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Brüggen: Zurück in die Sechziger

Brüggen : Zurück in die Sechziger

Wer einen Oldtimer pflegt, der sorgt auch für die stilechte Ausstattung. So konnten Besucher beim Renault Oldie Treffen in Bracht nicht nur die Technik bewundern, sondern auch Henkelmann und Teddybär.

Für Ralf Deppe muss es Liebe auf den ersten Blick gewesen sein: Bei einem Renault Treffen in der Eifel 1999 entdeckte er ein Auto, das ihm sofort gefiel. Ausschlaggebend war das Baujahr, "1963 – so alt wie ich", und das fachmännische Urteil eines Bekannten, der als Kfz-Mechaniker einen Blick auf den Wagen warf, auch drunter schaute, und Deppe sagte: "Den kannst du nehmen, der ist in Ordnung."

Die Geschichte des Renault 8, seines R 8, kennt Deppe genau. 1963 wurde der Wagen in Südfrankreich von einer Dame gekauft, die 1987 heiratete und nach Münster zog. Wenig später starb die Frau, der Wagen kam zu einem Sammler. Und dann fand Deppe den Wagen. Besonders stolz ist er auf die kleinen Details, die seinen R 8 zu einem Schmuckstück machen: Innen ist der Wagen mit rotem Leder ausgekleidet, den Fahrer- und Beifahrersitz hat er mit Lammfell bezogen. Das Lenkrad ist noch das erste, und das Fahrzeug ist im Originalzustand, also ungeschweißt, erhalten. Am Lenkrad gibt es auch einen Hebel, mit dem der Fahrer die Stadt- und die Landhupe bedienen kann: Da ertönt ein "Tröööt" für den Stadtverkehr, ein deutlich lauterers "Tröööt" für Überlandfahrten.

Wegen der Zierleisten, die in der Sonne blitzen, fährt Deppe nie durch die Waschstraße, "das ist zu gefährlich, die könnten sich ablösen", sagt er. Statt dessen pflegt er selbst. Sein "Geheimrezept": "Wasser mit der Sprühflasche aufsprenkeln und den Wagen vorsichtig abledern. Und wachsen." Stilecht hat er mit einer alten ADAC-Plakette, mit Teddy und Henkelmann, Wackeldackel und Blech-Verbandskasten den Wagen ausstaffiert.

Seit 2002 ist der Düsseldorfer Mitglied im Renault Oldie Club Viersen, der am Sonntag auf dem Gelände des Brachter Autohauses Schouren seine Schätzchen präsentierte. Deppe nimmt an an den Pfingstausfahrten teil, die immer von anderen Mitgliedern organisiert werden, und schätzt den Austausch mit anderen Renault-Oldie-Fans, die vielleicht mit besonderen Fertigkeiten aufwarten oder wissen, wo noch das ein oder andere Ersatzteil erhältlich ist. Wer einen Oldtimer sein Eigen nennt, der muss zugreifen, wenn sich Ersatzteile bieten – auch, wenn eine Reparatur noch gar nicht nötig ist, sagt Herbert Rischke, "da muss man zugreifen".

Auch der gelernte Kfz-Mechaniker aus Gesecke hat einen Renault von 1963, eine cremefarbene Dauphine mit Automatikgetriebe, die er 2003 in der Schweiz bei einem Antiquitätenhändler entdeckte. Die Dauphine nahm er zu Hause in der Garage auseinander und setzte sie wieder zusammen. Einzig Sicherheitsgurte baute Rischke neu ein, "zu meiner eigenen Sicherheit". Dass die Arbeit am Oldie nie endet, findet Rischke nicht schlimm, im Gegenteil: "Ich gehe in die Garage und bastel' am Auto, da kann ich mich entspannen."

(RP)