Zwei neue Otter-Ausstellungen in Burg Brüggen

Ausstellung in Brüggen : Ein niedlicher Jäger in Burg Brüggen

Der Fischotter galt in NRW bis vor wenigen Jahren als ausgestorben. Nun ist er wieder heimisch – auch in zwei Ausstellungen auf Burg Brüggen. Eine dreht sich um den Fischotter, die zweite um Cartoons von Brüggens Wappentier.

Bis 1920 gab es in Deutschland noch in vielen Kochbüchern Rezepte für die Zubereitung von Otterfleisch. Eines begann mit den Worten: „Trennen Sie zunächst den Kopf ab, denn der ist hässlich.“ Der Otter, ein schlanker Jäger mit Krallen und einem beachtlichen Gebiss, wurde nicht nur wegen seines Fleisches gejagt, das als Fisch galt und deshalb in der Fastenzeit gegessen wurde. Ebenso beliebt war sein Fell, das mit 120.000 Haaren pro Quadratzentimeter genauso dicht ist wie das eines ganzen Schäferhundes. Dies waren zwei Gründe, die die Otterpopulation in NRW verschwinden ließ. Inzwischen ist der Otter zurück  und steht unter Naturschutz.

Wer mehr über den Otter erfahren will – und dieses aus biologischer Sicht und aus dem Blickwinkel des Karikaturisten – , ist ab Samstag, 12. Oktober, in der Burg Brüggen richtig. Dort hat Wolfgang Gettmann, der frühere Direktor des Düsseldorfer Aquazoos, mit einem Team die Ausstellung „Lutra lutra, der Fischotter“ gestaltet. Gettmann wurde als Besitzer von Fischotter Nemo bekannt. Mit seinem pelzigen Partner war er in vielen TV-Sendungen, traf dort zahlreiche Prominente wie etwa Comedian Mirja Boes.

Auch nach Nemos Tod ist der Zoologe Gettmann begeisterter Otter-Freund. Jetzt zeigt er Informationen zu allen 13 Otter-Arten, Präparate, Bücher, Filme und Otter-Sammlerstücke. Und warnt vor gefährlichen Trends wie „Otter-Cafés“ in Japan. warum Menschen von dem tier fasziniert sind: „Der Otter passt perfekt in das Kindchen-Schema: Knopfaugen, weiches Fell – er ist einfach niedlich“, sagt Gettmann.  Und dabei ein Jäger, der  keinen Fisch entkommen lässt.

In der neuen Ausstellung „Lutra lutra: der Fischotter“ geht es nicht nur um den Fischotter. Dieser ist hier präpariert zu sehen. An Schautafeln können sich die Besucher außerdem über die insgesamt 13 Otter-Arten informieren. Foto: Daniela Buschkamp

Gettmanns Ausstellung ist ein Höhepunkt der Veranstaltungren, die im Patschel-Jahr in Brüggen und Umgebung stattfinden. Denn auch wenn der Fischotter bereits ausgerottet war, so war er doch in Brüggen, insbesondere in Born, nie vergessen.

Noch werden die Patschel-Cartoons zusammengestellt. Foto: Daniela Buschkamp

Der Lehrer Heinrich Malzkorn aus Born hat dem Tier in seinem 1945/46 verfassten Roman „Patschel“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Ein Denkmal, das durch die soeben erschienene Neuauflage neuen Glanz erhalten hat. Malzkorns Werk schildert das Leben von Otterweibchen Patschel. Diese „Patschelin“ sucht zunächst einen Partner und muss dann einen harten Kampf ums Überleben führen. 70 Jahre nach dem Erscheinen des Romans hat sich der Brüggener René Bongartz mit einem Team von Otter-Interessierten an die Herausgabe dieses Romans begeben. Und dazu gehören zahlreiche Veranstaltungen wie Lesungen und eben die neue Doppelausstellung in der Brüggener Burg.

Seit vielen Jahren zeichnet Nik Ebert die Geschichten von Niederrheinotter Patschel. Anders als in der literarischen Vorlage ist Patschel bei ihm männlich. Grafik (2): Ebert. Foto: Nik ebert/Nik Bert

Ein Mann, der die Erinnerung an Patschel über Jahre auf humorvolle Weise lebendig gehalten hat, ist Nik Ebert, Karikaturist der Rheinischen Post. Während Malzkorns Roman durchaus tragische Elemente enthält und eine weibliche Hauptfigur, sind Eberts „Geschichten aus dem Biotop“ rund um einen männlichen Patschel mit leichtem Strich gezeichnet und ebenso hurmorvoll erzählt. „Malzkorns Patschel wäre wohl ohne die Cartoons nicht so gut in Erinnerung geblieben“, meint der Mönchengladbacher.

Woche für Woche lässt er die Leser der Rheinsichen Post in Mönchengladbach und des Grenzland-Kuriers in Viersen am Leben seines Patschels teilhaben. Mal geht es um die Antipathie gegen Fischstäbchen, mal um eine langsame Gemüselieferung.  Nicht nur für Patschel ist Nik Ebert bekannt. Regelmäßig bringt er auch das politische Geschehen in Mönchengladbach mit seinen Karikaturen auf den Punkt und hat auch schon die Düssel-Möwe zum Leben erweckt.

Das Besondere an der Patschel-Ausstellung in der Burg Brüggen: Noch nie zuvor hat Nik Ebert derart viele seiner Patschel-Cartonns gezeigt. Und wer sich daran nicht sattsehen kann, hat nach dem Ende der Ausstellung die Chance, die handsignierten Reprografien, stilvoll im schwarzen Rahmen, mit nach Hause zu nehmen. Allerdings erst nach dem Kauf (Stückpreis: 59 Euro). Eine Reservierung vorab ist möglich.

Heidy Davies, die die „Lutra lutra“-Ausstellung organisiert hat, hofft auf viele neue Otter-Freunde jeden Alters. „Für Kinder zeigen wir Otter-Fotos und Filme“, kündigt sie an. Auch Führungen seien auf Anfrage möglich.

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