Archäologe Markus Westphal referierte vor dem Heimatverein Wassenberg

Archäologie in Wassenberg: Reichte Burgbrunnen bis in die Unterstadt?

Archäologe Markus Westphal referierte über die Burg Wassenberg und die mittelalterliche Schanz an der Landwehr Rothenbach.

Reicht der Brunnen des Wassenberger Bergfrieds bis in die Unterstadt? Ist der Bergfried eingemottet? Lebte die mittelalterliche „Schanz“ an der Landwehr Rothenbach/Gitstapper Hof zur Abwehr der französischen Revolutionstruppen 1793 noch einmal auf? Fragen, die auf Einladung des Heimatvereins Wassenberg und der Volkshochschule des Kreises Heinsberg der Diplom-Archäologe Markus Westphal nun im Bergfried anschnitt und die er nicht alle klar mit Ja oder Nein beantworten konnte.

Denn dazu sind Grabungen notwendig, um die oberflächlich zu sehenden Anzeichen unterirdisch auch zu verifizieren. Und die Letzten davon liegen bereits Jahre oder Jahrzehnte zurück. Heimatvereinsvorsitzender Sepp Becker bedauerte, dass bei den Restaurationsarbeiten am Bergfried eine vollständige Untersuchung des Brunnens in die Tiefe hinein nicht vorgenommen worden ist. Man habe sogar Sponsoren für die Grabungen gehabt, die entscheidende Erkenntnisse über den Bau der markanten Spitze über der Stadt gebracht hätte, aber der Baukran sei vorher abgebaut worden.

Laut Markus Westphal, der sich intensiv mit der Untergrundsituation von Burgen, Motten und Adelssitzen im Kreis Heinsberg beschäftigt hat, könne es durchaus sein, dass der Bergfried bis in den Natursteinsockel gereicht habe, nachgeschaut hatte man an den Mauern bis in rund fünf Meter Tiefe. Fraglich sei auch, ob der Bergfried auf einer klassischen Motte entstanden sei, oder das Gemäuer zuerst auf oder sogar in den Natursteinen errichtet und dann „eingemottet“, also mit Schichten aus Erdreich und Grassoden und Ähnlichem ummantelt worden sei.

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Darüber hinaus vermutete der Archäologe vor gut zwei Dutzend Interessenten im etwas kühlen Kaminzimmer, dass nicht nur ein Palas, das Hauptgebäude, auf dem Gelände des heutigen Burgrestaurants, sondern zusätzliche Gebäude auf dem gesamten Niveau von Osten über Süden nach Westen gestanden hätten, weitgehend auf den heutigen Parkplätzen. Der Brunnen müsse eigentlich 30 bis 40 Meter tief gewesen sein, da in der topografisch-abschüssigen Lage an der Rur-Terrasse kein Wasserreservoir gelegen haben könne.

An der niederländischen Grenze bei Rothenbach nahe dem Gitstapper Hof befindet sich eine der besterhaltenen Landwehranlagen, lange Erdwälle, als Feind-Befestigung mit integrierter „Schanz“, einem befestigten Erdwerk, das im Jahr 1793 sogar einen Ziegel-Turm gehabt haben kann. Da die Schanz, so Markus Westphal, nach Süden ausgerichtet war (und teils noch sichtbar ist) und Ziegelsteine gefunden worden sind, spricht vieles dafür, dass sie gegen die von Süden kommenden französischen Truppen ausgerichtet war. Geholfen hat’s im Endeffekt nicht – die Franzosen kamen ein Jahr später wieder und eroberten das Land bis hin zum Rhein. Überraschendes berichtete Markus Westphal vom Haus-Neuerburg-Gelände in Effeld, heute eine unter Denkmalschutz stehende dreiflügelige Hofanlage: Im Mittelalter folgte dort auf eine Motte eine Wasserburg, die aber im 18. Jahrhundert durch ein opulentes Schloss ersetzt wurde. Aus einem ganz profanen Grund wurde der Prachtbau keine hundert Jahre später wieder dem Boden gleich gemacht.

Archäologe Markus Westphal referiert regelmäßig in VHS-Vorträgen über Burgen, Wehranlagen und Adelssitze der Region – das nächste Mal in Hückelhoven am 26. März 2019.

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