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Wassenberg: Energiegewinnung durch Mais

Wassenberg : Energiegewinnung durch Mais

Heimatverein besichtigt die Wassenberger Biogasanlage. Betreiber sieht durch Maisverwertung keine Gefahr für die landwirtschaftliche Artenvielfalt.

Wenn morgens die ersten Schwimmer ihre Runden im Wassenberger Parkbad gedreht haben und anschließend eine warme Dusche genießen, machen sich dabei naturgemäß die Wenigsten Gedanken darüber, woher das Bad seine Energie bezieht. Die kommt seit nunmehr zehn Jahren von der benachbarten Biogas-Anlage, die im Rahmen der Kulturhistorischen Spaziergänge vom Heimatverein Wassenberg von einer 15-köpfigen Gruppe besucht wurde: "Wir denken, dass auch die Industrie zur Wassenberger Geschichte gehört, zudem fragen viele Teilnehmer nach solchen Ausflügen", erläutert hierzu Sepp Becker, Vorsitzender des Heimatvereins.

Von der Begegnungsstätte am Pontorsonplatz aus, ging es zu Fuß los auf einen rund 20-minütigen Spaziergang. Vor Ort wurde die Gruppe von den Geschäftsführern der Anlage, Josef Frey und Rainer Sender, auf einem Rundgang begleitet. Sender erklärte den Besuchern die Produktionsweise der Anlage und sah in überraschte Gesichter, als er sagte: "Wir brauchen hier pro Jahr etwas 12.500 Tonnen Mais, der komplett mit Blättern und Stielen gemahlen wird." Diese Masse wird einem 17 Meter hohen Stahlbehälter anschließend mit Gülle versetzt, von der jährlich 6600 Tonnen verwertet werden. Dann beginnt der Gärprozess, bei dem dann nach rund 60 bis 65 Tagen Gase entstehen, die zu Wärme und Energie umgewandelt werden. Jeden Morgen wird die Anlage von den Mitarbeitern mit den Komponenten"gefüttert", wie Sender es ausdrückte, denn "im Endeffekt ist die Verfahrensweise in unserem Betrieb nichts anderes als eine Kuh aus Stahl". Während die entstehende Wärme, wie bereits erwähnt, an das Parkbad geleitet wird (Fernwärme) wird nach Abzug des Eigenbedarfs für den Betrieb, der Strom ins Netz der West-Energie verkauft. Dazu werden von der Politik feste Preistarife festgelegt.

Nach einer guten Stunde konnten sich die Teilnehmer des Spaziergangs nun ein Bild über die Vorgehensweise solch einer Anlage machen. Die Nutzung regenerativer Energiequellen, also nachwachsende Rohstoffe, wurde durchweg positiv betrachtet.

Kritisch sahen die Teilnehmer jedoch den Umstand, dass die landwirtschaftliche Artenvielfalt durch den einseitigen Anbau der Rohstoffe gefährdet sei. Doch da beruhigte Rainer Sender die Gruppe: "Die meisten Landwirte betreiben eine Vier-Felder-Wirtschaft. Also werden die Anbauflächen immer mit verschiedenen Pflanzen bestückt".

(mom)