Die Kinderkrebshilfe Ophoven besteht seit 30 Jahren

30 Jahre Kinderkrebshilfe Ophoven : Wertvolle Stütze für Kinder und Familien

Kinderkrebshilfe IG Ophoven hat in 30 Jahren fünf Millionen Euro Spenden gesammelt. Im Interview berichtet Gründer Wiljo Caron über die Entwicklung und Zukunft der IG.

Die Kinderkrebshilfe Ophoven hat Grund zu feiern. Seit nunmehr 30 Jahren sammelt sie Spenden und vermittelt tatkräftig Hilfe für Familien mit krebskranken Kindern in der Region. Gerade wurde die Fünf-Millionen-Schallmauer bei den Spenden durchbrochen. Wiljo Caron (69) war maßgeblich an der Gründung der Initiative beteiligt, als deren Sprecher und Aushängeschild er bis heute fungiert. Ein Gespräch über das in drei Jahrzehnten Erreichte und die Zukunftsperspektiven der IG Ophoven.

Herr Caron, blicken wir mal auf die Anfänge. Ihr damals sechsjähriger Sohn war selbst betroffen. Gab das den Ausschlag zur Gründung der Initiative? Was wollten Sie erreichen?

Caron Bei meinem Sohn Maurice wurde Leukämie (Blutkrebs) diagnostiziert. In einer sehr kritischen Phase der Chemotherapie, in der sein Leben an einem seidenen Faden hing, habe ich mir geschworen, dass ich, wenn er das alles überstehen sollte, künftig alles dafür tun werde, dass auch andere betroffene Kinder wieder gesund werden. Konkrete Vorstellungen über die Form der Hilfe hatte ich damals noch nicht. Zunächst galt es ja, den Kampf gegen den Krebs von Maurice zu gewinnen.

Was waren dann die ersten Aktivitäten?

Caron Begonnen hat alles mit der Idee, als Zeichen der Solidarität einen weihnachtlichen Verkauf in Ophoven zu veranstalten und mit dem Erlös krebskranken Kindern zu helfen. Somit fand dann am 17./18. Dezember 1988 ein improvisierter Adventsmarkt statt. Die Firma Mobau stellte uns einige Baucontainer zur Verfügung, die mit Bundeswehr-Tarnmatten verkleidet und mit Tannenzweigen dekoriert wurden. Das waren unsere ersten weihnachtlichen Verkaufsstände. Die vorausgegangenen gedanklichen Pläne von Kurt Eversheim, Wolfgang Kleyer, Lambert Wirtz und mir wurden mit Leben erfüllt und von vielen bereitwilligen Helfern und Helferinnen aus Ophoven in die Tat umgesetzt.

Wer sind heute Ihre Mitstreiter?

Caron Werner von Helden, Marianne Königs, Horst und Anke Hoffmann, Uwe und Claudia Heldens und Hans-Paul Franke bilden den „harten Kern“, der sich jede Woche zum Austausch und zur Besprechung der nächsten Aktivitäten trifft. Ohne diese Stützen liefe nichts.

Bis 2012 war der über die Grenzen Ophovens hinaus bekannte Adventsmarkt das Aushängeschild der IG, aber auch darüber hinaus ist die Interessengemeinschaft ja stets aktiv gewesen und bis heute aktiv. Wo lagen die Schwerpunkte in den Anfangsjahren, und was hat sich daran eventuell mit der Zeit geändert?

Caron Im Großen und Ganzen haben wir unser erfolgreiches Konzept fortwährend beibehalten. Kurz: Bei uns stehen das betroffene Kind und die Familie immer im Vordergrund. Wir arbeiten dabei eng mit der Kinderonkologischen Station des Aachener Klinikums und deren Förderkreis zusammen. Und wir unterstützen die „Kinderonkologische Fachklinik für familienorientierte Rehabilitation“. Dorthin kommen die kleinen Patienten nicht nur in Begleitung der Eltern, sondern sie dürfen auch ihre gesunden Geschwister zur Nachsorge mitbringen. Wichtig ist zu wissen, dass viele von uns betreuten Kinder, die in Aachen behandelt wurden, diese sehr wichtige und sinnvolle Begleitung wahrnehmen können.

Die Kinderkrebshilfe Ophoven springt ein, wenn den Familien über die medizinischen Kassenleistungen für ihr krankes Kind hinaus geholfen werden muss. Wie sieht solche Unterstützung konkret aus?

Caron Aktuell unterstützen wir einen Schüler, der an einer sehr seltenen Krebsart erkrankt ist und eine dritte Chemotherapie wohl nicht überleben würde. Die Familie hat sich nun für eine alternative vielversprechende neuartige Immuntherapie entschieden, die die Krankenkasse im Gegensatz zu einer weiteren Chemotherapie nicht bezahlt. Wir haben hier die Anschubfinanzierung übernommen und haben, was die weitere Unterstützung betrifft, sehr engen Kontakt zur Familie. In der Nachsorgeklinik auf Sylt finanzieren wir seit Jahren die Kosten für eine zusätzliche pädagogische Halbtagskraft.

Die Interessengemeinschaft ist kein eingetragener Verein, arbeitet stattdessen von Beginn an mit dem Verein Kinderkrebshilfe Aachen zusammen. Warum wollte die IG nie selbst Verein werden?

Caron Von Beginn an funktionierte die Zusammenarbeit mit dem Förderverein in Aachen hervorragend. Auch über den Einsatz unserer doch erheblichen Zuwendungen wurden wir bestens informiert und haben uns auch regelmäßig davon überzeugt. Auch Spendenquittungen stellt der Verein für uns aus. Es wurde immer mal wieder von uns diskutiert, die IGO in einen Verein umzuwandeln. Aber schnell war klar: Wir wollen alle gerne weiterhin mithelfen, aber auch weiterhin die Freiwilligkeit genießen, ohne Vereinszwang und Bürokratie. Es läuft auch so alles hervorragend. Ich denke, es ist gerade dieser bewährten Konstellation zu verdanken, dass wir auch nach 30 Jahren immer noch erfolgreiche und gute Arbeit abliefern. An dieser Stelle möchte ich allen freiwilligen Ehrenamtlichen, die sich in den 30 Jahren mit uns eingesetzt haben, noch einmal herzlich danken. Ohne sie hätte es die Erfolgsgeschichte Kinderkrebshilfe Ophoven nie gegeben.

Gibt es über den besonderen Krippenbasar hinaus, zu dem die Kinderkrebshilfe vor Weihnachten einlud, eine weitere Veranstaltung/Aktion, mit der „die 30“ gefeiert wird?

Caron Eine Feier im herkömmlichen Sinne wird es, da sind wir uns alle einig, nicht geben. Unser Feiern sieht so aus: Wir freuen uns über die vielfältigen Veranstaltungen und Aktionen, die unsere Zielsetzung unterstützen und über die vielen Spender, ob privat oder geschäftlich, die uns bis heute treu geblieben sind.

Wie sieht die Zukunft aus? Der Adventsmarkt musste 2012 aufgegeben werden, weil nur noch ein kleiner harter Kern der Initiative die immense Vorarbeit stemmen konnte. Gibt es mittlerweile neue, auch jüngere Mitstreiter, die die Zukunft des Engagements sichern?

Caron Wir sind zurzeit ein eingespieltes Team. Jeder für sich setzt seine individuellen Fähigkeiten ein und ergänzt so eine Mannschaft, die auch in Zukunft den kranken Kindern unserer Region nachhaltig helfen wird. Bei der Teilnahme an größeren Veranstaltungen wie dem Spargelfest Effeld oder dem Weihnachtsmarkt Wassenberg können wir, und darüber sind wir sehr dankbar, auf frühere Mitstreiter zurückgreifen, die dann nochmal mit anpacken. Das hilft enorm und gibt uns eine gewisse Planungssicherheit. Wer aus der näheren Region noch bei uns mitmachen will, ist uns aber herzlich willkommen.

Wo ist die IG in den kommenden Monaten präsent, gibt es eine Schwerpunkt-Aktivität?

Caron Unser nächster Einsatz wird beim Spargelfest am 30. Mai in Effeld sein. Wir bereiten schon jetzt eine große Verlosung mit vielen wertvollen Gewinnen vor. Danach fällt im August der Startschuss für die sehr bekannte und beliebte Reiseverlosung. Durch den Verkauf im Internet haben wir Loskäufer aus ganz Deutschland. Und im Herbst kümmern wir uns um die Vorbereitungen für den Wassenberger Weihnachtsmarkt.