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„Erdfee“ in Birgelen: Mehr Nachhaltigkeit durch Hanf

„Erdfee“ in Birgelen : Mehr Nachhaltigkeit durch Hanf

Die Hanfpflanze dient zu weit mehr als zum Drogenkonsum – das zeigt das Sortiment der „Erdfee“ in Birgelen. Inhaberin Bernadette Pukallus betreibt einen Laden, bei dem Nachhaltigkeit ganz vorne steht.

Hanf ist wohl eine der meistdiskutierten und vorurteilsbehaftete Pflanzen der Welt. Dass sie mehr ist als eine Droge ist, sondern auch medizinisch eingesetzt wird, verbreitet sich immer weiter. Aber haben Sie schon mal von Kleidung aus Hanffasern, Hanf-Müsliriegeln und -Nudeln, oder Einlegesohlen aus Hanf gehört? Das ist keineswegs reine Spielerei, sondern kann uns ein guter Wegbereiter für ein ökologisches und nachhaltiges Leben sein.

Bernadette Pukallus hat in der ältesten Nutzpflanze der Welt ihr Steckenpferd gefunden und betreibt unter dem Motto „Natur und Mode“ das kleine Geschäft Erdfee in Birgelen. Bei ihr gibt es Bekleidung aus Hanf und Leinen, ein großes Sortiment an Lebensmitteln auf Hanfsamenbasis, wie beispielsweise Pesto, Mehl oder sogar Schokolade, aber auch Öl und Accessoires oder umweltfreundliches Reinigungs- und Waschmittel. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein möglichst nachhaltiges Leben zu führen und hat sich vor einigen Jahren ihren Traum vom eigenen Geschäft erfüllt.

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„Die Hanfpflanze wächst quasi von alleine, die braucht kein Wasser. Bei der Baumwolle ist der ökologische Anbau ohne Schädlinge ganz schwierig. Das ist bei Hanf einfacher, der wächst sowieso und hält sogar Schädlinge ab“, erzählt sie begeistert von dem Gewächs. Der natürliche Anbau der Hanfpflanze fällt damit sehr leicht, da keinerlei Pestizide notwendig sind und Hanf mit nur wenig Wasser extrem schnell wächst – ein alternativer Rohstoff, der unsere Umwelt schont.

Wichtig sei hierbei jedoch zu beachten: Es handelt sich um die Cannabis Sativa – die nützliche Hanfpflanze. Diese Art hat weniger als 0,3 Prozent THC-Gehalt und besitzt damit keine psychoaktive Wirkung. Die Cannabis Sativa sei laut Pukallus ein unabdingbares Produkt für eine vegane Lebensweise und außerdem gut für den Cholesterin, das Herz-Kreislauf-System und sei darüber hinaus ohne Allergene.

Für die Inhaberin ist konventionell hergestellte Kleidung ein Leidensthema: „Es können bis zu 5000 unterschiedliche Chemikalien in Bekleidung sein. Das ist das wahre Chemie-Labor.“ Sie betont, dass unser Körper die Stoffe über die Haut aufnehme und wie wichtig ökologische und faire Siegel in dieser Hinsicht seien. „Einige Siegel bedeuten, dass die Kleidung einmal gewaschen ist und der Produktionsweg ist dazu trotzdem dreckig“, klärt sie auf. Die Kleidung, die sie anbietet, sei aufgrund der Hanffasern hautfreundlich sowie langlebig. All ihre angebotenen Firmen besäßen Siegel, die eine nachhaltige und faire Produktion gewährleisteten. Auch die Verpackungen seien nachhaltig und kompostierbar.

Bernadette Pukallus’ Geschäftsweg begann mit einem umweltbewussten Hobby: „Als meine Ausbildung zu Ende war, dachte ich: Das kann nicht alles gewesen sein. Ich war immer schon Hobbythek-Fan und mein Vater wäre fast Heilpraktiker geworden.“ Das sei für sie eine Art Inspiration gewesen, sagt sie. Ein Urlaub und ein neuer Lieblingspullover ebneten dann den weiteren Weg: „Wir waren im Urlaub in Radolfzell und da habe ich einen Pulli gekauft. Den habe ich heute noch. Ich wusste: Sowas will ich verkaufen! Es ging mir nicht nur um fairen Handel, sondern auch darum, dass es unschädlich ist.“

Ein langer Atem und viele Telefonate verhalfen Pukallus zu einem Kontakt zur Innatex, der größten Naturtextilien-Messe der Welt. „Ich habe dann dazu eine Einladung bekommen und mir wurden Auswahlpakete geschickt. Ich war hin und weg. Als ich die Pakete hatte, wusste ich, diese Kleidung hat eine Seele“, schildert sie.

Doch die anhaltende Corona-Pandemie hat ihr kleines naturbewusstes Geschäft erschwert. Der Umsatz sei eingebrochen und die zwischenzeitlichen Corona-Regeln auf den Märkten verboten es, Kleidung zu verkaufen. Pukallus war klar, dass sie ihr Sortiment für ihren Verdienst erweitern muss und kaufte Hanfschokolade und weitere Produkte auf Hanfsamenbasis ein.

Bereits vor der Pandemie veranstaltete sie Tage der offenen Tür oder Präsentationen bei ihren Kunden. „Was ich empfehlen möchte, ist: Gehen Sie zum Fachhändler. Kaufen Sie das T-Shirt doch mal woanders“, sagt sie und appelliert: „Wir müssen das Bewusstsein haben, dass jedes Teil, das man kauft, einen total langen Weg hinter sich hat.“

Die aktuellen Geschehnisse und Katastrophen weltweit würden dieses Bewusstsein bei vielen Menschen schärfen. Klima, Nachhaltigkeit und faire Produktion sind brandaktuelle Themen, zu denen Bernadette Pukallus beitragen will: „Das ist mein Anteil zur Natur und ihrem Schutz. Das ist ja nicht nur für mich, sondern für uns alle. Ich habe so viele tolle Menschen seit fast zehn Jahren kennen gelernt. Das ist wahrer Reichtum, nicht das Geld.“