gerechtfertigt sei. „Jede Heilige Messe hat einen sichtbaren und einen nicht sichtbaren Aspekt“, sagt Wieners. „In der Heiligen Messe versammeln sich die Gläubigen sichtbar und erfahrbar um den Altar. Sie hören das Wort Gottes, erleben die Wandlung mit und empfangen dann die Hostie. Der Mittelpunkt dabei ist die Wandlung, bei der die Hingabe Jesu an seinen Vater im Himmel und für uns Menschen vergegenwärtigt wird. Dies können wir nicht mit unseren Augen sehen, trotzdem ist es ein wichtiger und zentraler Punkt.“

Wenn nun in einer Extrem-Situation wie jetzt die Versammlung der Gläubigen fehle, behalte diese Hingabe Jesu an den Vater trotzdem ihre Gültigkeit und ihren Wert. Daher könne in solchen Situationen eine Heilige Messe auch ohne die körperliche Anwesenheit der Gemeinde gefeiert werden. Thomas Wieners: „Es fehlt dann zwar ein wichtiger Teil der Messe, trotzdem kann sie sinnvoll gefeiert werden. Und die Gemeinde weiß, dass der Pastor ,für sie‘ die Heilige Messe feiert.“

Trotz viel Bedrückendem in der aktuellen Krisensituation wird Thomas Wieners sein 60. Geburtstag am 17. März als „sehr, sehr schöner und sonniger Tag“ in Erinnerung bleiben. „Abends haben mich die Amtsbrüder beim Treffen der leitenden Pfarrer der Region mit einem Ständchen überrascht“, erzählt er lachend. Dass der gebürtige Krefelder in diesem Jahr zehn Jahre Pfarrer in Wassenberg ist, setzt einen weiteren Akzent. Im Rückblick spricht Wieners von einer „sehr arbeitsreichen, aber auch sehr glücklichen Zeit. Ich bin sehr gerne hier Pastor.“ Die Spannungen der seinerzeit nicht freiwilligen Pfarrfusion seien heute weitgehend befriedet. Gemeindeübergreifend werde inzwischen Kommunion, Firmung oder Fronleichnam gefeiert. Und auch bei den Gottesdienstbesuchen würden zunehmend die Grenzen der sieben Gemeinden der Pfarrei überwunden. „Und viele sind bereit, mitzumachen und sich einzubringen.“

Er persönlich merke aber auch, so Wieners, dass die Belastung gewachsen sei und „dass ich mein Pensum reduzieren muss“. Für ihn bedeute das auch, mehr Engagierte in die Verantwortung einzubeziehen. Auch in dieser Hinsicht begrüßt Wieners es sehr, dass ihm ab 1. April neben Pfarrer George Panna der aus Ghana stammende Pater Joseph Frimpong von den Steyler Missionaren als weiterer Geistlicher zur Seite stehen wird. Frimpong ist den Pfarreien Wassenberg und Hückelhoven mit je einer halben Stelle zugeteilt worden.