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Diskussion im Rat: Sozialkoordinator bleibt in Wassenberg ein Thema

Aus dem Wassenberger Rat : Sozialkoordinator-Stelle bleibt im Rat ein Thema

Der Antrag der SPD für eine Anlaufstelle bei Pflege- und Betreuungsfragen im Rathaus stieß im Stadtrat auf Skepsis, soll aber bei den Etatplanungen im kommenden Jahr wieder beraten werden.

Ist es sinnvoll, in der Stadtverwaltung die Stelle eines Sozialkoordinators oder einer -koordinatorin als Anlaufstelle für Fragen von Betreuung, Begleitung, Pflege und Unterstützung für Menschen im Alltag einzurichten? Die SPD-Fraktion hatte im Rahmen der letzten Haushaltsberatung den Antrag für eine solche Stelle bereits eingebracht, den sie für die jüngste Ratssitzung mit Nachdruck wiederholte. Aufgrund der Corona-Pandemie seien gerade die älteren Mitbürger von der sozialen Isolation betroffen. Um dem entgegenzuwirken sehe die SPD die Stelle als unabdingbar an, eine Entscheidung dulde keinen Aufschub, begründete Fraktionsvorsitzende Heike Simons den Antrag. Dem sich eine kontroverse Diskussion anschloss. Die SPD, so wurde später erläutert, stellt sich die Einstellung einer solchen Kraft in Form eines geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses vor.

Die Verwaltung hatte in ihrer Vorlage die Einrichtung dieser Stelle bei der Stadt abgelehnt und auf die Zuständigkeit des Kreises für die Alten-, Senioren-und Behindertenberatung verwiesen. Um die Belange älterer Menschen kümmere sich beim Kreis eigens ein Seniorenbeauftragter (Jürgen Köllmann). Immerhin beteilige sich die Stadt an den Leistungen des Amtes für Sozialplanung beim Kreis über die Kreisumlage. In der Stadt böten zudem unter anderen der VdK (Sprechstunden), Pflegeeinrichtungen, der Seniorentreff oder die KAB Anlaufstellen bei Fragen der Begleitung Älterer.

Barbara Wunder (SPD) korrigierte für ihre Fraktion den Eindruck, die SPD fordere etwa einen Seniorenauftragten für die Stadt. Die Stelle solle auch Anlaufstelle für andere Hilfebedürftige sein, junge Familien etwa oder Flüchtlinge. Es gehe auch um eine Vernetzung bestehender, ehrenamtlicher Hilfsmöglichkeiten. „Starten wir doch einen solchen Service als Projekt, als Testlauf“, warb Wunder. Die Kosten seien mit rund 7500 Euro pro Jahr überschaubar.

Während Wunder volle Unterstützung von Robert Seidl (Grüne) bekam, fragte sich Marcel Maurer (CDU), ob eine solche Kraft mit reduzierter Stundenzahl nicht mit dem breiten Aufgabengebiet überfordert sei und letztlich doch nichts anderes tun könne, als Ratsuchende an die Fachleute beim Kreis zu verweisen. Susanne Beckers (FDP) war sich sogar sicher, dass eine effektive Senioren- und Sozialberatung aufgrund der Fülle gesetzlicher Vorgaben „ein zu komplexes Thema ist für eine 450-Euro-Kraft ist. Damit muss man sich 40 Stunden die Woche beschäftigen“. Skeptisch ob der Aufgabenfülle zeigte sich auch Bürgermeister Winkens, der allerdings betonte: „Ich sperre mich nicht grundsätzlich gegen eine solche Stelle.“

Nachdem Barbara Wunder noch einmal appelliert hatte, den Versuch mit dieser Anlaufstelle zu wagen und später Bilanz zu ziehen, lenkte die CDU schließlich zu einem Kompromiss ein. Einstimmig (bei einer Enthaltung) stimmte der Rat dafür, dass das Thema Sozialkoordination – ähnlich wie die Stelle eines Klimaschutzmanagers – im Rahmen der Haushaltsplanberatungen für das kommende Jahr erneut auf den Tisch zu bringen.