Bücherkiste Wassenberg mit Lesung bei Optik Jaegers & Klingenhäger

Bücherkiste Wassenberg: Mit Brille wäre das nicht passiert

Die Wassenberger Bücherkiste geht mit Vorlesungen auf Tour zu Geschäften und Vereinen. Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe war beim Optiker in der Oberstadt. Dort wurde Edgar Allan Poe gelesen.

Die ohnehin umtriebigen Mitarbeiter der Wassenberger Bücherkiste, die an der Projektgruppe „Stadtmarketing Wassenberg“ beteiligt sind, wollen in Zukunft einen neuen konzeptionellen Weg einschlagen. Sie möchten Titel und deren Inhalte verbinden mit dem Ort der Vorlesung. Ort der Premiere war jetzt das Optikergeschäft Jaegers und Klingenhäger von Sabine und Stefan Herzog in der Wassenberger Oberstadt. Es las Ursula Kurzweg von der Bücherkiste vor, und der passende Titel war „Die Augengläser“ (eigentlich als „Die Brille“ übersetzt) aus der Feder von Edgar Allan Poe.

In ihren Begrüßungsworten sagte Ursula Kurzweg: „Wir möchten einfach mal neue Wege gehen und auch von großen Literaten lesen.“ Von diesem Konzept sollen nicht zuletzt auch die Geschäftsleute profitieren, die ihre Geschäftsräume zur Verfügung stellen. Dann begann die Lesung, und von Beginn merkten die zahlreichen Zuhörer, dass es passt. Der Inhalt der Geschichte und die ruhige und ausdrucksvolle Stimmer der Vorleserin.

Die Geschichte, die aus der Ich-Perspektive erzählt wird, handelt von einem jungen Franzosen, als Foucart geboren, der später aber aus gewissen familiäre Verwirrungen den Namen Simpson angenommen hatte. Er war ein gut aussehender dunkel gelockter junger Mann, dem es nur an einem fehlte: einer gesunden Sehkraft, doch eine Brille verhöhnte er. Eines Tages befand er sich in einem Theater und erblickte die wohl schönste, anmutigste Frau, der er je begegnet ist. Sein Herz war wie elektrisiert, und er hatte nur den einen Wunsch, diese Anmut von Schönheit kennenzulernen. Gerade in diesen Phasen des Buches fesselte Kurzweg die Besucher und machte sie neugierig. Er setzte nun alles daran, sich dieser Muse nähern zu können, und erfuhr zunächst ihren Namen: Madame Eugénie Lalande. Als der junge Simpson bemerkte, dass die Frau seine Blicke aus der Theaterloge erwiderte, plumpste ihm sein Herz beinahe in die Hose.

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In der Folgezeit las Ursula Kurzweg vor, wie es ihm schließlich gelang, an die bezaubernde Person heran zu gelangen und ihr gar ein Eheversprechen abzuringen. Sie hatte aber eine Bedingung, da sie natürlich die Sehschwäche des jungen Mannes längst bemerkt hatte: „Ich habe meinen Teil beigetragen, nun benutze du eine Brille.“ Mit großem Widerwillen folgte Foucart ihrem Wunsch, und es geschah. Er setzte die Brille auf und schrie im selben Moment: „Gott steh mir bei.“ Seine angebetete war übersät mit Falten und Runzeln, und die meisten Zähne waren auch schon fort. Dann riss sie sich sogar auch noch die Perücke ab und sagte: „Ich bin 82 Jahre alt.“ Als sich dann noch herausstellte, dass Madame Lalande eigentlich Simpsons Ur-Urgroßmutter war, endet die Geschichte sarkastisch.

Mit viel Applaus wurde Ursula Kurzweg anschließend von den Zuhörern bedacht.

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