750 Jahre Wassenberg Bilder erzählen Stadtgeschichte

Wassenberg · 750 Jahre Wassenberg – eine Ausstellung im Bergfried erinnert an Meilensteine. Sepp Becker und Walter Bienen vom Heimatverein und die neue Stadtarchivarin Eva Schneider haben die Schau konzipiert.

Sepp Becker führt in die Ausstellung „750 Jahre Stadt Wassenberg“ im Bergfried ein. Mit Eva Schneider (vordere Reihe, r.) hatte er die Ausstellung konzipiert.

Sepp Becker führt in die Ausstellung „750 Jahre Stadt Wassenberg“ im Bergfried ein. Mit Eva Schneider (vordere Reihe, r.) hatte er die Ausstellung konzipiert.

Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Nach vielen denkwürdigen Worten beim Festakt zum Stadtjubiläum kam bei der anschließenden Ausstellungseröffnung im Bergfried das Anschauliche der Wassenberger Geschichte zu seinem Recht. Auf drei Ebenen haben Sepp Becker und Walter Bienen vom Heimatverein gemeinsam mit der neuen Stadtarchivarin Eva Schneider Bilder und Dokumente zusammengetragen, die die Besucher zu einem Ritt durch die Wassenberger Geschichte von der Römerzeit bis in die jüngste Vergangenheit einladen. So dankte denn auch Bürgermeister Marcel Maurer bei seiner Begrüßung Sepp Becker und den engagierten Ehrenamtlichen, die sich „seit Monaten den Kopf zermartert haben“ für die anschauliche Präsentation von rund 900 Jahren Geschichte.

Bevor Sepp Becker bei seiner Führung auf Akzente der Schau einging, stellte Heimatvereinsvorsitzender Walter Bienen die beiden kalenderähnlich gestalteten Spiralkataloge mit insgesamt 128 Abbildungen von Urkunden, Bildern, Gemälden und Postkarten vor, mit denen Geschichtsinteressierte die Ausstellung gleichsam mit nach Hause tragen können. Dass die beiden repräsentativen Kataloge (Grafik/Druck: vieten-grafik Wassenberg) nur zehn Euro kosten, ist dem Sponsoring von zehn namhaften Wassenberger Firmen zu verdanken, die Bienen besonders herausstellte.

Einen besonderen Akzent setzt der Kaminraum mit den ältesten Dokumenten zur Stadtgeschichte, die, wie Sepp Becker betonte, älter sein dürfte als 750 Jahre. Das Jubiläum bezieht sich auf die früheste bekannte Nutzung des Stadtsiegels 1273 auf einer Urkunde, die eine Regelung bezüglich des Dalheimer Klosters festlegt. Fotos hierzu und eine Wachsreplik des Siegels sind ebenso zu sehen wie die Abbildung u.a. eines großen Schöffensiegels von 1405. Besonders interessant: Auf einer Tafel, die Orte mit Stadtsiegeln im Rheinland des zwölften und 13. Jahrhunderts markiert, darunter Wassenberg, sucht man Namen wie Mönchengladbach, Krefeld oder gar Düsseldorf vergebens. Becker: „Es macht einen schon stolz, dass unser kleines Städtchen da zu sehen ist.“

Zu den noch älteren Dokumenten der Schau gehört die Gründungsurkunde der Kirche St. Georg vom 30. September 1118 (in einer Abschrift von 1263). Das geschichtsträchtige, im Zweiten Weltkrieg völlig zerstörte und wieder aufgebaute Gotteshaus spielt ohnehin eine größere Rolle in der Schau. Auch auf römische Spuren etwa im Mauerwerk der Orsbecker Kirche (Foto vom Fischgrätmuster aus Ziegeln) geht Becker ein und auf römische Münzfunde, aber auch auf das spätere Münzrecht der Stadt. Zu den Kirchen der heutigen Wassenberger Ortsteile geht der Blick der Schau ebenso wie zur bewusst versteckt liegenden evangelischen Hofkirche und die damit verbundene Geschichte der Prädikanten.

Die neuere Stadtgeschichte thematisieren die oberen Geschosse, etwa den Wassenberger Bahnhof, die Innenstadt in den 1920er Jahren, das Alte Rathaus und besonders die Industrie der Stadt in der Hochzeit der Webereien mit dem dominierenden Fabrikgelände von Krahnen & Gobbers (ab1904). Thema ist auch die Geschichte jüdischen Lebens und die Zerstörung der Synagoge durch die Nazis, an die die heutige Gedenkwand erinnert. Bedrückende Fotos dokumentieren zudem die Kriegszerstörung der Propsteikirche.

Akzente der Nachkriegsjahre bis ins Heute setzen in der dritten Etage – flankiert durch Fotos über die Entwicklung der Stadt mit ihrer Gartenachse – die Urkunde zur Wiedererlangung der Stadtrechte vor 50 Jahren vom 5. Juni 1973, unterschrieben von Ministerpräsident Heinz Kühn und dem damaligen NRW-Innenminister Willi Weyer, sowie die Partnerschaft mit der französischen Stadt Pontorson. Nicht nur die Partnerschaftsurkunde ist zu sehen, sondern auch die Ehrenurkunde für Wassenberg als „Europaaktive Kommune in NRW“ (2013). Für Sepp Becker „ein Auftrag zum Frieden heute“.

Die Schau im Bergfried ist noch an den kommenden beiden Sonntagen, jeweils von 14 bis 17 Uhr, offen.

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