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38-Jähriger vor Gericht: Ehepaar verliert Ersparnisse eines Lebens an Betrüger

38-Jähriger vor Gericht : Ehepaar verliert Ersparnisse eines Lebens an Betrüger

Georg S. stand am Montag wegen schweren Betrugs vor dem Richter. Das Urteil: zwei Jahre Haft, auf drei Jahre zur Bewährung ausgeschrieben. Auflage: Zahlung von 6000 Euro an zwei Opfer aus Wassenberg und Düsseldorf. Er brachte seine Opfer um über 680.000 Euro.

Mit seinem Vater Janosch Wolfgang S. führte der Angeklagte die Geschäfte, die im Aachener Landgericht die dritte große Strafkammer am Montag als gewerbsmäßigen schweren Betrug wertete. In sieben Fällen bedeutete das für die Opfer einen "Vermögensverlust größeren Ausmaßes". Ein Ehepaar aus Bornheim hatte den Männern aus Wassenberg laut Anklage bis zu 610.000 Euro übergeben, eine Witwe aus Düsseldorf überließ "in Kommission" Schmuck und Wertgegenstände für rund 70.000 Euro. "Es war Betrug. Ich bin schuldig. Das Geschehene tut mir sehr Leid", beteuerte Georg S..

Da die Beteiligten zuvor eine Verständigung erzielt hatten, reichte ein Tag für den Prozess. Das Geständnis des nicht vorbestraften 38-Jährigen, seine Bereitschaft, nach geringen Möglichkeiten finanzielle Wiedergutmachung zu leisten, und der Umstand der langen Dauer bis zur Hauptverhandlung führten zu einem vergleichsweise milden Urteil: Georg S. muss nicht ins Gefängnis. Zwei Jahre Strafhaft werden für die Dauer von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Bedingung der Kammer: Der Witwe muss S. 2000 und dem Ehepaar 4000 Euro zahlen.

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Wie die zahlreichen Betrugstaten aufflogen, erhellte die Zeugenaussage eines Kripobeamten der Aachener Mordkommission. Um den Betrug an einer Bonner Familie zu vertuschen, sollten zwei Brüder sterben. Ein 46-Jähriger wurde am 21. Oktober 2012 in einem Hinterhalt erschlagen, sein Bruder ebenfalls in eine Falle gelockt. "Mit viel Glück wurde er nur schwer verletzt, konnte ins Krankenhaus fahren und die Polizei verständigen", so der Zeuge. Rasch wurden Betrügereien und weitere Opfer bekannt. Ein "fliegender Teppichhändler" aus Mönchengladbach hatte der Familie ausgewählte Adressen genannt. Das Gericht verzichtete darauf, die hochbetagten Opfer (80 bis 92 Jahre) vorzuladen, und verlas deren damalige Aussagen. Gestern ging es um Darlehensverträge eines Ehepaares in teils sechsstelliger Höhe sowie Schmuck und Antiquitäten der Düsseldorferin. Einige Stücke wurden nach der Hausdurchsuchung in der Wassenberger Villa der Familie S. beschlagnahmt. Einen Teil der Wertsachen und einen Jaguar bekam die Frau zurück. Das Paar verlor die Ersparnisse eines Lebens.

Georg S. erklärte seine Mitwirkung damit, er habe Fahrdienste übernommen aus Sorge um die Gesundheit seines herzkranken Vaters und Verträge unterschrieben, um die Kontrolle zu behalten: "Hätte ich ihn nicht begleitet, wäre alles noch schlimmer gewesen." Er habe seinen dominanten Vater nicht stoppen können. Selbst der Mord hielt den nicht auf, offenbarte ein mitgeschnittenes Telefonat von Janosch S. auf seiner Flucht: "Die Alte" (aus Düsseldorf) komme aus dem Krankenhaus, der müsse man "noch alles abknöpfen und dann mal sehen" - Georg S. bestätigte. Er gab zu, gewusst zu haben, dass der Vater mit Versprechen von bis zu 30 Prozent Rendite log, hoffte aber, Geschäfte mit der von einer Bank auf eine Million Euro geschätzten Villa absichern zu können. Im Wassenberger Haus wurde, so die Verteidigerin, "Geld versenkt ohne Ende". Es kam für 360.000 Euro unter den Hammer. Übrig ist nichts. Georg S. ist nun Verkäufer in einem Möbelhaus, kann nur Kleinstbeträge abstottern. Zahlt er die vom Gericht festgesetzten Beträge nicht rechtzeitig, wird die Bewährungszeit verlängert.

Hintergrundinformation: Ohne die Verzögerung wäre es eine Haftstrafe geworden. Nach Überzeugung des Vorsitzenden Richters hat Georg S. "das Gewerbe aufgegeben", drei Jahre blieben ohne Straftaten. Das bedeute eine positive Sozialprognose. Der Richter sprach von Überlastung des Gerichts. Dass Prozessakten drei Jahre "im Keller" liegen, nannte er "nicht richtig, eines Rechtsstaates unwürdig". Und: "Hätte es die Verzögerung nicht gegeben, wäre es eine zu verbüßende Freiheitsstrafe geworden." Der Sinn einer Strafe gehe "etwas verloren, wenn sie nicht auf dem Fuße folgt".

(gala)