Wassenberg: Als Birgelen noch 15 Wirtschaften hatte

Wassenberg: Als Birgelen noch 15 Wirtschaften hatte

Ehrenbürger und Heimatkundler Franz-Josef Breuer stellte im Pfarrheim Birgelen mit einer Ausstellung sein neues Buchprojekt vor. Es entsteht der vierte Bildband "Birgelen früher und heute". Vielfältige Facetten des Ortslebens.

Wer einmal Birgelens Ehrenbürger Franz-Josef Breuer in seinem Zuhause besucht hat, erinnert sich lebhaft an die endlosen Reihen von Ordnern, in denen dieser Dorfchronist wie er im Buche steht alle möglichen Dokumente, Fotos und historischen Abbildungen zur Ortsgeschichte gesammelt und fein säuberlich archiviert hat.

Schon drei Bildbände hat der mittlerweile 84-jährige Heimatkundler aus seinen Beständen zusammengestellt. Jetzt lud Breuer zur Vorstellung eines vierten Buchprojekts, das zurzeit in Arbeit ist, ins Birgelener Pfarrheim ein. Und Heimatvereinsvorsitzender Sepp Becker lobte zu Recht den Heimatkundler mit seinem unermüdlichen Recherchefleiß als "Birgelens Gedächtnis".

Nach dem letzten Bildband, der Dokumente zur Historie der Bruderschaft in den Mittelpunkt gestellt hatte, wird der neue, rund 200 Seiten stark werdende Bildband breiter ausgerichtet sein, was auch schon sein Titel verdeutlicht: "Erinnerungen an Heimatgeschichten aus Birgelen und dessen Außenorten - Früher und heute".

Auf Schautafeln wie in einer Ausstellung vermittelte Breuer nun schon mal einen Querschnitt aus dem Bildband, für den sich viele der rund 80 anwesenden Birgelener später schon vormerken ließen. Derzeit sei ein Förderantrag des Heimatvereins für das Projekt an die NRW-Stiftung auf dem Weg, sagte Sepp Becker. Auch die Kreissparkasse will sich beteiligen. So hoffen die Heimatfreunde, dass die Bände für rund 25 Euro (unverbindlich) verkauft werden können.

Die Reihe der Ausstellungstafeln im Pfarrheim begann mit der Geschichte der einst selbstständigen Gemeinde, die in den Anfängen von Schloss Elsum aus verwaltet wurde, 1927 an den Elsumer Weg umzog - Effeld, Steinkirchen und Ophoven gehörten dazu. Einwohnerzahlen aus den Birgelener Dörfern seit dem 15. Jahrhundert hat Breuer recherchiert. Am Gemeinderatsfoto von 1961 in der alten Volksschule mit Gemeindedirektor Jakob Wolters bleibt der Blick ebenso hängen wie an den Fotos der alten Birgelenern noch wohlbekannten Ehrenbürger Heinrich Giesen (Bürgermeister) und des langjährigen Pfarrers Hermann-Joseph Zurmahr.

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Breuers eigene Familie ist selbst ein Teil der Birgelener Orts- und Gewerbegeschichte. So sieht man etwa Großvater Adolf Breuer mit Breuers Vater Heinz als Kind vor dem Anstreicherbetrieb in Birgelen. Adolf Breuer arbeitete damals an der Birgelener Kirche und am Pützchen. Die weiteren Breuers wurden im Dorf dann als Schuhmacher und (Schuh-)Geschäftsleute - bis heute - "Institution". Ein besonders denkwürdiges Kapitel schlägt Breuer mit der Geschichte der einst 15 (!) Wirtshäuser im Ort auf. Das letzte schloss bekanntlich Ende 2016.

Das Gewerbe- und Arbeitsleben ist geprägt durch die Stichworte Landwirtschaft und Hauswebereien, die Breuer alle auflistet. Als einziger Industriebetrieb waren die mit etlichen Fotos (etwa vom Verladen des Sandes in Loren) dokumentierten Bong'schen Mahlwerke größter Arbeitgeber. Als eingefleischten Briefmarkensammler und Sportfreund interessiert Breuer natürlich auch die Post- und Vereinsgeschichte.

Viele Fotos dokumentieren längst verschwundene Gebäude im Ort (Mühle, Haus Birgelen) oder den Wandel nach diversen Umbauten. Dorfleben anno dazumal an der Dorfpumpe kommt ebenso in den Blick wie die ersten Fahrräder in Birgelen 1898.

Und immer wieder hat Breuer zu Fotos Geschichten und Erinnerungen an ortsbekannte Menschen und Familien parat, was zu lebhaften Diskussionen unter den Gästen führte. Schlaglichter in die neuere Geschichte wird der Bildband etwa mit der Ortskernsanierung werfen, aber auch die neue Wanderwelt mit Premium-Weg "Birgeler Urwald" oder dem Kirchenprojekt "Pilgerweg" wird dokumentiert.

(RP)
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