Erziehung in Viersen So sieht Viersens kleinste Kita aus

Viersen · Eine Kita, die nur aus einem einzigen Raum besteht: Das ist die „Wilde 13“ im ehemaligen Hauptschulgebäude am Pestalozziweg 5. Wie dort Kindern aus Kriegsgebieten und nach der Flucht geholfen wird.

Fotos aus Viersens kleinster Kita
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Zu Gast in der kleinsten Kita von Viersen

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Foto: Buschkamp

Im Kinderbuch-Klassiker „Jim Knopf“ von Michael Ende ist die „Wilde 13“ eine Gruppe von Piraten. In Viersen ist es eine Spielgruppe für Kinder ab zwei Jahre, denen noch kein Platz in einer Kita angeboten werden konnte. „Allerdings sind es zurzeit nicht 13 Kinder“, sagt Projektleiterin Petra Danek. Das Angebot ist gefragt, es gibt immer wieder Anfragen von Eltern und eine Warteliste. Denn das Projekt richtet sich speziell an Kinder aus Familien mit Flucht- oder Kriegserfahrung oder mit anderen Problemen.

Die „Wilde 13“ ist ein gefördertes Brückenprojekt, um Familien zu helfen. Dass dieses Angebot in Viersen gebraucht wird, lässt sich, so SkF-Vorständin Astrid Samuel, an der aktuell vollständigen Belegung und dem steigenden Interesse der Eltern erkennen.

„Wir kümmern uns um Kinder, die etwa durch den Ukraine-Krieg traumatisiert sind“, nennt Samuel ein Beispiel. Zudem nehme man Kinder auf, in deren Familie es Probleme gebe. Deshalb werde in den beiden Spielgruppen, die jeweils an zwei Vormittagen stattfinden, der Tagesablauf klar strukturiert: Die Kleinen kommen an, können frei spielen, es gibt einen Morgenkreis, ein gemeinsames Frühstück und einen Abschlusskreis. So soll nicht nur das Selbstvertrauen der Kinder wachsen, sondern auch ihre individuelle Entwicklung gefördert und ihre Neugierde geweckt werden.

Unverzichtbares Hilfsmittel: „Der Google-Translator“, sagt Petra Danek. Ohne ihn würde die Verständigung nicht funktionieren. Man versuche auch, den Kindern die deutsche Sprache näherzubringen, durch Singen, Geschichten und Sprechen im Alltag. Das funktioniere, schildert Danek. „Ein Vater erzählt, dass seine Kinder sich nun immer auf Deutsch unterhalten, wenn er sie nicht verstehen soll.“

Zu Gast in „Viersens kleinster Kita“: Dafür muss man das frühere Schulgebäude am Pestalozziweg 5 betreten. Dort ist etwa auch das Team der Frühen Hilfe zu finden. Durch eine Klassenzimmer-Tür geht es in die Räumlichkeiten der „Wilden 13“. Und die sehen gar nicht wild, sondern mit vielen Spielsachen, Bildern und bunten Möbeln einladend aus. Anfangs sei der Raum karg und leer gewesen, erinnert sich Petra Danek. Durch zahlreiche Spenden habe man ihn ansprechend gestalten können.

„Hier ist es klein, aber schön“, sagt Stefan Smitowicz vom Fachbereich Jugend beim Ortstermin mit einem Lächeln. Auf die Frage, ob dies Viersens kleinste Kita sei, zieht er eher den Vergleich mit einer Kindertagespflege, in der mehrere Mädchen und Jungen betreut werden, oder mit einer Spielgruppe.

Im September 2022 startete das Projekt; seitdem wurden bis Mai 2024 55 Kinder betreut. Nach dem Start mit 14 Plätzen war ab Juni 2023 die Nachfrage derart groß – auch durch die Flucht der Menschen aus der Ukraine – , dass eine zweite Gruppe eingerichtet wurde. Insgesamt gab es dann 24 Plätze. Im Mai 2004 gehörten 17 Kinder zur „Wilden 13“. Aktuell gibt es acht Anfragen; drei Mal musste man Interessenten absagen, etwa weil das Alter des Nachwuchses nicht passte oder weil die Familien nicht in Viersen wohnten.

Weitere Ziele: Die Kinder sollen durch das Brückenprojekt gefördert werden, ohne sie zu überfordern. So sollen sie gezielt auf den Wechsel in eine Kindertagesstätte vorbereitet werden. Zudem gab es bisher außerdem eine Waldgruppe am Nachmittag, einen sehr stark nachgefragten Väter-Samstag und, in Kooperation mit einer Kita, ein St.-Martins-Fest.

Aktuell werden die „Wilde 13“-Teilnehmer an zwei Vormittagen in der Woche, am Montag und Dienstag sowie am Mittwoch und Donnerstag, jeweils von 9 bis 12 Uhr, betreut. Neben qualifizierten Mitarbeiterinnen engagiert sich außerdem eine Mutter aus Syrien, deren Kind selbst in der Spielgruppe war, dafür, schildert Petra Danek.

 So sieht „Viersens kleinste Kita“ aus: Stefan Smitowicz (städtischer Fachbereich Jugend), Projektleiterin Petra Danek (Mitte) und Astrid Samuel, Vorständin vom Verein Sozialdienst katholischer Frauen.

So sieht „Viersens kleinste Kita“ aus: Stefan Smitowicz (städtischer Fachbereich Jugend), Projektleiterin Petra Danek (Mitte) und Astrid Samuel, Vorständin vom Verein Sozialdienst katholischer Frauen.

Foto: Buschkamp
 Als das Projekt „Die wilde 13“ im September 2022 startete, war der Raum karg und leer. Jetzt fühlen sich die Kinder dort wohl.

Als das Projekt „Die wilde 13“ im September 2022 startete, war der Raum karg und leer. Jetzt fühlen sich die Kinder dort wohl.

Foto: Buschkamp
Durch den früheren Schulflur geht es in den Raum der „Wilden 13“.

Durch den früheren Schulflur geht es in den Raum der „Wilden 13“.

Foto: Buschkamp

Doch die komplette Belegung ändert sich; im August werden voraussichtlich alle Plätze frei. „Deshalb suchen wir jetzt neue Kinder“, sagt die Projektleiterin. Informieren können sich Eltern über das Angebot bei zwei Schnuppertagen.