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Birgelen spielte für die Christianisierung der Region ein große Rolle

In Birgelen stand die Mutterkirche der Region : Quelle des Christentums in der Region

Für die Christianisierung der Region spielt Birgelen eine wichtige Rolle: gleichsam als Geburtsstätte des Christentums in dieser Gegend.

Weihnachten feiern die christlichen Religionsgemeinschaften mit der Geburt Jesu von Nazareth gewissermaßen auch die Geburt des „Neuen Testaments“, des „Neuen Bundes“, wie die Übersetzung des Worts Testament aus dem Altgriechischen bzw. Hebräischen lautet. „Geburt“, auch „Wiedergeburt“, spielen eine bedeutende Rolle in diesen Lehren. Für die Christianisierung der Region, der „Geburt“ des Christentums nach Antike und Römerherrschaft in unserer Gegend, spielt Birgelen eine ganz entscheidende Rolle. Birgelen, erstmals in der Georgs-Stifts-Urkunde Wassenberg von 1118 erwähnt, ist Geburtsort des Christentums hier.

„Im Namen der Heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit! Sämtlichen gläubigen Söhnen der heiligen Mutter Kirche sei kund, dass ich, Graf Gerhard, auf meinem Besitztum Wassenberg eine Kirche erbaut habe zu Ehren der Gottesmutter Maria und des heiligen Märtyrers Georg zum Heil meiner Seele sowie meines Vaters und meiner übrigen Vorfahren. Auf göttliche Mahnung hin habe ich beschlossen, sie aus meinen Gütern zu begaben und auszustatten. […] Weiter habe ich der Kirche übertragen (…) die Hälfte der (Kirchen-)Einkünfte von Birgelen.“

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Die Urkunde zur Gründung des Georgs-Stifts in Wassenberg von 1118 ist, wie im aktuellen Jubiläumsjahr häufig betont, eine der bedeutendsten Grundlagen für die Geschichte einer ganzen Reihe von Orten der Region. 14 Orte sind genannt, von denen das Georgs-Stift finanziert werden sollte, davon sechs Kirchen bzw. Kircheneinkünfte, was zur Schlussfolgerung führt, dass es in diesen Orten bereits vor Wassenberg Kirchen gegeben hat. Darüber hinaus gibt es keine Hinweise auf ein Gotteshaus in Wassenberg vor der Georgs-Kirche von 1118.

An zweiter Stelle der Zahlungspflichtigen in der Urkunde steht Birgelen mit der „Hälfte der Einkünfte“ seiner Kirche, Birgelen wurde später inkorporiert, also der Georgspfarre eingegliedert. Birgelen war die bedeutendste Gemeinde für die Christianisierungsperiode im Raum auf der heutigen deutschen Seite der unteren Rur. Bedeutender war lediglich das heute niederländische St. Odilienberg (Gemeinde Roerdalen) einige Kilometer rurabwärts. Neben Anderen werten die Lokalhistoriker Heribert Heinrichs und Jakob Broich in ihrer „Kirchengeschichte des Wassenberger Raumes“ (1958) Birgelen schon als Ort einer vorchristlichen Kultstätte, eines Versammlungsplatzes mit einer „Thing­eiche“ (Thing = Versammlung) germanischer Tradition, vor allem aber das heute so genannte „Pützchen“ als Taufquelle des englischen Missionars Willibrordus.

Die Christianisierung ist an der unteren Rur etwa ab dem 4. Jahrhundert zum Ausklang des römischen Reichs von Tongeren/Maastricht/Lüttich her erfolgt. Das anschließende Erstarken und die Vereinigung der fränkischen Stämme vom Rhein bis in die Niederlande, Belgien und Nordfrankreich hinein bedeuteten zunächst einen Rückschlag in diesem Sinn. Die Christianisierung der Franken setzte der Sage nach im 5. Jahrhundert unter deren König Chlodwig ein. Im 6. Jahrhundert entstanden vermutlich die ersten Holzkirchen in unserem Raum.

Der Gangelter Archäologe Peter Anton Tholen hat die 1867 abgerissene Birgelener Bergkirche auf um das Jahr 1000 datiert, die allerdings auch einen Vorgängerbau gehabt haben muss. Der heilige Lambert von Lüttich (635-705) missionierte hier wohl intensiv, wie rund 60 Kirchen-Patrozinien (Namensgebungen) an Rur und vor allem Maas zeigen – zu denen Birgelen selbst, Hückelhoven, Erkelenz und Dremmen gehören. Das Lambertus-Patronat ist gleichzeitig ein Hinweis auf das Alter der Kirchengemeinden. Heinrichs/Broich vermuten weiterhin, dass Lambertus am Birgelener Pützchen und der etwas oberhalb gelegenen Kirche getauft und gepredigt hat. Die Autoren werten angesichts des gewaltsamen Todes des Bischofs in Lüttich: „Lambert ist der Märtyrer unserer Heimat.“

Der Angelsachse Willibrord (658-739) wirkte in der Region um Birgelen als Nachfolger Lamberts. Im Jahr 690 kam er mit zwölf schottischen Mönchen in die Region an der unteren Rur, erhielt bereits 698 vom merowingischen Königs-Hausmeier (Kanzler) Pippin II. die neu errichtete Abtei Süsteren bei Selfkant, hatte zusätzlich die im Jahr 706 von seinen northumbrischen Mitbrüdern, vor allem Wiro, gegründete Abtei St. Odilienberg als Quartier zur Missionierung an der unteren Rur zur Verfügung. Mit dem Odilienberger Heilwasser der Abtei soll Willibrord die blinde Tochter Odilia Pippins II. sehend gemacht haben. Pippins Ehefrau war im Übrigen die Heilige Plektrudis, die einer Legende aus dem 18. Jahrhundert zufolge die Keyenberger Kirche gestiftet haben soll.

Von Odilienberg aus schwärmten die Missionare in die Umgebung. Am Birgelener Pützchen sollen Willibrord, Wiro sowie Pechhelmus und Otgerus aus dem britischen Norden getauft haben, unterhalb der zu der Zeit bestehenden Kirche. Die Historiker van Thiele und Josef Schiffers ziehen laut Heinrichs/Broich den Schluss, dass die Birgelener Kirche die älteste Taufkirche zwischen Venlo, Kaldenkirchen und dem Wassenberger Raum war. Wurden Taufkirchen gewöhnlich nach Johannes dem Täufer benannt wie Myhl, Ratheim, Wildenrath, kann das Lambertus-Patrozinium Birgelen einen Hinweis auf die „persönliche Beziehung“ des Missionars zum Ort bilden, wo der 705 Erschlagene eventuell getauft und gepredigt hat. Die Kirche wird auf den Beginn des 8. Jahrhunderts datiert. Dass sie so etwas wie die Urkirche der Region war, machen die Lokalgeschichtsforscher auch an dem Umstand fest, dass sie als Sitz des Dekanats Wassenberg galt, in der bis zur Machtübernahme der französischen Revolutionstruppen 1794 die Dechanten gewählt und eingeführt wurden.

Heinrichs/Broich zitieren eine Überlieferung, nach der Willibrordus die Birgelener Kirche selbst eingesegnet haben soll. Der Dalheimer Heimatforscher Franz Mayer war der Auffassung, dass die Birgelener Kirche zur Burg Wassenberg gehörte. Wenn das so wäre, erklärte das auch die Tatsache, dass Wassenberg „erst“ 1118 mit dem Georgs-Stift ein Gotteshaus bekam. Ein vorheriger Graf Gerhard wurde bereits im Jahr 1021 mit Wassenberg belehnt, so dass die Birgelener Kirche demnach 97 Jahre das regionale Herrscher-Gotteshaus war.