Grundschüler aus Gerderath und Lövenich Wenn Laufen Kindern in der Not hilft

Wassenberg/Erkelenz · Grundschüler aus Gerderath und Lövenich haben mit einem Spornsorenlauf und einer Osteraktion 3925 Euro gesammelt. Mit dem Geld haben sie geflüchteten Kindern aus der Ukraine eine Freude gemacht. Wie auch kleine Aktionen Großes bewirken können.

 Spender, Kinder, ehrenamtliche Integrationshelfer: In einem Kinderspieldorf in Posterholt genossen besonders die Kinder eine Auszeit.

Spender, Kinder, ehrenamtliche Integrationshelfer: In einem Kinderspieldorf in Posterholt genossen besonders die Kinder eine Auszeit.

Foto: Anke Backhaus

Sie haben Traumatisches erlebt, sind aus einem ganz normalen Familienleben herausgerissen worden, weil in ihrem Land seit dem 24. Februar ein schrecklicher Krieg tobt. Ihnen blieb nur die Flucht. Auch in der Region haben Menschen aus der Ukraine Zuflucht gefunden.

Langsam versuchen sie, wieder ein normales Leben zu führen. Fernab der Heimat. „Es war ein großer Wunsch, diesen Menschen etwas Gutes tun zu wollen. Uns als Team war es wichtig, dass die Kinder ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht“, sagte Angelique Brings. Sie leitet den Offenen Ganztag an der Peter-Härtling-Schule in Gerderath. Ihre Kollegin Helma Haken kam schließlich auf die Idee eines Spendenlaufs, um so Geld für die Menschen aus der Ukraine zu sammeln. Die Idee stieß an der Schule auf großes Interesse, auch die Kinder brauchten erst gar nicht überzeugt zu werden, denn sie waren Feuer und Flamme und gingen eifrig auf die Suche nach Sponsoren. Die Leistung der Kinder war letztlich äußerst beachtlich: 3625 Euro kamen zusammen.

„Es für alle Beteiligten eine tolle Erfahrung zu sehen, wie sehr man auch als kleine Schule helfen und etwas bewegen kann“, unterstrich Angelique Brings. Ihr Dank galt nicht nur den laufenden Schülerinnen und Schülern, „auch wollen wir den Dank an die Menschen richten, die die Kinder bei ihrem Spendenlauf so toll unterstützt haben“.

Doch es blieb nicht bei den 3625 Euro, denn Stephanie Peters hatte weitere 300 Euro im Gepäck. Sie leitet den Offenen Ganztag an der Nysterbachschule in Lövenich. Bei der Übergabe der Spende vertrat sie auch Inab, das den Offenen Ganztag der Grundschulen im Erkelenzer Stadtgebiet koordiniert. Dank einer Osteraktion kam das Geld aus Lövenich zusammen, das nun auch in den gesamten Spendentopf kam. Das Geld, so sagte es Angelique Brings, wird größtenteils zum Herrichten der Kinderzimmer im jeweils neuen Zuhause genutzt werden. Zum Kreis der Organisatoren rund um die Spendenaktion der Kinder zählten auch Anne Brauers und Gaby Heinrich, die es sich nehmen ließen, die strahlenden Augen der Kinder direkt zu sehen. Denn: Es ist immer schön, wenn die Spender und die Spendenempfänger aufeinandertreffen und miteinander Zeit verbringen.

Und genau jetzt war der Zeitpunkt gekommen: Man traf sich in Posterholt. Dort gibt es das große Kinderspieldorf Pee Wee, das am Montag die Kinder und ihre Familien empfing, um einen tollen Tag miteinander zu verbringen. In der Hauptsache die ukrainischen Flüchtlinge, die derzeit in Wassenberg untergebracht sind, kamen mit Dolmetscherinnen wie Daria Fritz und Raja Schiffmann, die sich im Flüchtlingsnetzwerk Wassenberg engagieren und vor allem die sprachlichen Barrieren überwinden können. Sie begleiteten aus Wassenberg die Menschen aus der Ukraine, sind auch im Alltag für die Menschen da, die sich hier völlig neu zurechtfinden müssen.

Kostenpflichtiger Inhalt Auf welche vielfältigen Herausforderungen die Flüchtlinge hier treffen, machten Raja Schiffmann und Daria Fritz erst kürzlich beim Integrationsforum deutlich, das im Sitzungssaal des Rathauses der Stadt Wassenberg stattfand. Das Ziel war es, miteinander ins Gespräch zu kommen, auf unterschiedliche Dinge hinzuweisen, die noch verbessert werden müssen. In Wassenberg ist es unter anderem die Wohnsituation, weil Wohnraum – nicht nur in Wassenberg – sehr knapp ist und es nicht einfach ist, für die Flüchtlinge, vielfach Mütter mit ihren Kindern, Wohnungen zu finden.

Umso wichtiger ist es da, kleine Inseln zu schaffen, um den Alltag für einen Moment zu vergessen. So konnten die ukrainischen Kinder dank der Hilfe der Schülerinnen und Schüler aus Gerderath und Lövenich im Kinderspieldorf im niederländischen Posterholt einen unbeschwerten Tag verbringen und diese Auszeit einfach nur genießen. Sie sprechen zwar noch nicht so gut die deutsche Sprache, ein „Danke“ war dennoch oft zu hören.